Montag, 5. Juli 2010

Klimaschutzziele von SPD und Grünen in NRW

Darius 23.03 Uhr Filed under: Natur und soWas geht ab

Ich frage mich gerade, ob ich mich irre oder der Bund für Umwelt und Naturschutz die Presseinformation zum Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in NRW falsch gelesen hat. In der Pressemitteilung des BUND NRW heißt es:

Als »Weichenstellung für eine zukunftsfähige Energiepolitik« wertete der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den heute vorgestellten Entwurf des Koalitionsvertrages. […]
Die Verankerung eines CO2-Reduktionszieles von minus 80 bis 95 Prozent bis zur Mitte dieses Jahrhunderts in einem Landesklimaschutzgesetz und den definierten Vorrang für den Ausbau Erneuerbarer Energien begrüßte der BUND als wichtiges industrie- und klimapolitisches Signal.

In der Presseinformation von SPD und Grünen steht dazu (auf Seite 13 oben):

Mehr als ein Drittel des in Deutschland entstehenden CO2 werden in NRW emittiert. NRW als Energieland kommt deshalb bei der Erfüllung der deutschen Klimaschutzziele eine besondere Verantwortung zu. Zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele (minus 40 Prozent bis 2020) und (minus 80-95 Prozent bis 2050) muss NRW seinen Beitrag leisten. Dazu wollen wir die CO2-Emissionen von NRW bis 2020 um mindestens 25 Prozent gegenüber 1990 reduzieren.

Ich verstehe das so, dass die »nationalen Klimaschutzziele« (also die der Bundesregierung) hier nur referiert werden. Diese enthalten die Zielsetzung einer Reduzierung von 40% bis 2020 und 80-95% bis 2050.

Für NRW sehen SPD und Grüne zwar eine »besondere Verantwortung« angesichts des Ausstoßes von mehr als einem Drittel des CO2, wollen sich aber nur auf eine Reduzierung um 25% bis 2020 festlegen. (Dass das deutlich weniger ist als die Ziele der Bundesregierung, schreibt auch Pascal Beucker in der taz.)

Die Klima-Allianz, an der der BUND eigentlich beteiligt ist, forderte für NRW ein Klimaschutzgesetz, das sich auf Reduzierung um 95% bis 2050 festlegt. Zudem werden klare Zwischenziele in 5-Jahres-Schritten gefordert. Ich meine mich an die Ausführungen einer Referentin zu erinnern, dass da Ziele wie 50% bis 2020 gemeint waren.

In der heutigen Presseinformation sehe ich die Festlegung auf diese Ziele nicht. Ich bin gespannt, was im Koalitionsvertrag stehen wird.

Nachtrag:

Im Wahlprogramm der Grünen hieß es:

Die Bundesregierung hat das Ziel, die Emissionen der Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Auf dem G8-Gipfel im Juli 2009 in Italien hat sie zugesagt, die Emissionen bis 2050 um 80 Prozent zu mindern. Die Klimaforschung sagt uns, dass das nicht ausreichen wird, um die Erderwärmung zu begrenzen. Notwendig ist eine Verminderung der Emissionen in den Industriestaaten von bis zu 90 oder sogar 95 Prozent gegenüber dem Stand von 1990. […]

Deshalb hat die Grüne Landtagsfraktion im Mai 2008 unter dem Titel „NRW Klima 2020“ ein von der Firma EUtech durchgerechnetes und mit konkreten Maßnahmen hinterlegtes Energie- und Klimakonzept für NRW vorgelegt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass „mit angemessenem Aufwand und großem politischem Willen“ eine Reduzierung aller Treibhausgase um 25 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 (von 344 auf 256 Millionen Tonnen CO2) in NRW möglich wäre. Sie zeigt auch, dass eine 40-prozentige Reduzierung der Treibhausgasemissionen in NRW bis 2020 möglich ist, dazu aber – ganz besonders im Bereich der Energiewirtschaft – „extreme Umstrukturierungen“ erforderlich sein würden. Wir Grünen in NRW haben diesen geforderten politischen Willen und kämpfen dafür, die Treibhausgase und damit die Folgen des Klimawandels zu reduzieren.

