Freitag, 16. Mai 2008

Die Weber

Darius 22.04 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser WeltNatur und so

Internet-Foren sind eine gute Sache. Die aufregendste Unterhaltung sind sie indes meistens eher nicht. Diesen Thread finde ich aber mal wirklich faszinierend. Beitrag für Beitrag entwickelt sich eine spannende Geschichte.

Eva aus dem Saarland fragt in einem Forum für Spinnenfreunde, warum an ihrem Haus Weberknechte in einem Pulk sitzen:

seit ein paar Tagen sitzen an unserer Hauswand (Nordseite) zwei Gruppen von jeweils 20-30 Weberknechten (schwarz, Körper ca. 5 mm groß, sehr lange Beine). […] Hat jemand so etwas schon gesehen? Warum sitzen sie da?

Recht bald meldet sich ein Kenner aus den Niederlanden:

Das ist absolut unglaublich!!! Diesen Weberknecht fand ich vor drei Jahren zum ersten Mal hier in Nijmegen, Niederlande. Seitdem versuche ich sie zu bestimmen. Es ist ein Einwanderer, eine Leiobunum-Art, womöglich stammt sie aus Japan, oder Asien, oder…? Wir wissen es einfach (noch) nicht. Ich wäre sehr sehr dankbar, wenn du mir den Fundort nennst und bessere Fotos machst!

Die Fotos reicht Eva bald mit Hilfe eines anderen Forenteilnehmers nach, weitere Weberknechtsichtungen werden aus anderen Gegenden gemeldet. Wissenschaftler melden sich zu Wort und bitten um Einsendung gesammelter Exemplare. Am vorläufigen Ende steht eine wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Fall.

Aus unbekannten Gründen bringt SpOn heute einen Artikel, der die Geschichte sehr dramatisch nacherzählt, die sich im vergangenen Jahr abspielte. (Zugegebenermaßen bin ich dadurch darauf gestoßen.) Mit reißerischen Worten wird schon in der Ãœberschrift nicht gespart: »Riesenspinnen erobern Deutschland«. Ich rate allerdings unbedingt dazu, die weitaus spannenderen Beiträge in dem Forum zu lesen, bei dem sich die ganze Geschichte aus der Perspektive von Eva aus dem Saarland, Karola aus Essen und vielen anderen entwickelt. Reichlich Bilder inklusive.

Nachtrag: Offenbar ist es dem Spiegel dann doch aufgefallen, dass es nicht allzu logisch ist, in der Überschrift von Riesenspinnen zu schreiben, und dann ein paar Zeilen weiter unten zu erklären:

Die feingliedrigen Weberknechte sind strenggenommen gar keine Spinnen, sondern bloß enge Verwandte. Zusammen mit Skorpionen, Pseudoskorpionen, Milben und Spinnen gehören sie zur Klasse der »Spinnentiere« (lateinisch: Arachnidae).

Jedenfalls heißt der Artikel wundersamer Weise jetzt »Riesenkrabbler erobern Deutschland«. Die sonstigen Dramatisierungen und reißerischen Darstellungen sind selbstverständlich geblieben. Schade, denn die Fakten haben es eigentlich gar nicht nötig, noch übertrieben zu werden.

Mittwoch, 12. September 2007

Peinliche Fotos

Darius 16.10 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Eigentlich gibt es wenige wirklich peinliche Fotos. Klar, es gibt Fotos, die einen in Situationen zeigen, in denen etwas schiefgelaufen ist. Oder auf denen man ein blödes Gesicht macht. Aber wir alle wissen, dass das nur allzu menschlich ist und schauen selten wegen eines peinlichen Fotos wirklich auf jemanden herab.
Eine Ausnahme sind aber Fotos, die dümmlich sind und von den abgebildeten trotzdem bewusst und im vollen Ernst eingesetzt werden. Eines der beliebtesten Motive dieser Sorte sind die Fotos vom Typ »Schaut, ich bin wichtig und geschäftig, ich kann sogar ein Telefon bedienen«. Auf die Spitze treiben kann man dieses Motiv freilich noch, wenn man sich dazu ein hässliches altes cremefarbenes Telefon aussucht, mit einem billigen Kugelschreiber wichtig in einem Kalender herummalt, ohne hinzuschauen, die nicht so üppigen Haare im Wetlook dekoriert, sich einen Besucherausweis des Axel-Springer-Verlags an die Brust heftet und vor einem Logo der »Bild am Sonntag« posiert. Kann man das noch toppen?
(Wer sich für die dazu gehörende Person interessiert, wird bei Titanic fündig.)

