Mittwoch, 9. Mai 2007

Razzien bei G8-GegnerInnen

Darius 23.27 Uhr Filed under: Segnungen des KapitalismusWas geht ab

Heute sind in zahlreichen Städten linke Treffpunkte der GlobalisierungskritikerInnen durchsucht worden. Die Großrazzien, bei denen über 900 Beamte zum Einsatz kamen, richteten sich gegen Gruppen, die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm vorbereiten. Einige von Ihnen sollen nach Behauptungen der Behörden die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorbereitet haben.

VertreterInnen von Attac, der Linksfraktion und anderen globalisierungkritischen Organisationen vermuten vielmehr, dass mit den Razzien die globalisierungskritische Szene im Vorfeld des G8-Gipfels eingeschüchtert und kriminalisiert werden soll. Am Abend gab es in zahlreichen Städten Proteste dagegen. In Köln ist eine weitere Demonstration für Samstag geplant.

Mittwoch, 18. April 2007

Salomonische Lösung

Darius 0.19 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Manchmal mache ich so unsinnige Dinge, wie irgendwelche Großkonzerne auf Fehler in ihrem Onlineshop hinzuweisen:

Ihr Name: Darius Dunker
Bemerkungen: Bei dem Artikel mit der ASIN B000O17CSS scheint Durcheinander bzgl. Windows und Macintosh zu bestehen. Der Produkttitel »InDesign CS3 v5 WIN UPG IE DVD« bezieht sich offenbar auf die Windows-Version, angegeben ist aber, es sei für die »Plattform: Macintosh«.
Bei Artikel B000O17CSI handelt es sich um das Gegenstück. Es nennt sich »InDesign CS3 v5 MAC UPG IE DVD«, aber ist angeblich für Windows. Offensichtlich wurden beide Produkte verwechselt, nun ist aber unklar, was man unter welcher ASIN bestellt…

Tatsächlich antwortete Amazon schon bald darauf:

Wir freuen uns über aufmerksame Kunden! Ich habe den von Ihnen entdeckten Fehler an die Katalogabteilung weitergeleitet. Wir sind natürlich an einer fehlerfreien Website interessiert.
Sie können im Übrigen auch direkt auf unserer Website auf mögliche Fehler hinweisen: Am Ende der Produktseite eines jeden Artikels in den Shops Bücher, CDs, DVDs sowie Videos finden Sie unten auf der Seite unter »Kommentar« die Links »Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?«. Auf den folgenden Seiten können Sie Ihre Korrekturhinweise eingeben.

Die letzte Information hatte ich – gleichfalls im Übrigen – schon online gelesen. Doch zwar handelte es sich hier um DVDs, aber nicht um solche, die bei Amazon unter DVD geführt werden. Und der Software-Shop enthält ebenjenen Link nicht. Darum, werte Amazonen, habe ich euer allgemeines Kontaktformular benutzt.
Tagelang hat sich bei Amazon dann aber nichts getan. Nun sah ich nochmal nach, und welche schicke Lösung hat Amazon gefunden: Artikel B000O17CSI ist jetzt »InDesign CS3 v5 WIN UPG DVD (english)« aber tatsächlich für die »Plattform: Windows 98 / Me / 2000 / XP« und Artikel B000O17CSS ist »InDesign CS3 v5 MAC UPG DVD (english)« für die »Plattform: Macintosh«. Warum die Produkte dabei englisch wurden, weiß wohl nur Amazon, aber es spielt ohnehin keine Rolle, denn offenbar gleich mit der Korrektur heißt es nun für beide Versionen:

Verfügbarkeit: Führen wir nicht oder nicht mehr – jetzt gebraucht vorbestellen.

Was für ein toller Vorschlag für ein Produkt, das noch nicht einmal erschienen ist!

Samstag, 14. April 2007

Demonstration gegen Abschiebezentrum bei Lüttich

Darius 10.04 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Acht Jahre nach Einrichtung des Abschiebegefängnisses in Vottem (Herstal) bei Lüttich planen zahlreiche ostbelgische Organisationen für Sonntag, den 22. April 2007, eine große Protestkundgebung unter dem Motto »Acht Jahre später – und ich finde mich noch immer nicht damit ab«. Über das generelle Unrecht hinaus, dass in Abschiebegefängnissen Menschen allein wegen ihres Aufenthalts in Europa wie Schwerverbrecher eingesperrt werden, gab es auch in den letzten Monaten eine Reihe von Berichten über Menschenrechtsverletzungen im »geschlossenen Zentrum Vottem«.