Klar ist also, dass Die Grünen auf ihr vor der Wahl verkündetes Ziel von 40% Reduzierung verzichten bzw. es sich haben von der SPD abkaufen lassen. Bleibt nur zu sagen: Zusammen mit der Linken, die in NRW mehrheitlich in Sachen Klimaschutz ähnlich denkt wie Die Grünen, hätte man eine stärkere Position gegenüber der SPD gehabt. Aber auch Die Grünen wollten ja in den Sondierungsgesprächen lieber stundenlang spitzfindige Scheindebatten über die Stasi führen, statt auszuloten, welche Probleme der Gegenwart und Zukunft man gemeinsam mit der Linken angehen könnte.

Freitag, 16. Mai 2008

Die Weber

Darius 22.04 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser WeltNatur und so

Internet-Foren sind eine gute Sache. Die aufregendste Unterhaltung sind sie indes meistens eher nicht. Diesen Thread finde ich aber mal wirklich faszinierend. Beitrag für Beitrag entwickelt sich eine spannende Geschichte.

Eva aus dem Saarland fragt in einem Forum für Spinnenfreunde, warum an ihrem Haus Weberknechte in einem Pulk sitzen:

seit ein paar Tagen sitzen an unserer Hauswand (Nordseite) zwei Gruppen von jeweils 20-30 Weberknechten (schwarz, Körper ca. 5 mm groß, sehr lange Beine). […] Hat jemand so etwas schon gesehen? Warum sitzen sie da?

Recht bald meldet sich ein Kenner aus den Niederlanden:

Das ist absolut unglaublich!!! Diesen Weberknecht fand ich vor drei Jahren zum ersten Mal hier in Nijmegen, Niederlande. Seitdem versuche ich sie zu bestimmen. Es ist ein Einwanderer, eine Leiobunum-Art, womöglich stammt sie aus Japan, oder Asien, oder…? Wir wissen es einfach (noch) nicht. Ich wäre sehr sehr dankbar, wenn du mir den Fundort nennst und bessere Fotos machst!

Die Fotos reicht Eva bald mit Hilfe eines anderen Forenteilnehmers nach, weitere Weberknechtsichtungen werden aus anderen Gegenden gemeldet. Wissenschaftler melden sich zu Wort und bitten um Einsendung gesammelter Exemplare. Am vorläufigen Ende steht eine wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Fall.

Aus unbekannten Gründen bringt SpOn heute einen Artikel, der die Geschichte sehr dramatisch nacherzählt, die sich im vergangenen Jahr abspielte. (Zugegebenermaßen bin ich dadurch darauf gestoßen.) Mit reißerischen Worten wird schon in der Überschrift nicht gespart: »Riesenspinnen erobern Deutschland«. Ich rate allerdings unbedingt dazu, die weitaus spannenderen Beiträge in dem Forum zu lesen, bei dem sich die ganze Geschichte aus der Perspektive von Eva aus dem Saarland, Karola aus Essen und vielen anderen entwickelt. Reichlich Bilder inklusive.

Nachtrag: Offenbar ist es dem Spiegel dann doch aufgefallen, dass es nicht allzu logisch ist, in der Überschrift von Riesenspinnen zu schreiben, und dann ein paar Zeilen weiter unten zu erklären:

Die feingliedrigen Weberknechte sind strenggenommen gar keine Spinnen, sondern bloß enge Verwandte. Zusammen mit Skorpionen, Pseudoskorpionen, Milben und Spinnen gehören sie zur Klasse der »Spinnentiere« (lateinisch: Arachnidae).

Jedenfalls heißt der Artikel wundersamer Weise jetzt »Riesenkrabbler erobern Deutschland«. Die sonstigen Dramatisierungen und reißerischen Darstellungen sind selbstverständlich geblieben. Schade, denn die Fakten haben es eigentlich gar nicht nötig, noch übertrieben zu werden.

