Samstag, 4. Februar 2012

Microsoft: Nur etwa 5% haben 2010 illegale Medien heruntergeladen

Darius 14.04 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Heute kam mit der Post ein Lobbyismus-Paket von Microsoft für deren Kampagne »Sicherheit macht Schule«. Das Paket enthielt auch fünf Anstecker, die SchülerInnen als Abzeichen erhalten sollen. Einer der Anstecker fiel mir besonders auf, denn er trägt das Motiv »Urheber« und soll wohl für besonders gute Urheberrechtskenntnisse verliehen werden. Ansonsten ist in dem an den Bundestagsabgeordneten A.H. adressierten Umschlag nichts zu dem Thema, aber die Website des Projekts macht es dann schon deutlicher, dass zu den Medienkompetenzzielen des Angebots besonders auch der »Schutz des geistigen Eigentums« gehört. Spätestens an dieser Stelle werden offensichtlich Interessen des Microsoft-Konzerns mit dem Unterrichtsmaterial den Schulen angedreht. (more…)

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Werbesprech versus Bürokratendeutsch

Darius 23.52 Uhr Filed under: Alles gesagtSegnungen des Kapitalismus

Ein Klitzekleinwenig zustimmen möchte ich dem, dass die DB besonders exzessiv und oft unnötig kompliziert mit Anglizismen arbeitet. Service Points finde ich im Bahnhof z.B. quatsch, und Fahrkarte zu sagen finde ich nicht unpraktischer als Ticket. Allerdings ist ja schon zu hören, dass Ramsauer Anglizismen durch Bürokratiedeutsch ersetzen wolle, also Fahrschein, obwohl fast alle Leute Fahrkarte sagen.

Was besonders daran nervt, ist dass diese Anglizismen ja nicht aus kosmopolitischer Haltung kommen, sondern aus dem Dummsprech der Marketingabteilungen. Beim Schlagabtausch zwischen Marketingphrasen der DB AG und dem Bürokratenteutsch des CSU-Ministers treffen zwei Konzepte verarmter Sprache aufeinander, von denen man keinem Erfolge wünscht.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Zwischenerfolg der Castor-Proteste – Widerstand bleibt notwendig

Darius 23.07 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

„Wir haben etwas zu feiern! Das tun wir am Sonntag in Ahaus, weil der geplante Atomtransport nach Russland nicht stattfindet“, schrieb die LINKE Bundestagsabgeordnete aus dem Münsterland, Kathrin Vogler am Montag. Tatsächlich hat Bundesumweltminister Röttgen (CDU) auf einer Pressekonferenz in Bonn erklärt, die geplante Verbringung von Atommüll nach Majak nicht zu genehmigen. Diese Entscheidung sei „zunächst endgültig“.

Kurz zuvor war das Gutachten zur Bewertung des Transportes geleakt worden. Das Gutachten listet die zahlreichen Pannen an der Anlage bei Majak auf, bei denen bisher 25 Tausend Quadratmeter und eine halbe Million Menschen verstrahlt wurden, kommt allerdings dennoch zu dem sicherlich gewünschten Ergebnis, dass gegen den Transport „keine Bedenken“ bestünden.

So reagierte Röttgen auch ausweichend auf die Frage, ob er die Transporte zu einem späteren Zeitpunkt genehmigen würde. Die Antwort, dies werde „wohl Jahre dauern können“, ist jedenfalls keine klare Absage. Vorwand für eine andere Bewertung zu späterem Zeitpunkt könnten womöglich die im Gutachten genannten Maßnahmen zur Eindämmung der Umweltbelastung in Majak sowie die Wiederinbetriebnahme einer derzeit stillgelegten Aufbereitungsanlage in dem Anlagenkomplex sein.

Besonders hinterhältig ist die Art und Weise, wie mit dem in der atomwirtschaft üblichen Verursacherprinzip argumentiert wird. Man sollte annehmen, dass damit gemeint ist, dass der in Ahaus zwischengelagerte Atommüll des Forschungszentrums bei Dresden eben auch in Deutschland endgelagert werden müsse. Infamer Weise wird aber nun argumentiert, das in Dresden verarbeitete Material stamme ja ursprünglich aus der UdSSR und müsse deshalb „zurück“ nach Russland. (Sollen dann künftig Atomabfälle nach Afrika, weil das Uran von dort stammt?)