Samstag, 28. April 2007

Ist nach Bonn jetzt Hamburg dran?

Darius 17.20 Uhr Filed under: Alles gesagtGeheimnisse dieser Welt

…mit dem Umzug nach Berlin?
Hamburg

Freitag, 27. April 2007

Unidirektionale Homosexualität?

Darius 0.03 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser WeltMedienschelte

Dass Frauen an anderen Enden der Welt auch noch andere Lösungen zur Eheschließung ohne Mann finden, haben wir ja kürzlich schon festgestellt. Nur dass mich da niemand missversteht: Ich will das in keiner Weise lächerlich machen oder angreifen.
Nun berichtet n-tv.de von einer ungewöhnlichen Heirat in Nigeria.

Eine nigerianische Lesbe ist nach ihrer Hochzeit mit vier Frauen auf der Flucht vor den Behörden. Die 45-Jährige habe ihren Bräuten […] vor 2000 Gästen das Jawort gegeben und zwei Tage lang ausgiebig gefeiert […]. Nachbarn hätten die Frau jedoch bei den Behörden verraten.

Homosexualität (offenbar im Unterschied zu Polygamie) sei in Nigeria nämlich verboten. Erstaunlich finde ich, dass laut n-tv anscheinend nur eine von den fünf Bräuten lesbisch ist. Das erklärt zumindest auch, warum auch nur von dieser einen berichtet wird, dass sie sich auf der Flucht befinde…

Montag, 2. April 2007

Einen Schritt voraus

Darius 15.00 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Irgendwo gab’s mal eine Karikatur, auf der nebeneinander ein Mann und eine Frau im Bett liegen, letztere ein Buch lesend mit dem Kommentar:

»Ich lese, damit ich im Bett auch mal meinen Spaß habe!«

Laut einer Meldung von Reuters ist eine Inderin bereits einen Schritt weiter und hat gleich das Buch geheiratet, um nicht länger als Unverheiratete belästigt zu werden. Das angetraute Buch wird unter Freunden auch »die Gita« genannt.

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Parken gegen Bayern

Darius 1.48 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Es soll in dieser Stadt Leute geben, die spielen Fußball mitunter gegen den HSV und Bayern München. Natürlich tun sie das nicht kostenlos, es ist ihr Job. Jetzt hat man sich offenbar eine neue Methode ausgedacht, wie sich auch die, die nicht mit fußballspielen, gegen den HSV und Bayern einbringen können – wenn auch unbezahlt:

Kostenloses Parken gegen HSV und Bayern

Allerdings verstehe ich nicht, was es gegen Hamburger und Münchener nützen soll, sein Auto ganz ordentlich auf einen Parkplatz zu stellen. Nachvollziehbar wäre doch eher eine Blockade nach der Devise »Falsch Parken gegen HSV und Bayern«. – Morgen (bzw. heute) Abend werden wir sehen, ob das Parken so etwas genützt hat.

Transsexuelle Imbissbude

»Du bist doch sonst nicht so konservativ!« – Neuerdings nennen mich ja Leute, die sich selbst für die linke Avantgarde halten, konservativ, weil ich doch als Linker tatsächlich von Aspekten des Denkmalschutzes sprach, als es um den Aachener Katschhof ging. Da behaupten grüne und linksparteiliche Ratsherren, mich zu kennen. (Bin ich sonst nicht so? Immerhin wohne ich nicht zufällig in einem denkmalgeschützten alten Bruchsteinhaus.) Tatsächlich finde ich diese Beschreibung aus der wahrlich nicht gerade linken FAZ ganz treffend:

Der Schweizer Städtebauer Carl Fingerhuth als Vorsitzender der Jury sprach gar von einer »Bühne, wie es sie so auf der Welt noch nicht gibt«, und prophezeite, der am Katschhof geplante Bau werde »in fünfzig Jahren selbst zum Weltkulturerbe [wie der Aachener Dom] gehören.« Wäre er doch, wie Baudezernentin Gisela Nacken inzwischen nachlegte die »Krönung für unsere Innenstadt«.
Geht’s nicht ein bißchen kleiner? Bereits der Name provoziert diese Frage: »Bauhaus Europa« – damit betreibt die Stadt, in der Ludwig Mies van der Rohe geboren (aber erst 2005 eine Gesellschaft nach ihm benannt) wurde, eine andere Form der Markenpiraterie. Der Zusatz »Europa« erfolgte, weil es für »Europa« Fördermittel gibt. (FAZ v. 8.12.2006)

In meiner Straße gibt es alle hundert Meter eine Imbissbude. Die nächste von ihnen ist nur ein paar Häuser entfernt und im Sommer viel zu deutlich von meinem Balkon aus zu riechen. Vor wenigen Tagen muss es gewesen sein – vielleicht an ihrem Namenstag? – da hat diese Imbissbude eine Geschlechtsumwandlung vollzogen. Jetzt, wo ich ja ohnehin konservativ bin, kann ich mich ja über sowas wundern.

