Sonntag, 27. September 2009

Wo bleibt die Krankenhauskeim-Hysterie?

Darius 1.46 Uhr Abgelegt unter: Medienschelte Opium des Volkes

Die Hysterie um die Schweinegrippe wurde schon ganz vortrefflich von Titanic auf den Punkt gebracht. Meinem vorigen Beitrag dazu, dass aufgrund der gewöhlichen Grippe bis zu 25.000 Menschen jährlich sterben, möchte ich nochmal ergänzend hinzufügen, dass ich kürzlich las, schätzungsweise 40.000 Menschen jährlich stürben in Deutschland an Krankenhauskeimen. Nun fragt man sich natürlich, warum die 40.000 Keimtoten im Gegensatz zur Schweinegrippe (bisher eventuell 1 Todesfall in Deutschland) kein Thema sind, das seit Monaten groß durch die Medien geistert. Ich hätte nur eine Erklärung: Weil man die Krankenhauskeim-Problematik nicht so angehen kann, dass die Pharmaindustrie damit dicke Profite macht. Im Gegenteil, die Keimprobleme kommen ja gerade von zu viel Antibiotika-Einsatz.

Mittwoch, 12. September 2007

Religionsfreiheit oder die Freiheit zu religiöser Verfolgung

Darius 13.02 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

Dass Religionsfreiheit in den Augen mancher Unionspolitiker offenbar vor allem die Freiheit ist, in staatlichen Schulen Kruzifixe an die Wand zu nageln, führt mal wieder der angebliche »Innenexperte« der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach vor. Er forderte – wohl nicht ganz zufällig in Bayern – die Einführung eines »Konvertiten-Registers«. Dass es elementare Grundrechte verletzt, Menschen allein wegen eines Wechsels der Religion als terrorverdächtig zu behandeln, ist ihm offenbar schnuppe:

»Ich bin nicht bereit, aus lauter politischer Korrektheit die Augen vor der Realität zu verschließen«

Man kann der extremen Rechten nur gratulieren: Deren (vorgebliche) Kampagne gegen Political Correctness, die in Wahrheit eine Kampagne gegen Grundrechte wie Menschenwürde und Religionsfreiheit ist, ist in der Union anscheinend bereits weitestgehend aufgegangen.
Kleine Nachfrage an Herrn Bosbach: Sollen denn auch Konvertiten in Ihr Register eingetragen werden, die zum Christentum übergetreten sind? Oder ist das mit der Gleichbehandlung auch wieder nur so ein politisch korrekter Schmarrn?

Update: Bosbach bestreitet die Zitate.

Sonntag, 14. Januar 2007

Keine Ehrung für Kriegsherren!

Darius 16.40 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

Kein Karlspreis an Solana!Auch wenn mir natürlich klar ist, dass die Verleihung des Karlspreises an Javier Solana in der Tradition und Zielsetzung des Karlspreises eigentlich nur konsequent ist, möchten wir doch ein bis ins bürgerliche Milieu hinein wirkendes Zeichen gegen diese öffentliche Ehrung eines Militärpolitikers setzen. Dazu ist für Ende März eine Anzeige im Mantelteil der beiden Lokalzeitungen geplant. Mit dem Text bin ich (wegen der Bezugnahme auf den Volksbegriff) nicht 100% glücklich, aber er ist nunmal das Ergebnis von Kompromissen, und ich bin der Meinung, dass diese Aktion breite Unterstützung erhalten sollte. Alles weitere unter kein-karlspreis-an-solana.de.

Dienstag, 17. Januar 2006

Volle Kraft voraus und Augen zu

Darius 16.28 Uhr Abgelegt unter: Medienschelte Opium des Volkes

Zum wiederholten Male gibt es eine groß angelegte Umfrage der »Perspektive Deutschland« von McKinsey, stern, ZDF und Web.de unter Schirmherrschaft Richard v. Weizsäckers.