Das Gutachten weist jedenfalls darauf hin, dass „in näherer Zukunft in Deutschland kein Endlager für ausgediente Kernbrennstoffe zur Verfügung stehen wird“.

Die Konsequenz aus der unlösbaren Entsorgungsfrage und aus den unbeherrschbaren Umweltgefahren der Atomwirtschaft, wie sie in Majak eklatant sichtbar, aber auch hierzulande statistisch auffällig werden, kann nur sein, sofort aus der Atomenergieproduktion und -forschung auszusteigen. Mit welchen Maßnahmen der schnellste Umstieg auf 100% erneuerbare Energien möglich ist, kann jeder nach eigenen Prämissen mit dem Energiewenderechner des SFV berechnen.

Solange diese Maßnahmen aber nicht ergriffen werden, ist weiterhin entschiedenster Protest gegen die herrschende Atompolitik notwendig – am deutlichsten immer dann, wenn wieder Castoren mit radioaktivem Material verschoben werden. Castoren mit Abfällen des früheren Kernforschungszentrums Karlsruhe stehen vor dem Transport aus Cadarache (Provence) nach Lubmin (bei Greifswald) an der Ostsee. Über 150 ältere Castoren mit teils hochradioaktiven Abfällen sollen innerhalb von NRW aus dem rheinischen Jülich ins Münsterland nach Ahaus verschoben werden.

„Was noch wird, hängt auch von uns und unserem Widerstandspotenzial ab“, schrieb Kathrin Vogler am Montag, „also: Nicht nachlassen, Castor stoppen, Atomindustrie verschrotten!“ Deshalb bleibt der Aufruf zur Demonstration in Ahaus für diesen Sonntag (12.12.) natürlich ebenso bestehen wie der Aufruf zur Demonstration in Greifswald am Samstag (11.12.). Am 30. Januar soll dann eine Demonstration in Jülich folgen.

Zugleich ist die Auseinandersetzung um die vorigen Proteste noch nicht abgeschlossen. Nach dem Protest gegen den Castortransport Anfang November von La Hague nach Gorleben stehen in Frankreich Mitglieder der Groupe d‹Actions Non-Violentes Antinucléaires (Gewaltfreie Antiatom-Aktionsgruppe) vor Gericht. Die Gruppe hatte den Transport kurz nach dem Start in La Hague gestoppt. Bei der Auflösung der Blockade war die Polizei mit äußerster Brutalität vorgegangen. Zwei der Aktivisten erlitten Verbrennungen durch eingesetzte Werkzeuge, einem anderen wurden mehrere Sehnen durchtrennt. Nach einer Notoperation wurde er umgehend festgenommen und nur gegen eine hohe Kaution freigelassen. „Nicht die französischen Castor-Gegner, sondern die Polizei gehört auf die Anklagebank“, erklärte der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko zur Eröffnung des Verfahrens gegen drei Aktivisten vor dem Strafgericht im französischen Caen.

Streit um die Bewertung der Blockaden und der Polizeiaktionen gab es auch im nordrhein-westfälischen Landtag. Während Union und FDP bemüht waren, das „Schottern“ zu kriminalisieren, wollten SPD und Grüne einseitig der Polizei für ihr besonnenes Vorgehen im Wendland danken. „Ich habe vor Ort keinerlei Gewalt erlebt, die von den Demonstranten ausgegangen wäre. Das gilt auch für die Aktiven der Schottern-Kampagne. Stattdessen habe ich unverhältnismäßige Aktionen von einzelnen Polizeibeamten gesehen“, entgegnete Michael Aggelidis. Ralf Michalowsky forderte insbesondere das Verbot von Pfefferspray bei Polizeieinsätzen: „Durch diese Waffe, die auch gegen Sitzblockierer eingesetzt wurde, gab es schon mehrere Todesfälle. Das wissen Sie genau, nehmen es aber offensichtlich zur Durchsetzung Ihrer Atompolitik billigend in Kauf.“