Sonntag, 6. Januar 2008

Schnellmerker

Darius 17.46 Uhr Filed under: MedienschelteNatur und so

Vor gut anderthalb Monaten erschien in Telepolis ein Artikel von Lars Lange:

Die Ökostrom-Lüge
»Schmutziger« Strom wird in Deutschland massenhaft zu Ökostrom umetikettiert. Der Schwindel hat einen Namen: RECS-Zertifikate

Vier Stromkonzerne teilen sich im Wesentlichen den lukrativen Strommarkt in Deutschland auf: Eon, EnBW, RWE und Vattenfall. Und sie investieren kräftig in schmutzigen Strom, über 40 neue Kohlekraftwerke sind geplant. Auch an der risikoreichen Kernenergie wollen die Vier gerne festhalten. Viele Menschen wollen das nicht länger hinnehmen und wechseln zu einem vermeintlichen »Ökostrom«-Tarif. Und sparen dabei scheinbar zum Teil noch richtig Geld, wie die Verbraucherzentralen betonen.

Ein durchaus beachtenswerter Artikel, der aber offenbar wenig Resonanz in den übrigen Medien fand. Bis gestern. Topaktuell wie immer griff nun Spiegel Online das Thema auf, etwas knapper als Telepolis:

MOGELPACKUNG
Stromanbieter verkaufen Atomstrom als Ökostrom

Aus Atom- mach Ökostrom: Nach Informationen des SPIEGEL tricksen europäische Stromanbieter ihre Kunden gezielt aus. Sie etikettieren Atom- oder Kohlestrom einfach in Ökostrom um. Eine legale Praxis, die durch Ökozertifikate möglich ist.

Noch am selben Tag hängt sich die Süddeutsche – unter Berufung auf den Spiegel – dran:

Falsche Energie
Etikettenschwindel beim Ökostrom

Von wegen Ökostrom: Scheinbar ökologisch unbedenklich erzeugte Energie ist in vielen Fällen purer Atomstrom. Energieexperten und Verbraucherschützer kritisieren die legale Umetikettierung. Solche Zertifikate seien Betrug am Kunden.

wo das Thema auf einmal so heiß ist, kann natürlich auch die Frankfurter Rundschau nicht wegschauen:

Strommarkt
Öko ist nicht immer ökologisch
VON MICHAEL BERGIUS

Berlin. Verbraucher werden beim Bezug von Ökostrom oft an der Nase herum geführt. Konsumentenschützer und Energiepolitiker üben Kritik am Handel mit Stromzertifikaten und sprechen von Täuschung. Stein des Anstoßes ist die Tauschbörse RECS (Renewable Energy Certificates System).

Der internationalen Organisation, die sich laut Selbstdarstellung die Förderung regenerativer Energie zum Ziel setzt, gehören neben deutschen Branchenriesen wie Eon, RWE und Vattenfall auch städtische Ernergieanbieter an. Das System erlaubt es einem Unternehmen beispielsweise, deutschen Atomstrom zu kaufen, diesen durch den zusätzlichen Erwerb eines Umwelt-Zertifikats eines norwegischen Wasserkraftwerks zu »veredeln« – und das Ganze dann als Ökostrom anzubieten.

Sogar die Aachener Zeitung hat das Thema inzwischen entdeckt, während man beim Kölner Stadtanzeiger am Donnerstag noch kritiklos die Meldung übernahm, die Stadtwerke Bonn bezögen ihren Ökostrom über RECS-Zertifikate (»Mit Ökostrom ein Zeichen setzen«):

SWB Energie und Wasser liefert den Ökostrom auf Basis von so genannten RECS-Zertifikaten. Diese Zertifikate (Renewable Energy Certificate System) garantieren Strom aus regenerativer Erzeugung. Der Naturstrom wird gespeist aus Wasserkraft, Wind, Biomasse oder Solarenergie.