Meine Texte dazu:

Mittwoch, 14. März 2007

Maja kommt nicht wieder

Darius 3.36 Uhr Filed under: Natur und soSegnungen des Kapitalismus

BieneNachdem einige Medien (von Welt bis taz) schon vor Wochen kurze Berichte darüber gebracht hatten, erschien nun in der Süddeutschen ein großer Artikel auf der Wissenschaftsseite über das rätselhafte Bienensterben, das in englischsprachigen Medien Colony Collapse Disorder (CCD) genannt wird.

In den USA ist die Mehrzahl aller Bienen verschwunden. Weil eine klare Ursache fehlt, spekulieren Forscher über das Ende der Insektenart – ein Ende mit möglichen Konsequenzen für die Menschheit. […]
An der amerikanischen Westküste sind fast 60 Prozent der Bienenvölker kollabiert, an der Ostküste und in Texas sind es mehr als 70 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten ist betroffen und Teile Kanadas. Dasselbe passiert auch in Spanien und in Polen. […]
Durch ihre Leistung bei der Bestäubung gelten Bienen in Europa nach Rindern und Schweinen als das drittwichtigste Haustier – noch vor dem Geflügel.

Der Artikel geht, wie nur an einem identischen aber unterschiedlich übersetzten Zitat zu erkennen ist, offenbar wie der Welt-Artikel auf mehrere Berichte der New York Times zurück, die leider nicht frei online verfügbar sind.
Bedauerlicherweise geht keiner der deutschen Artikel darauf ein, ob ein Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen besteht, die in den USA bekanntlich verstärkt angebaut werden.
Die Colony Collapse Disorder Working Group der Pennsylvania State University, offenbar das wichtigste Expertengremium in dieser Angelegenheit, geht derzeit nicht davon aus, dass CCD durch das Insektizid des Bacillus thuringiensis (Bt) verursacht wird, das von genetisch verändertem Mais u.ä. produziert wird. Dieses wirke, erklärt Wikipedia, nämlich vor allem auf die Larven von Insekten, bei CCD ist aber gerade das Verschwinden der adulten Bienen kennzeichnend. Auch würden die Bt-manipulierten Pflanzen, vor allem Mais und Tabak, eher nicht so stark von Bienen aufgesucht.
Andererseits wird oftmals auf Mais basierende Nahrung an Bienen verfüttert. Laut CCD Working Group ist jedoch auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Fütterung und CCD zu erkennen.

Some GMO crops, specifically Bt Corn have been suggested as a potential cause of CCD. While this possibility has not been ruled out, CCD symptoms do not fit what would be expected in Bt affected organisms. For this reason GMO crops are not a “top” priority at the moment.

Ausdrücklich erklärt die CCD Working Group jedoch, dass dies nicht heißt, dass Bt-Mais sicher ausgeschlossen werden kann.
Nun meldet die Süddeutsche in einem anderen aktuellen Artikel, Greenpeace protestiere erneut gegen die erfolgte Zulassung des Bt-Mais »Mon 863« von Monsanto in Europa und weise auf mögliche Gesundheitsgefahren für den Menschen hin.

»Ratten, die den Mais MON863 in Fütterungsversuchen zu fressen bekamen, reagierten darauf mit Veränderungen an Niere und Leber«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der seine Ergebnisse am Dienstag in Berlin zusammen mit Greenpeace vorstellte. […] Lebens- und Futtermittel, die MON863 enthalten, dürfen sei dem 1. Januar 2006 in die Europäische Union importiert werden. In den USA und Kanada wird die Sorte nach Angaben des Herstellers Monsanto auf mehreren Millionen Hektar angebaut. Die Pflanzen produzieren aufgrund einer Veränderung im Erbgut ein Eiweiß, das gegen einen Schädling, den Wurzelbohrer, wirkt.