Wie bei jeder gut manipulierten Umfrage wird vor Beginn der Befragung schonmal klargestellt, was rauskommen soll. Zum Geleit schreibt der ehemalige Bundespräsident auf der Titelseite:

»Wir müssen konsequent die begonnenen Reformen fortsetzen.«

In der Umfrage selbst wird dann z.B. gefragt:

Was meinen Sie zu folgenden Aussagen?
  • Nach der vorgezogenen Bundestagswahl wird sich der Reformprozess in Deutschland beschleunigen.
  • In den nächsten Jahren wird die Bereitschaft der Bevölkerung in Deutschland zunehmen, Reformen mitzutragen, auch wenn diese für den Einzelnen Nachteile mit sich bringen.
  • In den nächsten Jahren wird die Reformfähigkeit der Politik in Deutschland zunehmen.

Allerdings ist dann natürlich keine differenzierte Meinung vorgesehen, sondern man darf nur wählen zwischen Abstufungen von »Stimmt genau« bis »Stimmt gar nicht«. Auffällig, dass erstmal nur über die Zustimmung zu irgendwelchen Reformen gefragt wird, ohne dass gesagt wird, worin diese Reformen bestehen sollen.

Später kann man dann über so tolle Dinge abstimmen, wie »Sollten die sozialen Unterschiede in der Zukunft in Deutschland geringer oder größer als heute sein?«

Überhaupt nicht manipulativ ist auch die Frage »In welche Richtung sollte sich Deutschland Ihrer Meinung nach in Zukunft verändern, wenn es um den Lohn für Leistung geht?« mit Antworten von »Wer viel leistet, sollte viel weniger
belohnt werden als heute.« bis »Wer viel leistet, sollte viel stärker belohnt werden als heute.«

Schließlich gipfelt es in einer Gegenüberstellung von »Modell A« und »Modell B«, wobei A wohl das sozialstaatliche und B das kapitalistisch entfesselte sein soll, und A verbunden wird mit »Steuern und Abgaben sind viel höher als heute«, »Wer viel leistet, wird dafür viel weniger belohnt als heute.« und »Die Gesellschaft verändert sich viel langsamer als heute.«, und nachgeschoben wird dann eine weitere Frage, in der behauptet wird, bei A gehe es auch der Wirtschaft schlechter, ob man dann immer noch dafür sei?

Später wird man gefragt, welche Form von Verschlechterung man gerne für einen
auf drei Jahre (!) sicheren Arbeitsplatz in Kauf nähme:

  • … mich auf eine andere Tätigkeit bei demselben Arbeitgeber umschulen zu lassen.
  • … in eine andere Region umzuziehen, die mehr als 100 km von meinem derzeitigen Wohnort entfernt ist.
  • … je nach Auftragslage mal mehr, mal weniger Stunden pro Woche zu arbeiten.
  • … nur am Wochenende zu Hause zu sein.
  • … auf 10% meines Gehalts zu verzichten.
  • … vier Stunden in der Woche ohne Mehrbezahlung länger zu arbeiten.
  • … zwei Stunden täglich zu pendeln.
  • … auf fünf Urlaubstage zu verzichten.

usw. usf.

Jedenfalls scheint mir der wissenschaftliche Ertrag durch eine so suggestive Umfrage sehr gering zu sein, denn ein Großteil der Fragen lässt sich z.B. nicht klar so beantworten, dass man für Veränderungen, aber im Sinne von mehr sozialer Gerechtigkeit sei usw. Oder die Frage, ob man für schnellere oder langsamere gesellschaftliche Veränderung sei, ist ja wohl erheblich vom nicht zur Debatte gestellten Aspekt abhängig, wohin die Veränderung denn gehen soll.

Der Sinn der Umfrage scheint mir vielmehr zu sein, dass man über den geschickt aufgebauten Fragenkatalog immer mehr in das Denken der Sachzwänge und nicht definierten Reformnotwendigkeiten hineingeführt wird. Etwa, dass es eben notwendig sei, für drei Jahre Arbeitsplatzsicherung erhebliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Die zugelassene Frage ist ja nur, welche denn.

Etwa 500.000 Menschen sollen sich im vergangenen Jahr mehr oder weniger freiwillig dieser Gehirnwäsche unterzogen haben. Für die Teilnahme wird mit Prämien (5 â?¬ Buchgutschein über Ciao.de) und Verlosungen geworben, nach dem Schneeballprinzip soll man schließlich noch weitere Menschen zur Teilnahme beschwatzen, um seine Chancen bei der Verlosung zu verbessern.