(aus: Linksletter vom 9.11.2010)

Donnerstag, 25. November 2010

Strahlende Zukunft – Castoren rollen durch NRW

Darius 1.44 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Unerwartet stark hatten erst vor wenigen Wochen Tausende im niedersächsischen Wendland gegen den verantwortungslosen Wahnsinn der Atomwirtschaft protestiert. Viele KommentatorInnen waren sich einig: Der Standort des Atommülllagers Gorleben an der innerdeutschen Grenze wurde nur aus Gründen des Kalten Krieges gewählt, eine vertretbare Lösung des Problems der Endlagerung ist unrealistisch. Der schwarz-gelbe Ausstieg aus dem Atomausstieg ist (auch) deshalb in der Bevölkerung nicht akzeptiert und mit rechtsstaatlichen Mitteln offensichtlich kaum mehr durchzusetzen. Einsicht bei den Verantwortlichen? Fehlanzeige! Gleich nach den größten Castor-Protesten seit Jahren wurde bekannt, dass demnächst Atommüll vom Zwischenlager Ahaus im Münsterland offenbar aus Kostengründen zur Kerntechnischen Anlage Majak nach Russland geschafft werden soll – in ein Gebiet, das bereits jetzt schwer radioaktiv verseucht ist. „In NRW lässt Innenminister Jäger (SPD) seit Wochen intensiv die Polizei diesen Atomtransport planen, obwohl es keinen Staatsvertrag und keine Ausfuhrgenehmigung gibt. Wir sind gespannt, wie sich Grüne und SPD in der Regierung in NRW verhalten werden“, erklären dazu Katharina Schwabedissen und Hubertus Zdebel, LandessprecherInnen der Partei DIE LINKE in NRW. Sie rufen deshalb zur Beteiligung an der geplanten Demonstration am 12. Dezember um 14 Uhr in Ahaus auf.

Während es sich bei den Castoren, die von Ahaus nach jenseits des Ural verschoben werden sollen, um Brennelemente des ehemaligen Zentralinstituts für Kernforschung der DDR handelt, ist der Verbleib des Atommülls der westlichen Atomforschung genauso ungelöst. 152 Castoren mit unterschiedlichsten, teils hoch radioaktiven Abfällen aus dem ehemaligen Forschungsreaktor im linksrheinischen Jülich, stehen vor dem Transport nach Ahaus. DIE LINKE beteiligt sich hier aktiv am Aufbau des örtlichen Westcastor-Protestbündnisses.

(aus: Linksletter vom 25.11.2010)

Mittwoch, 14. April 2010

Studiengebühren in NRW – Wer hat’s erfunden?

Darius 23.46 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Ich halte es für einigermaßen wichtig in der aktuelle Debatte, nicht zu vergessen, wer Studiengebühren in NRW eingeführt hat. Keineswegs haben erst CDU und FDP Studiengebühren eingeführt, sondern dies geschah unter Wissenschaftsministerin Gabriele Behler (SPD), also in der letzten Phase der Koalition von SPD und Grünen.

Nochmal kurz die Fakten:
Die vorletzte SPD-Wissenschaftsministerin in NRW, Anke Brunn, hatte sich in löblicher Weise persönlich eindeutig auf die Studiengebührenfreiheit festgelegt: »Solange ich Wissenschaftsministerin bin, wird es keine Studiengebühren in NRW geben.« Leider war sie schon wenige Monate später eben nicht mehr im Amt, als ihr Ministerium mit Behlers Schulministerium zusammengelegt wurde. Unter Gabriele Behler führten SPD und Grüne dann – übrigens gegen den heftigen Protest auch ihrer eigenen Studierendenverbände – sogenannte Langzeitstudiengebühren ein. Vorgängerin Brunn hatte noch die Position der Studierenden geteilt: Wenn wir damit einmal anfangen, werden Studiengebühren im nächsten Schritt ausgeweitet werden. Wie vorhergesehen geschah dies dann nach dem Regierungswechsel durch CDU und FDP.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass es SPD und Grüne waren, die die Mitbestimmung in den akademischen Gremien zusammengestrichen haben. Während bis in die 90er Jahre Senat und Fachbereichsräte (in denen u.a. die Studierenden vertreten sind) die Entscheidungsgremien der Hochschulen waren und als Kontrollgremium der Konvent existierte, wurden unter Gabriele Behler die Entscheidungen den Rektoraten und Dekanaten (ohne Studierende) übertragen, während Senaten und Fachbereichsräten nur noch Kontrollfunktionen verblieben. Der Konvent wurde dadurch überflüssig und abgeschafft.
Montag, 11. Mai 2009