Vielleicht hat man in der Redaktion aber auch nur nicht verstanden, was gemeint war mit dem Satz:

[...] zunächst bezieht die Stadt „Bronze-Ökostrom“, mittelfristig will sie dann auf „Gold-Ökostrom“ umsteigen

.
Bei meinem Provider ist man hingegen offenbar schon etwas genauer informiert:

Strato spricht sich eindeutig gegen »Greenwashing« bestehender Stromerzeugung aus und reagiert damit auf die Ökostrom-Initiative seines Mitbewerbers 1&1.
[…]
1&1-Stromlieferant sind wie in den vergangenen Jahren die Stadtwerke Karlsruhe, die im Rahmen des internationalen Zertifizierungssystems für erneuerbare Energien, RECS, sowohl selbst »grünen Strom« produzieren als auch von anderen Lieferanten beziehen.

Laut eigenen Angaben war Strato mit den Stadtwerken Karlsruhe und Vattenfall Berlin im Gespräch, habe sich dann aber bewusst gegen RECS-Zertifikate entschieden. »Grundsätzlich begrüßen wir Green-IT-Initiativen, allerdings werden sie zunehmend intransparent«, beklagt Gurow das Branchenverhalten in der Ökostrom-Glaubensfrage.

Ab 2008 soll Stratos Energie-Partner, die NaturEnergie AG, die benötigte Strommenge des Verbrauchs im Rechenzentrum bereitstellen. Der Strom dafür soll vollständig aus Laufwasserkraftwerken am Hochrhein stammen.

Übrigens eine Meldung, die auch schon fast einen Monat alt ist.

Also denn: Dieses Weblog läuft jetzt mit Strom aus Wasserkraft. Und ab Februar schreibe ich auch nur noch mit Ökostrom hinein.

Dienstag, 24. April 2007

Spa verabschiedet sich von der autogerechten Stadt

Darius 10.10 Uhr Filed under: Natur und so

Nach den überaus guten Erfahrungen im niederländischen Drachten (Friesland) haben sich als erste Stadt in der Euregio Maas-Rhein am Sonntag auch die Menschen in Spa per Abstimmung für eine radikale Änderung des Straßenverkehrs ausgesprochen. Nach dem Konzept »Shared Space« oder der »schilderlosen Stadt« sollen Schilder und Ampeln abgeschafft und die klare Trennung von Fahrbahnen und Gehwegen aufgehoben werden.
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Montag, 16. April 2007

Noch nicht weggenagt

Darius 16.35 Uhr Filed under: Natur und so

Laut AN nagen Mäuse die schönen Wildnarzissen weg. Hier schnell noch ein paar Erinnerungsfotos:

Narzissen und Buschwindröschen
Narzissen und Buschwindröschen, Ostersonntag 2007

Narzissenwiese
Narzissenwiese im Perlenbachtal, 15.4.2007

Dienstag, 20. März 2007

Über 7000 Unterschriften gegen Überbauung der Weser in Verviers

Darius 10.00 Uhr Filed under: Natur und so

In Verviers ist Streit um den Umgang mit der Weser entbrannt. Für ein großes Einkaufszentrum soll ein Teil des Flusses im Ortszentrum überbaut werden, doch viele Menschen in Verviers halten die Pläne für unpassend, überdimensioniert und nicht umweltgerecht. Eine Bürgerinitiative überreichte gestern der Stadt über 7000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren.

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Akut ansteckender Hirnschwund bei Deutschlands Journalisten

Darius 3.37 Uhr Filed under: MedienschelteNatur und so

Dass die Bildzeitung zu einem Thema, das sie nicht verstanden hat oder an dessen richtiger Darstellung sie kein Interesse hat, ein paar völlig aus dem Zusammenhang gerissene Zitate verwendet, um dann haarsträubenden Unsinn zu verbreiten, ist hinlänglich bekannt und täglich im Bildblog nachzulesen. Dass Spiegel Online irgendwelche Revolverstorys aus Bild mit vordergründiger Distanzierung eifrig nachplappert, ist auch nicht neu. Dass aber massenhaft Redaktionen, darunter etwa Tagesschau und Süddeutsche, den Schwachsinn der Springerpresse nachplappern, erscheint mir doch außergewöhnlich. Aber wenn es um ein niedliches Tier geht, schalten offenbar auch ansonsten einigermaßen seriöse Redaktionen ihr Hirn ab.

