Mittwoch, 15. September 2010

Nette Typografie

Darius 0.30 Uhr Filed under: Musikonsumusik

»adamantcz« hat ein hübsches Video mit ein paar netten typografischen Einfällen gebastelt. Die Schnippsel am Anfang sind zwar so ähnlich schon oft eingesetzt worden, aber die im Bogen verschwindende Schrift gegen Mitte des Clips finde ich ganz originell gemacht. Und das für eins meiner Lieblingslieder.

Mittwoch, 1. September 2010

Schüttet euer Herz aus mit Comic Sans

Darius 1.14 Uhr Filed under: Medienschelte

Comic Sans ist wirklich eine grässliche Schriftart, schlampig produziert und mit einem Erscheinungsbild, als wäre sie mit Microsoft Paint gezeichnet. Schlimmer als ihre geringe Qualität ist aber ihr Einsatz im Alltag. Bei mir läuten sofort die Alarmglocken, wenn Comic Sans auftaucht. Eigentlich ist dann nur noch die Frage: Will sich hier jemand bei Kindern anbiedern oder doch eher bei Leuten, die irgendwie Hilfe und Beratung suchen? Auch jeden Fall soll’s kräftig menscheln, und dafür erscheint die runtergerotzte Comic Sans von Microsoft offenbar geeignet.

Gespannt bin ich aber, ob die Story bald die Runde macht, die Myfonts (Bitstream) derzeit via Facebook verbreitet. Laut einer Studie sollen Fragebögen in Comic Sans Menschen eher dazu verleiten, Details aus ihrer Privatsphäre zu verraten. Myfonts bezieht sich auf einen Beitrag von Kashmir Hill, »Use Comic Sans to Get People to Reveal their Most Sensitive Private Information Online«.

Bei genauerer Betrachtung wird allerdings schon in diesem Beitrag deutlich, dass das Experiment nicht isoliert die Comic Sans untersucht hat. In einer Untersuchung der Carnegy Mellon University soll laut einem Bericht der New York Times die Auskunftsfreude von Besucherinnen zweier unterschiedlicher Webseiten verglichen worden sein. Die eine Seite habe ein sachlich-offizielles Erscheinungsbild gehabt, die andere fragte in wild buntem Stil »How BAD Are U???«. Das Ergebnis ist nicht uninteressant, auch wenn die Comic Sans darin nur eine Nebenrolle spielt. Jedenfalls waren die Teilnehmenden bei der inoffiziell wirkenden Website weitaus auskunftsfreudiger und verrieten beispielsweise mehr Details über ihre Drogenerfahrungen. Laut Times gaben auf der offiziell erscheinenden Seite 4,7 % der TeilnehmerInnen an, schonmal jemanden heimlich beim Ausziehen beobachtet zu haben, während es bei der anscheinend lustigen Seite 19,7 % waren.

Das Ergebnis passt zu meinem Eindruck, dass auf Facebook viele eigentlich politsch bewusste Leute bereit sind, für ein vermeintlich lustiges Quiz im Stil von »Was für ein Sozialist bist du« Auskünfte zu geben, die sie unter anderen Vorzeichen empört verweigern würden. Die Untersuchung mag Relevanz haben, wenn es darum geht, wie man Leute dazu bewegen kann, mehr über sich preiszugeben als sie nüchtern betrachtend tun würden. Dass die Comic Sans dabei eine entscheidende Rolle spielt, scheint mir leicht übertrieben, aber ich bin gespannt, ob genau diese Behauptung jetzt durch die Medien geistern wird.