Eichel: Oxfam übernimmt die Weltbank

Hans Eichel, der muss es doch wissen, sagte gerade auf WDR 5:

[...] Oxfam, das ist eine Nichtregierungsorganisation, die die Weltbank übernommen hat.

Hat die SAV doch Recht und steht das Ende des Kapitalismus kurz bevor? Oder war’s doch wieder nichts, und Eichel meinte eine Studie von Oxfam, die die Weltbank übernommen hat, und die Weltrevolution kommt doch erst nächstes Mal?

Mittwoch, 13. Februar 2008

Glückwunsch, Prof. Rauhut…

Darius 22.06 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Es half nichts: Weder die weitgehende Abschaffung der akademischen Mitbestimmung, die die rot-grüne Landesregierung vor ihrem Niedergang noch eingeleitet hatte, noch der Status des Rektors einer Eliteuniversität konnte Prof. Rauhut an der RWTH Aachen halten.

Der Oman, ein Sultanat am gleichnamigen Golf, wird ab Herbst die Wahlheimat von Professor Burkhard Rauhut werden, derzeit noch Rektor an der RWTH Aachen. (AN)

Da wird er sich glücklich schätzen, dort eine Uni aufbauen zu dürfen, die mal vormacht, was so richtige Studiengebühren sind: etwa 10.000 Euro im Jahr.

Gemäß der Verfassung […] ist Oman eine absolute Monarchie (Sultanat). Oberster Herrscher des Landes ist der Sultan, der das Amt des Staatsoberhaupts und Regierungschefs auf sich vereint. Die von ihm ernannten Minister haben nur beratende oder administrative Funktion. Die Rechtsprechung erfolgt nach islamischem Recht. […] Der Nationale Konsultativrat (Majlis Oman) ist eine nach Zweikammersystem aufgebaute Versammlung mit lediglich beratender Funktion. Das Oberhaus (Majlis ad-Dawla) setzt sich aus 41 vom Sultan ernannten Mitgliedern zusammen. Das Unterhaus (Majlis ash-Shura) wird von Omanern im Alter ab 21 Jahre auf drei Jahre gewählt, wobei der Sultan aus 164 gewählten Kandidaten schließlich 82 zu Mitgliedern der Versammlung ernennt. Außerdem hat der Sultan das Recht, die Wahl für ungültig zu erklären. Die Gesetzgebung erfolgt durch Dekrete; politische Parteien sind verboten. (Wikipedia)

Bei den letzten Wahlen kam keine einzige Frau ins Parlament.
Amnesty International berichtet:

Nach dem Beitritt Omans zur UN-Frauenrechtskonvention erklärten die Behörden, dass ein Ausschuss für die Umsetzung des Übereinkommens eingesetzt worden sei. Frauen waren jedoch nach wie vor in Gesetz und Praxis vor allem im Personenstandsrecht, auf dem Arbeitsmarkt und in ihrer Teilhabe am öffentlichen Leben Diskriminierung unterworfen.