Statt eigene Schwachsinnsmeldungen zu entschuldigen, bringt Spiegel Online z.B. folgende Formulierung:

Knut muss nicht sterben: Der Tierarzt des Berliner Zoos hat Forderungen, das Eisbär-Baby einzuschläfern, als »kompletten Blödsinn« bezeichnet. Auch der Deutsche Tierschutzbund lehnt Knuts Keulung ab.

Richtig wäre doch wohl gewesen: Die Berichte, dass jemand gefordert hätte, den Eisbär zu töten, haben sich als »kompletter Blödsinn« entpuppt. Richtig ist vielmehr – und ich schreibe das hier nur nochmal kurz auf, weil es ja offensichtlich nicht reicht, dass das in der FAZ stand:

  1. Ein fanatischer Tierliebhaber hatte vor Monaten Strafanzeige gegen einen Zoo gestellt, weil dort ein von seiner Mutter verstoßenes Lippenbärjunges getötet worden war.
  2. Der Zoo hatte eine Handaufzucht des Bären abgelehnt, weil ein »artgerechtes« Leben für handaufgezogene Tiere nicht möglich sei.
  3. Der selbsternannte Tierrechtler war empört und wollte auf das in seinen Augen bestehende Unrecht hinweisen, indem er erklärte, nach der gleichen Logik hätte auch der Eisbär in Berlin getötet werden müssen. Damit ist er eigentlich auf der gleichen Linie wie die Bildzeitung, die ihn aber zum Tierfeind deklarierte, weil sie zu blöd oder zu bösartig war, die Logik richtig wiederzugeben.
  4. Unterdessen wird auch Wolfram Graf-Rudolf, der Leiter des Aachener Tierparks, zitiert, eigentlich sei es falsch, den Eisbären in menschlicher Gesellschaft aufzuziehen, weil dieser mit vorhersehbaren starken Störungen aufwachsen werde. Es hätte aber offenbar niemand den Mut gehabt, ihn sterben zu lassen.

Wolfram Graf-Rudolf hat aber nicht gefordert, ihn jetzt noch sterben zu lassen oder zu töten. Insofern kann man über seine rückblickende Bemerkung auch nicht seriös schreiben:

Der Vorschlag löst Entsetzen aus. Der Zoo lehnt es ab, Knut zu töten. Berlin ist entschlossen, sich sein Kuscheltier nicht einschläfern zu lassen. (SZ).

Es handelt sich aber in Bezug auf den Berliner Eisbären nicht um einen Vorschlag, also eine Handlungsoption für die Zukunft, sondern es geht um vergangene Entscheidungen. Man kann sich schon ausrechnen, welchen Anfeindungen der Aachener Tierparkleiter durch solche Darstellungen ausgesetzt wird, nur weil er sich dagegen ausgesprochen hat, das Tier anders zu behandeln, als es ihm in der Natur ergehen würde. Offenbar hat auch der Autor der SZ die Sätze nicht verstanden, die er aufgeschrieben hat:

Er befürchtet, Knut sei so stark auf seinen Pflegevater geprägt, er werde ohne ihn nicht klar kommen. Sobald der Bär größer ist, wird es immer Gitter zwischen ihm und Dörflein geben. »Dann stirbt er jedes mal einen kleinen Tod, wenn der Pfleger geht, und er kann ihm nicht nach«, sagt Graf-Rudolf, der zwei Handaufzuchten miterlebt hat.