Mehr dazu:

Samstag, 31. Dezember 2005

Geistige Grausamkeit

Darius 15.13 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

PETA, die lustige Tierschutzorganisation, die seit ihrer Kampagne »mit Bodyismus für die Rechte von Tieren« weltweit bekannt geworden ist, hat mal wieder was neues ausgeheckt. Keine Sorge, diesmal werden nicht wieder KZs mit Hühnerställen gleichgesetzt, diesmal hat nur ein armer Irrer aus den USA seinen Namen ändern lassen. Ein gewisser Chris G. heißt, wenn man Spiegel Online glauben darf, fortan KentuckyFriedCruelty.com, zu Deutsch: Kentucky-frittierte Grausamkeit (kommerziell). Zugegebener Maßen veranschaulicht diese Aktion recht beeindruckend, wohin schlechte Haltungsbedingungen bei Zweibeinern mit und ohne Flügel führen können.

(Nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Der Autor dieser Zeilen ist seit fast 20 Jahren Vegetarier.)

Freitag, 9. Dezember 2005

Westerwelle im Raum-Zeit-Loch?

Darius 17.30 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

Mit einer klaren Absage an so genannte Jamaika-Koalitionen geht FDP-Chef Guido Westerwelle in die Klausurtagung des Parteivorstandes am Montag.

meldet die Rheinische Post. Meines Wissens ist die Koalitionsfrage längst geklärt. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich eine sogenannte Große Koalition gebildet. Wer unbedingt will, mag sie meinetwegen auch Angola-Koalition nennen, aber dass die FDP daran beteiligt würde, ist ja wohl erstmal vom Tisch. Aber gut, wenn man sonst nichts Wichtiges zu besprechen hat, mag man sich unterhalten über Koalitionen, die man womöglich auch nicht eingangen wäre, selbst wenn die anderen gewollt hätten, die nicht gewollt hatten.

Haschisch des Volkes

Darius 14.26 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

Jüdische AllgemeineIn der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen, die ulkigerweise von einem Karl Marx gegründet wurde, steht nicht, was ein anderer Karl Marx einst formulierte,

Religion ist […] das Opium des Volkes

Jonathan Scheiners Artikel über den Reggae-Chassid Matisyahu trägt vielmehr die Überschrift

»Mein Haschisch ist der Talmud«

Donnerstag, 2. September 2004

Schwarz-Weiß-Rot gegen Bankendiktatur

Darius 17.38 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

©2004 MymykryManche Sektenparteien sind ja richtig amüsant. Die »Yogischen Flieger« der zur TM-Sekte gehörenden Naturgesetzpartei sind sicher noch vielen bekannt, auch wenn diese Partei inzwischen aufgegeben wurde und TM einfach ihre eigene »Friedensregierung« gebildet hat, statt sich weiter um das real existierende politische System zu bemühen. Andere Politsekten sind auch recht skuril, präsentieren aber leider keine akrobatischen Kunststückchen, sondern nur ihre eigene Desorientierung. So hat die trotzkistische »Sozialistische Alternative« anlässlich der Kommunalwahl in ganz Aachen schwarz-weiß-rote Plakate gegen die »Diktatur der Banken und Konzerne« aufgehängt. Mich würde nicht wundern, wenn so mancher diesen Verein mit dem Kürzel »SAV« für eine neue Nazipartei hielte. Es wird ja – zu Recht – vielerorts vor der Vereinnahmung der Proteste gegen Sozialabbau durch Nazis gewarnt. Der SAV allerdings traue ich vieles zu, dass sie neuerdings auf Schwarz-Weiß-Rot setzte, aber gewiss nicht. Da gar keine Nazipartei in Aachen kandidiert, wäre indes der netteste anzunehmende Unfall, dass mancher, der Nazis wählen wollte, seine Stimme der Liste des SAV-Bündnisses gibt.

Samstag, 3. Juli 2004

Jesushandy

Darius 12.00 Uhr Abgelegt unter: Opium des Volkes

Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich wie jene Frau kürzlich im »Exil« die Kneipe mit meinem Handyklingeln und Telefonieren belästigen und dazu zweimal lautstark für den ganzen Saal die Töne von »We wish you a merry christmas« erschallen lassen würde. Im Juli.