Laut Greenpeace wurde bei der Zulassung manipuliert:

»Es gibt erhebliche Mängel in der statistischen Auswertung der Studie, wie sie von Monsanto vorgelegt wurde«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der das französische Wissenschaftlerteam CRIIGEN leitet. »Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere, ließ Monsanto unter den Tisch fallen.«

Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen besteht, ist, wie gesagt, noch nicht wirklich untersucht.

  • Update: Eine stark überarbeitete Textfassung steht unter www.z-ac.de
Donnerstag, 1. März 2007

Empörung nach Köhlers Kapitalismuskritik

Darius 0.44 Uhr Filed under: MedienschelteSegnungen des Kapitalismus

Bundespräsident Horst Köhler sorgte dieser Tage mit kapitalismuskritischen Äußerungen für einige Empörung. Die Industrie habe

mit Blick auf die […] Entwicklung dieser Erde kein Ruhmesblatt geschrieben. Offensichtlich hat die Selbstverpflichtung nicht funktioniert. Und der Staat hat keinen Mumm gehabt […] Der Markt allein wird es nicht richten

Claus Christian Malzahn, bekannt als oberster Gesinnungswächter bei Spiegel Online, findet klare Worte:

Das […] stammt direkt aus den düsteren siebziger Jahren – Life on Mars lässt grüßen. Es erinnert an jene schwarze Prosa, […] diesen kalten Dialekt […] vielleicht kennt er keine andere Sprache […] vor allem eine Schlagwortsammlung aus dem linksextremen Poesiealbum. In die Kollektion linker Klassiker wird das Pamphlet wohl kaum aufgenommen werden. […] vulgärmarxistische Phrasen

Oder verwechsle ich da etwas?

Sonntag, 4. Februar 2007

Haben Sie schonmal mit einem 180000-Dollar-Schein bezahlt?

Darius 21.45 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

n-tv.de berichtet:

Die kolumbianische Polizei hat in einer Wohnung im Westen des Landes 18 Millionen US-Dollar (rund 14 Millionen Euro) eines berüchtigten Drogenbarons sichergestellt. […] Die 100 US-Dollar-Geldscheine seien in Plastik versiegelt unter dem Bodenbelag der Wohnung in Cali versteckt gewesen.

Interessant, dass er mit hundert Scheinen auf 18 Millionen Dollar gekommen sein soll. Kein Wunder, dass er das Geld gehortet hat. Wahrscheinlich wollte niemand seine 180000-Dollar-Scheine annehmen. – Na okay, ich glaub’s ja auch nicht. N-tv meinte wohl 100-US-Dollar-Scheine. Von denen müsste er dann doch etwas mehr als hundert gehabt haben, ähm, grob gerechnet – Mathe ist ja nicht so mein Fall – hundertachtzigtausend Stück.

Freitag, 2. Februar 2007

Danke, nett gemeint, aber…

Darius 15.22 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Der Hersteller meiner neuen Maus nennt unter den Vorzügen dieses Eingabegerätes:

Das Lasersystem gewährleistet eine erstaunliche Leistung auf den meisten Oberflächen und die Auflösung von 1.000 dpi verbessert die bereits präzise Abtastung noch. Arbeiten Sie dank [der] für Links- und Rechtshänder geeigneten Form den ganzen Tag lang.

Ach, danke, muss nicht sein.

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Transsexuelle Imbissbude

»Du bist doch sonst nicht so konservativ!« – Neuerdings nennen mich ja Leute, die sich selbst für die linke Avantgarde halten, konservativ, weil ich doch als Linker tatsächlich von Aspekten des Denkmalschutzes sprach, als es um den Aachener Katschhof ging. Da behaupten grüne und linksparteiliche Ratsherren, mich zu kennen. (Bin ich sonst nicht so? Immerhin wohne ich nicht zufällig in einem denkmalgeschützten alten Bruchsteinhaus.) Tatsächlich finde ich diese Beschreibung aus der wahrlich nicht gerade linken FAZ ganz treffend:

Der Schweizer Städtebauer Carl Fingerhuth als Vorsitzender der Jury sprach gar von einer »Bühne, wie es sie so auf der Welt noch nicht gibt«, und prophezeite, der am Katschhof geplante Bau werde »in fünfzig Jahren selbst zum Weltkulturerbe [wie der Aachener Dom] gehören.« Wäre er doch, wie Baudezernentin Gisela Nacken inzwischen nachlegte die »Krönung für unsere Innenstadt«.
Geht’s nicht ein bißchen kleiner? Bereits der Name provoziert diese Frage: »Bauhaus Europa« – damit betreibt die Stadt, in der Ludwig Mies van der Rohe geboren (aber erst 2005 eine Gesellschaft nach ihm benannt) wurde, eine andere Form der Markenpiraterie. Der Zusatz »Europa« erfolgte, weil es für »Europa« Fördermittel gibt. (FAZ v. 8.12.2006)

In meiner Straße gibt es alle hundert Meter eine Imbissbude. Die nächste von ihnen ist nur ein paar Häuser entfernt und im Sommer viel zu deutlich von meinem Balkon aus zu riechen. Vor wenigen Tagen muss es gewesen sein – vielleicht an ihrem Namenstag? – da hat diese Imbissbude eine Geschlechtsumwandlung vollzogen. Jetzt, wo ich ja ohnehin konservativ bin, kann ich mich ja über sowas wundern.

Also tatsächlich – da bin ich sicher nicht konservativ – ist mir völlig egal, zu welchem Geschlecht sich gerade jemand hingezogen und in welchem er oder sie sich richtig aufgehoben fühlt. Transsexualität bei Imbissbuden ist mir allerdings ein völlig neues, doch unübersehbares Phänomen: »Mr. Nik« heißt jetzt »Misses Nick«. Nun denn: wenn sie sich wohler so fühlt, soll das mal so sein.

Montag, 27. November 2006

Dreister Dreisatz

Darius 10.57 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Bei der Mehrwehrtsteuererhöhung haben sie es vorgemacht:

CDU: Wir wollen 2% mehr Mehrwertsteuer kassieren.
SPD: Das machen wir nicht mit.
CDU+SPD: Einigen wir uns auf 3%.

Die CDU kann das offenbar auch alleine:

Laumann (offenbar in dem Bemühen, Rüttgers an Populismus zu überbieten): »Es ist ungerecht, dass jemand, der über Jahrzehnte Sozialversicherungsbeiträge zahlt, nach zwölf Monaten Arbeitslosigkeit genauso gestellt wird wie ein Alkoholiker, der noch nie gearbeitet hat.«
Wulff (reflexartig): »Eine Linksverschiebung der Union ist mit mir nicht zu machen.«
Merkel (salomonisch): »Die Jüngeren werden nach unserer Meinung weniger Arbeitslosengeld bekommen.«

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Danke, »Bild«!

Darius 0.28 Uhr Filed under: MedienschelteSegnungen des Kapitalismus

Danke, Bildzeitung, dass du die Werbekampagne, bei der du einige intelligente Köpfe für dein jede Intelligenz beleidigendes Blatt instrumentalisiertest, vorerst eingestellt hast und dich auf deine eigentliche Kernkompetenz zurückbesinnst::

Ja, meine Brüste sind gemacht

Logisch zwingend ist es zwar nicht, dass – der Untertitel der Werbung wurde beibehalten – dies eine Wahrheit wäre, die jemanden bräuchte, der sie ausspräche, aber Logik ist nicht nur in deiner Werbung ja kein Argument.

Ich hatte erwartet, dass Du, Bildzeitung, in der nächsten Runde der Kampagne »Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht«, noch eine Runde nachlegst. Oh wie hätten wir Linken geschimpft, wenn du z.B. das Plakat »Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden« / Rosa Luxemburg gebracht hättest. Aber dazu warst du dann doch zu feige. Stattdessen jetzt also

Papa, ich bin schwul. – Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. – BILD

Also wenn eins klar ist, dann dass Bild sicher der falscheste Ort ist, um Papa erfahren zu lassen, dass mann schwul ist. Wenn schon, aber ihr seid eben nicht originell, dann hätte der Spruch ohnehin heißen müssen »Ich bin schwul und das ist gut so.«