Tatsächlich ist Graf-Rudolf als verantwortungsvoller Zooleiter bekannt und hat sich durch einige erhebliche Verbesserungen an den Haltungsbedingungen für Tiere im Aachener Tierpark hervorgetan, z.B. die Haltung von Geparden ganz beendet, weil er für diese größere Gehege für nötig hält, als Aachen bieten kann. Natürlich muss man dem Tierschützer, auf den der ganze Wirbel zurück geht, Recht geben: ein Problem liegt in der Zoohaltung selbst. Aber ein Tier sterben zu lassen, das auch in der Freiheit sterben würde, ist meines Erachtens kein Zeichen von Herzlosigkeit, sondern ein Zeichen des Respekts vor dem Leben und seiner Schattenseite, dem Tod. Jedes Tier aufzuziehen, egal unter welchen Bedingungen es hinterher sein Leben fristen muss, ist sentimentale Rührseligkeit, aber kein Tierschutz. Klar, dass die Bildzeitung auf der Seite der Sentimentalitäten steht, inbesondere wenn es nicht um Menschen geht. Taktisch logisch, wenn auch unmoralisch, ist es, dass Spiegel Online seine eigene verzerrte Berichterstattung zu vertuschen versucht, indem Stellungnahmen präsentiert werden, die der nie erhobenen Forderung jetzt feierlich widersprechen. Aber müssen sich die anderen Redaktionen davon anstecken lassen, diesen Unsinn zu verbreiten?

Nun allerdings wird um Knuts Schicksal eine bizarre Diskussion geführt: Soll er sterben, weil er von Menschen aufgezogen wird?

schreibt Tagesschau.de. Richtig wäre gewesen: »Hätte man ihn sterben lassen sollen, statt ihn von Menschen aufziehen zu lassen?« Keine ganz einfache Frage, wenn man sie so stellt, aber eine, der man ihren theoretischen Charakter sofort anmerkt. Das ist den Redaktionen offenbar zu kompliziert. Sie möchten lieber ihre Zuschauer und Leser sich aufregen lassen, dass der süße kleine »Knut« angeblich getötet werden soll. – Ob ich mein SZ-Abo verlängere, überlege ich mir doch nochmal genauer.

Mittwoch, 14. März 2007

Maja kommt nicht wieder

Darius 3.36 Uhr Filed under: Natur und soSegnungen des Kapitalismus

BieneNachdem einige Medien (von Welt bis taz) schon vor Wochen kurze Berichte darüber gebracht hatten, erschien nun in der Süddeutschen ein großer Artikel auf der Wissenschaftsseite über das rätselhafte Bienensterben, das in englischsprachigen Medien Colony Collapse Disorder (CCD) genannt wird.

In den USA ist die Mehrzahl aller Bienen verschwunden. Weil eine klare Ursache fehlt, spekulieren Forscher über das Ende der Insektenart – ein Ende mit möglichen Konsequenzen für die Menschheit. […]
An der amerikanischen Westküste sind fast 60 Prozent der Bienenvölker kollabiert, an der Ostküste und in Texas sind es mehr als 70 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten ist betroffen und Teile Kanadas. Dasselbe passiert auch in Spanien und in Polen. […]
Durch ihre Leistung bei der Bestäubung gelten Bienen in Europa nach Rindern und Schweinen als das drittwichtigste Haustier – noch vor dem Geflügel.

Der Artikel geht, wie nur an einem identischen aber unterschiedlich übersetzten Zitat zu erkennen ist, offenbar wie der Welt-Artikel auf mehrere Berichte der New York Times zurück, die leider nicht frei online verfügbar sind.
Bedauerlicherweise geht keiner der deutschen Artikel darauf ein, ob ein Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen besteht, die in den USA bekanntlich verstärkt angebaut werden.
Die Colony Collapse Disorder Working Group der Pennsylvania State University, offenbar das wichtigste Expertengremium in dieser Angelegenheit, geht derzeit nicht davon aus, dass CCD durch das Insektizid des Bacillus thuringiensis (Bt) verursacht wird, das von genetisch verändertem Mais u.ä. produziert wird. Dieses wirke, erklärt Wikipedia, nämlich vor allem auf die Larven von Insekten, bei CCD ist aber gerade das Verschwinden der adulten Bienen kennzeichnend. Auch würden die Bt-manipulierten Pflanzen, vor allem Mais und Tabak, eher nicht so stark von Bienen aufgesucht.
Andererseits wird oftmals auf Mais basierende Nahrung an Bienen verfüttert. Laut CCD Working Group ist jedoch auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Fütterung und CCD zu erkennen.

Some GMO crops, specifically Bt Corn have been suggested as a potential cause of CCD. While this possibility has not been ruled out, CCD symptoms do not fit what would be expected in Bt affected organisms. For this reason GMO crops are not a “top” priority at the moment.

Ausdrücklich erklärt die CCD Working Group jedoch, dass dies nicht heißt, dass Bt-Mais sicher ausgeschlossen werden kann.
Nun meldet die Süddeutsche in einem anderen aktuellen Artikel, Greenpeace protestiere erneut gegen die erfolgte Zulassung des Bt-Mais »Mon 863« von Monsanto in Europa und weise auf mögliche Gesundheitsgefahren für den Menschen hin.

»Ratten, die den Mais MON863 in Fütterungsversuchen zu fressen bekamen, reagierten darauf mit Veränderungen an Niere und Leber«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der seine Ergebnisse am Dienstag in Berlin zusammen mit Greenpeace vorstellte. […] Lebens- und Futtermittel, die MON863 enthalten, dürfen sei dem 1. Januar 2006 in die Europäische Union importiert werden. In den USA und Kanada wird die Sorte nach Angaben des Herstellers Monsanto auf mehreren Millionen Hektar angebaut. Die Pflanzen produzieren aufgrund einer Veränderung im Erbgut ein Eiweiß, das gegen einen Schädling, den Wurzelbohrer, wirkt.

Laut Greenpeace wurde bei der Zulassung manipuliert:

»Es gibt erhebliche Mängel in der statistischen Auswertung der Studie, wie sie von Monsanto vorgelegt wurde«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der das französische Wissenschaftlerteam CRIIGEN leitet. »Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere, ließ Monsanto unter den Tisch fallen.«

Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen besteht, ist, wie gesagt, noch nicht wirklich untersucht.

  • Update: Eine stark überarbeitete Textfassung steht unter www.z-ac.de
Donnerstag, 1. März 2007

Hochwasserschutz zu Lasten Behinderter?

Darius 19.53 Uhr Filed under: Natur und so

Während – endlich – global über die Folgen der Klimaveränderung diskutiert wird, will man in Kornelimünster lokal handeln: Zur Vorsorge bei eventuellem Hochwasser der Inde soll eine wichtige Fußgängerbrücke zum historischen Ortskern höher gelegt werden. Doch nach den vorgelegten Plänen würde dieser Fußweg eine Steigung von 18% erhalten und wäre damit nicht mehr behindertengerecht. Eckard Köppel, der für die Grünen in der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim sitzt, fordert statt dessen, die Möglichkeiten vorbeugenden Hochwasserschutzes zu prüfen.
(Weiter auf z-ac.de)

Samstag, 2. September 2006

Neues aus der Tierwelt

Darius 1.13 Uhr Filed under: MedienschelteNatur und so

Normalerweise interessiert mich herzlich wenig, worüber man sich in der Welt der Fleischesser mal wieder aufregt. Etwas seltsam fand ich aber doch, als vorhin im Radio von »Döner- und Entenfleisch« die Rede war. Auch ein bekanntes Nachrichtenportal berichtet:

Dort [in München] hatten gestern und heute Morgen die Fahnder der Soko »Kühlhaus« bis zu 70 Tonnen Döner- und Entenfleisch sichergestellt. Deren Mindesthaltbarkeitsdatum war teils um vier Jahre überschritten. Von den ersten 20 begutachteten Proben waren 17 auffällig. »Sie waren ranzig, muffig, alt und fremdartig, erschienen grünlich und Ekel erregend«, so ein Behördensprecher. Ob das vergammelte Fleisch auch gesundheitsgefährlich ist, sollen mikrobiologische Analysen bis Mitte nächster Woche erweisen.

Wenn es nach mir ginge, sollten gar keine Enten und Döner zur Fleischproduktion getötet werden.
Die Spiegelleser wollen ja angeblich mehr wissen und sind deshalb bestimmt auch schon alle ganz gespannt auf das schwer vorherzusagene Ergebnis, ob das vier Jahre alte, grünliche, ekelerregende Fleisch eventuell ungesund ist.