Also tatsächlich – da bin ich sicher nicht konservativ – ist mir völlig egal, zu welchem Geschlecht sich gerade jemand hingezogen und in welchem er oder sie sich richtig aufgehoben fühlt. Transsexualität bei Imbissbuden ist mir allerdings ein völlig neues, doch unübersehbares Phänomen: »Mr. Nik« heißt jetzt »Misses Nick«. Nun denn: wenn sie sich wohler so fühlt, soll das mal so sein.

Montag, 4. Dezember 2006

The L-Word

Darius 0.35 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Blindes Vertrauen in die Technik ist zwei Aachener Krankenwagenfahrern zum Verhängnis geworden. Weil sie sich auf ihr Navigationssystem verließen, brauchten die Sanitäter Stunden, bis sie ihren Patienten in der richtigen Klinik ablieferten. Eigentlich sollte die Fahrt 20 Minuten dauern.
Die Ambulanz wurde von dem Gerät versehentlich bis ins 60 Kilometer entfernte Lüttich geschickt, obwohl der Patient eigentlich nur von der Itertal-Klinik im Aachener Süden ins innerstädtische Luisenhospital gebracht werden sollte. Statt 20 Minuten dauerte die Fahrt knapp zwei Stunden.
Die Gesundheitsbehörden erklärten den Fehler damit, dass das Satellitensystem die Klinik mit dem Namen Luisenhospital nicht erkannt habe und den Wagen nach Lüttich geleitet habe, alphabetisch das nächstgelegene Ziel. Die Krankenwagen-Besatzung habe sich zunächst blind auf die Angaben verlassen und erst mit viel Verspätung den Fehler bemerkt – als sie die Stadtgrenze von Lüttich passierten. Warum ihnen die Marathonfahrt nicht schon vorher seltsam vorkam, wollte der Sprecher nicht sagen.
Der Patient kam trotzdem wohlbehalten an: Er hatte die meiste Zeit geschlafen.

Nicht zu glauben? Soll aber annähernd so passiert sein.

Montag, 18. September 2006

mach auf

Darius 2.54 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Foto: Thadenmach auf
nein
ich will
hinein
nein
mach auf
nein
ich will
hinein
nein
mach auf
nein
mach auf

text: h. c. artmann

foto: t. j. c. de jong

Donnerstag, 7. September 2006

Frau Fenster wechselt die Läden

Schon ein alter Hut ist die Geschichte des Mädchens, dem die Eltern den Namen Pepsi-Carola gaben, um 10.000 Mark Prämie eines bekannten Getränkekonzerns zu ergattern, der am Tag ihrer Geburt mit einem neuen Lizenznehmer auf den norddeutschen Markt drängte.
Nicht weniger obskur ist, dass bei Microsoft eine Sicherheitsspezialistin mit dem Namen Window arbeitete. Leider habe ich bisher nicht herausgefunden, ob ihr Geburtstag der 20. November 1985 ist.
Einmal mehr lässt sich die Geschichte zur die klassischen Pointe fortführen: Von Pepsi-Carola Zimmermann wurde berichtet, dass sie am liebsten Orangensaft trinkt. Window Snyder wechselte nun zur Mozilla Corporation. Nicht nur die Revolution frisst ihre Kinder…

Übrigens betreibt Window ein ganz hübsches Weblog mit recht guten Tierfotos. Von ihrer Keniareise weiß sie außerdem eine Anekdote zu erzählen, die ein wenig literarische Ausgestaltung verdient hätte (für die ich leider auch gerade keine Zeit habe): Window besucht Massai Mara. Beeidruckt vom Tanz einiger Massai fragt die IT-Spezialistin aus Redmond, welchen Zweck der Tanz denn habe. Antwort: Frauen aufzureißen.

Wie das alles zusammenhängt? Schon in den 1970er Jahren hatte Gerhard Seyfried in einer unscheinbaren Karikatur zum Thema »Konsumterror« den ultimativen Slogan präsentiert, auf den sich bis heute die meisten Werbebotschaften reduzieren lassen:

Sauf literweise Rülpsi-Cola und du fühlst dich riesig und hast massenhaft Freundinnen!