Die UN-Sonderberichterstatterin über Menschenhandel, insbesondere den Handel mit Frauen und Kindern stattete Oman im November einen Besuch ab. In einer ersten Schlussfolgerung äußerte sie sich besorgt über Meldungen, wonach Arbeitgeber ihre Hausangestellten misshandelten und in anderer Weise gegen ihre Rechte verstießen. So wurde Hausangestellten unter anderem der Schlaf entzogen, ihre Löhne wurden einbehalten, ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt und ihnen der Zugang zu grundlegenden Kommunikationsmitteln wie zum Beispiel Telefonen verweigert. Die Sonderberichterstatterin stellte ferner fest, dass Frauen aus Mittel- und Ostasien nach Oman gebracht und zur Prostitution gezwungen wurden. (AI Jahresbericht 2007)

Jürgen Linden, der natürlich auch gleich wieder dabei ist, wenn es solche »Erfolge« zu vermelden gibt, erkennt immerhin, dass da noch gewisse Defizite im Oman bestehen:

Der OB erhofft sich von dem Projekt, dass nicht nur die Wissenschaften, sondern auch «Menschlichkeit» an den Golf getragen werde. (AN)

Allerdings weiß man aus Aachen nur allzu gut, welchen Stellenwert man an einer Technischen Hochschule, wie sie in Oman geplant ist, den Gesellschaftswissenschaften einräumt.

Montag, 18. Juni 2007

Kasperskytheater

Darius 18.20 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Etwas bizarr sind die Angebote der Firma Kaspersky für ihre Beta-Tester. Da habe ich also nun die neue Version 7 der Kaspersky Internet Security getestet, und Kaspersky ist offenbar der Meinung, dass ich nun genug getestet habe: die Lizenz für mich als Beta-Tester läuft in 10 Tagen aus, wie das Programm mir unentwegt mitteilt. Ich solle doch unbedingt rechtzeitig eine Lizenzverlängerung bestellen. Für diesen Zweck habt das Kaspersky Lab sogar eine passende Website parat: »After the Trial«. Ziemlich absurd finde ich allerdings, was mir dort angeboten wird:

Kaspersky Internet Security 6.0
Versandart: elektronisch
Gesamt: EUR 49.35 (zzgl. evtl. anfallender MwSt.)

Ein bekannter Versandhändler bietet hingegen die neue Version 7.0 zu 39,95 Euro inkl. Versand und Steuern. Oder für 59,95 gleich eine Version für 3 Computer. Erscheinungsdatum ist nach Angaben des Versenders just der Tag nach dem Auslaufen meiner Beta-Lizenz, während Kaspersky selbst auf seiner Website noch intensiv die auslaufende Version bewirbt.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Last.fm in Händen der Plattenindustrie

Darius 21.13 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Laut diversen Meldungen kauft der Medienkonzern CBS die Musikplattform Last.fm für bis zu 320 Millionen Dollar. Wenn die These stimmt, dass interessante Datenbestände zu den wertvollsten Waren der Zukunft gehören, hat CBS sicher gut eingekauft. Bis zu 15 Millionen Menschen haben die Datenbanken von Last.fm gefüttert und damit eine Informationssammlung geschaffen, die es so sicher zuvor im Bereich der Musik nicht gegeben hat. (Und diese 15 Millionen Menschen sehen von den 320 Millionen Dollar nichts.) Anders als bei früheren auf Händlerbefragungen oder Verkaufszahlen beruhenden Charts hat Last.fm beispielsweise die Daten, welche einzelnen Stücke einer CD tatsächlich am häufigsten gehört werden (von der natürlich nicht repräsentativen Auswahl der Last.fm-TeilnehmerInnen). Das könnte bei der gezielten Vermarktung einzelner Stücke (oldschool »Singleauskopplung«) viel treffsicherer sein als die Entscheidungen einzelner Personen.
Dabei nutzt Last.fm sicher noch nicht alle Möglichkeiten, wie die enormen Datenbestände quer ausgewertet werden könnten. Schon jetzt bieten sie jedenfalls die Möglichkeit für gezielte Werbung, von der Amazon mit seiner Funktion »Kunden, die X gekauft haben, interessieren sich auch für Y« wahrscheinlich nur träumen kann. Denn Amazon kann ja nur die Kaufgewohnheiten berücksichtigen, aber nicht erkennen, was z.B. als Geschenk für andere erworben wurde und gar nicht dem Geschmack des Käufers selbst entspricht. Dass diese Daten nun einem bestimmten Musikkonzern gehören, ist sicher nicht die beste Entwicklung.

Freitag, 25. Mai 2007

Offizieller Ausstatter des französischen Präsidenten

Darius 12.29 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus