Montag, 26. März 2007

They have Nick Cave dolls now?

Darius 4.00 Uhr Filed under: Musikonsumusik

Es ist irgendwie beruhigend zu sehen, dass man Nick Cave doch nicht abzuschreiben braucht. Das Doppelalbum »Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus« nach dem Weggang von Blixa Bargeld war reichlich verkitscht und ließ nicht mehr viel Gutes erwarten. Doch mit dem neuen Projekt Grinderman hat Nick Cave jetzt offensichtlich die Kurve gekriegt. Wieder ein mitunter lautes, streckenweise rockigeres Album, bei dem man auf die Tragfähigkeit der Instrumente vertraut statt alles überzuproduzieren und mit Hintergrundsängerinnen u. dgl. zuzukleistern. Dass »(I Don’t Need You To) Set Me Free« arg nach »The Weeping Song« klingt, ist wirklich kein Unglück, sondern vielmehr genau die richtige Stelle, an die sich anzuknüpfen lohnt. [last.fm]

Sonntag, 25. März 2007

Protestauftakt zum Karlspreis

Darius 10.01 Uhr Filed under: Alles und nichts

Einige Dutzend Menschen sind am Samstag trotz Regenwetters dem Aufruf von Attac Aachen gefolgt, vor dem Rathaus gegen die geplante Karlspreisverleihung an Javier Solana zu protestieren. Kurz vor Zwölf ließen die DemonstrantInnen über 200 Luftballons mit Friedenstauben aufsteigen als Symbol für die über zweihundert Personen, die am gleichen Tag in einer Zeitungsanzeige erklärten, dass die Karlspreisverleihung an den Militaristen Solana nicht in ihrem Namen geschehen wird. Am Tag der Preisverleihung (17. Mai) soll dann eine größere Protestkundgebung im Hof stattfinden.
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Mittwoch, 21. März 2007

Enteignet Springer 2007

Darius 2.17 Uhr Filed under: Medienschelte

Welche demokratiegefährdende Macht in der Bildzeitung steckt, merkt man, wenn es dem Blatt gelingt, Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder auf eine Demonstration zu schleppen, um gegen etwas demonstrieren, das überhaupt nicht existiert außerhalb des Paralleluniversums des von Bild Zusammengelogenen.

Dienstag, 20. März 2007

Über 7000 Unterschriften gegen Überbauung der Weser in Verviers

Darius 10.00 Uhr Filed under: Natur und so

In Verviers ist Streit um den Umgang mit der Weser entbrannt. Für ein großes Einkaufszentrum soll ein Teil des Flusses im Ortszentrum überbaut werden, doch viele Menschen in Verviers halten die Pläne für unpassend, überdimensioniert und nicht umweltgerecht. Eine Bürgerinitiative überreichte gestern der Stadt über 7000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren.

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Akut ansteckender Hirnschwund bei Deutschlands Journalisten

Darius 3.37 Uhr Filed under: MedienschelteNatur und so

Dass die Bildzeitung zu einem Thema, das sie nicht verstanden hat oder an dessen richtiger Darstellung sie kein Interesse hat, ein paar völlig aus dem Zusammenhang gerissene Zitate verwendet, um dann haarsträubenden Unsinn zu verbreiten, ist hinlänglich bekannt und täglich im Bildblog nachzulesen. Dass Spiegel Online irgendwelche Revolverstorys aus Bild mit vordergründiger Distanzierung eifrig nachplappert, ist auch nicht neu. Dass aber massenhaft Redaktionen, darunter etwa Tagesschau und Süddeutsche, den Schwachsinn der Springerpresse nachplappern, erscheint mir doch außergewöhnlich. Aber wenn es um ein niedliches Tier geht, schalten offenbar auch ansonsten einigermaßen seriöse Redaktionen ihr Hirn ab.

Statt eigene Schwachsinnsmeldungen zu entschuldigen, bringt Spiegel Online z.B. folgende Formulierung:

Knut muss nicht sterben: Der Tierarzt des Berliner Zoos hat Forderungen, das Eisbär-Baby einzuschläfern, als »kompletten Blödsinn« bezeichnet. Auch der Deutsche Tierschutzbund lehnt Knuts Keulung ab.

Richtig wäre doch wohl gewesen: Die Berichte, dass jemand gefordert hätte, den Eisbär zu töten, haben sich als »kompletter Blödsinn« entpuppt. Richtig ist vielmehr – und ich schreibe das hier nur nochmal kurz auf, weil es ja offensichtlich nicht reicht, dass das in der FAZ stand:

  1. Ein fanatischer Tierliebhaber hatte vor Monaten Strafanzeige gegen einen Zoo gestellt, weil dort ein von seiner Mutter verstoßenes Lippenbärjunges getötet worden war.
  2. Der Zoo hatte eine Handaufzucht des Bären abgelehnt, weil ein »artgerechtes« Leben für handaufgezogene Tiere nicht möglich sei.
  3. Der selbsternannte Tierrechtler war empört und wollte auf das in seinen Augen bestehende Unrecht hinweisen, indem er erklärte, nach der gleichen Logik hätte auch der Eisbär in Berlin getötet werden müssen. Damit ist er eigentlich auf der gleichen Linie wie die Bildzeitung, die ihn aber zum Tierfeind deklarierte, weil sie zu blöd oder zu bösartig war, die Logik richtig wiederzugeben.
  4. Unterdessen wird auch Wolfram Graf-Rudolf, der Leiter des Aachener Tierparks, zitiert, eigentlich sei es falsch, den Eisbären in menschlicher Gesellschaft aufzuziehen, weil dieser mit vorhersehbaren starken Störungen aufwachsen werde. Es hätte aber offenbar niemand den Mut gehabt, ihn sterben zu lassen.

Wolfram Graf-Rudolf hat aber nicht gefordert, ihn jetzt noch sterben zu lassen oder zu töten. Insofern kann man über seine rückblickende Bemerkung auch nicht seriös schreiben:

Der Vorschlag löst Entsetzen aus. Der Zoo lehnt es ab, Knut zu töten. Berlin ist entschlossen, sich sein Kuscheltier nicht einschläfern zu lassen. (SZ).

Es handelt sich aber in Bezug auf den Berliner Eisbären nicht um einen Vorschlag, also eine Handlungsoption für die Zukunft, sondern es geht um vergangene Entscheidungen. Man kann sich schon ausrechnen, welchen Anfeindungen der Aachener Tierparkleiter durch solche Darstellungen ausgesetzt wird, nur weil er sich dagegen ausgesprochen hat, das Tier anders zu behandeln, als es ihm in der Natur ergehen würde. Offenbar hat auch der Autor der SZ die Sätze nicht verstanden, die er aufgeschrieben hat:

Er befürchtet, Knut sei so stark auf seinen Pflegevater geprägt, er werde ohne ihn nicht klar kommen. Sobald der Bär größer ist, wird es immer Gitter zwischen ihm und Dörflein geben. »Dann stirbt er jedes mal einen kleinen Tod, wenn der Pfleger geht, und er kann ihm nicht nach«, sagt Graf-Rudolf, der zwei Handaufzuchten miterlebt hat.

Tatsächlich ist Graf-Rudolf als verantwortungsvoller Zooleiter bekannt und hat sich durch einige erhebliche Verbesserungen an den Haltungsbedingungen für Tiere im Aachener Tierpark hervorgetan, z.B. die Haltung von Geparden ganz beendet, weil er für diese größere Gehege für nötig hält, als Aachen bieten kann. Natürlich muss man dem Tierschützer, auf den der ganze Wirbel zurück geht, Recht geben: ein Problem liegt in der Zoohaltung selbst. Aber ein Tier sterben zu lassen, das auch in der Freiheit sterben würde, ist meines Erachtens kein Zeichen von Herzlosigkeit, sondern ein Zeichen des Respekts vor dem Leben und seiner Schattenseite, dem Tod. Jedes Tier aufzuziehen, egal unter welchen Bedingungen es hinterher sein Leben fristen muss, ist sentimentale Rührseligkeit, aber kein Tierschutz. Klar, dass die Bildzeitung auf der Seite der Sentimentalitäten steht, inbesondere wenn es nicht um Menschen geht. Taktisch logisch, wenn auch unmoralisch, ist es, dass Spiegel Online seine eigene verzerrte Berichterstattung zu vertuschen versucht, indem Stellungnahmen präsentiert werden, die der nie erhobenen Forderung jetzt feierlich widersprechen. Aber müssen sich die anderen Redaktionen davon anstecken lassen, diesen Unsinn zu verbreiten?

Nun allerdings wird um Knuts Schicksal eine bizarre Diskussion geführt: Soll er sterben, weil er von Menschen aufgezogen wird?

schreibt Tagesschau.de. Richtig wäre gewesen: »Hätte man ihn sterben lassen sollen, statt ihn von Menschen aufziehen zu lassen?« Keine ganz einfache Frage, wenn man sie so stellt, aber eine, der man ihren theoretischen Charakter sofort anmerkt. Das ist den Redaktionen offenbar zu kompliziert. Sie möchten lieber ihre Zuschauer und Leser sich aufregen lassen, dass der süße kleine »Knut« angeblich getötet werden soll. – Ob ich mein SZ-Abo verlängere, überlege ich mir doch nochmal genauer.

Samstag, 17. März 2007

3000 vergebliche Spam-Versuche

Darius 15.28 Uhr Filed under: My WebLab

Mehr als dreitausend mal wurde inzwischen versucht, die Kommentarfunktion meines Weblogs für Spam zu missbrauchen. Akismet hat schätzungsweise 99,9% der Versuche erfolgreich erkannt. Vielleicht sollten sich die Spammer mal lohnendere Ziele suchen als mein Weblog – bzw. endlich zur Hölle hinabfahren.

Mittwoch, 14. März 2007

Maja kommt nicht wieder

Darius 3.36 Uhr Filed under: Natur und soSegnungen des Kapitalismus

BieneNachdem einige Medien (von Welt bis taz) schon vor Wochen kurze Berichte darüber gebracht hatten, erschien nun in der Süddeutschen ein großer Artikel auf der Wissenschaftsseite über das rätselhafte Bienensterben, das in englischsprachigen Medien Colony Collapse Disorder (CCD) genannt wird.

In den USA ist die Mehrzahl aller Bienen verschwunden. Weil eine klare Ursache fehlt, spekulieren Forscher über das Ende der Insektenart – ein Ende mit möglichen Konsequenzen für die Menschheit. […]
An der amerikanischen Westküste sind fast 60 Prozent der Bienenvölker kollabiert, an der Ostküste und in Texas sind es mehr als 70 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten ist betroffen und Teile Kanadas. Dasselbe passiert auch in Spanien und in Polen. […]
Durch ihre Leistung bei der Bestäubung gelten Bienen in Europa nach Rindern und Schweinen als das drittwichtigste Haustier – noch vor dem Geflügel.

Der Artikel geht, wie nur an einem identischen aber unterschiedlich übersetzten Zitat zu erkennen ist, offenbar wie der Welt-Artikel auf mehrere Berichte der New York Times zurück, die leider nicht frei online verfügbar sind.
Bedauerlicherweise geht keiner der deutschen Artikel darauf ein, ob ein Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen besteht, die in den USA bekanntlich verstärkt angebaut werden.
Die Colony Collapse Disorder Working Group der Pennsylvania State University, offenbar das wichtigste Expertengremium in dieser Angelegenheit, geht derzeit nicht davon aus, dass CCD durch das Insektizid des Bacillus thuringiensis (Bt) verursacht wird, das von genetisch verändertem Mais u.ä. produziert wird. Dieses wirke, erklärt Wikipedia, nämlich vor allem auf die Larven von Insekten, bei CCD ist aber gerade das Verschwinden der adulten Bienen kennzeichnend. Auch würden die Bt-manipulierten Pflanzen, vor allem Mais und Tabak, eher nicht so stark von Bienen aufgesucht.
Andererseits wird oftmals auf Mais basierende Nahrung an Bienen verfüttert. Laut CCD Working Group ist jedoch auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Fütterung und CCD zu erkennen.

Some GMO crops, specifically Bt Corn have been suggested as a potential cause of CCD. While this possibility has not been ruled out, CCD symptoms do not fit what would be expected in Bt affected organisms. For this reason GMO crops are not a “top” priority at the moment.

Ausdrücklich erklärt die CCD Working Group jedoch, dass dies nicht heißt, dass Bt-Mais sicher ausgeschlossen werden kann.
Nun meldet die Süddeutsche in einem anderen aktuellen Artikel, Greenpeace protestiere erneut gegen die erfolgte Zulassung des Bt-Mais »Mon 863« von Monsanto in Europa und weise auf mögliche Gesundheitsgefahren für den Menschen hin.

»Ratten, die den Mais MON863 in Fütterungsversuchen zu fressen bekamen, reagierten darauf mit Veränderungen an Niere und Leber«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der seine Ergebnisse am Dienstag in Berlin zusammen mit Greenpeace vorstellte. […] Lebens- und Futtermittel, die MON863 enthalten, dürfen sei dem 1. Januar 2006 in die Europäische Union importiert werden. In den USA und Kanada wird die Sorte nach Angaben des Herstellers Monsanto auf mehreren Millionen Hektar angebaut. Die Pflanzen produzieren aufgrund einer Veränderung im Erbgut ein Eiweiß, das gegen einen Schädling, den Wurzelbohrer, wirkt.

Laut Greenpeace wurde bei der Zulassung manipuliert:

»Es gibt erhebliche Mängel in der statistischen Auswertung der Studie, wie sie von Monsanto vorgelegt wurde«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der das französische Wissenschaftlerteam CRIIGEN leitet. »Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere, ließ Monsanto unter den Tisch fallen.«

Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen besteht, ist, wie gesagt, noch nicht wirklich untersucht.

  • Update: Eine stark überarbeitete Textfassung steht unter www.z-ac.de
Sonntag, 11. März 2007

Unverdient

Darius 0.23 Uhr Filed under: Musikonsumusik

Unsolved RemainedVor zwei Jahren wurde bei Morr Music heftig das Masha-Qrella-Album »Unsolved Remained« inseriert. Ich hatte mal kurz den Hörproben gelauscht, aber mich erstaunlicher Weise nicht gleich dafür begeistern können. Vor ein paar Monaten dann hatte ich das Contriva-Album »Seperate Chambers« erstmals gehört und recht bald das Stück »I can wait« favorisiert, bei dem Masha singt. Nun wird gerade »Unsolved Remained« bei Hausmusik billig rausgeschmissen und ich habs anlässlich einer anderen Bestellung dann doch mal mitgeordert. Wie das dann so ist. Die CD ist natürlich unglaublich gut und ich frage mich, was ich da eigentlich vor zwei Jahren gehört bzw. eben nicht gehört hatte. Akustische Gitarre, Mashas Gesang, und dann – bevor es ach so ein Lied wird wie… – Synthesizer, die alles aufbrechen, das wie x-mal gehörte Singer/Songwriter-Songs klingt. Völlig unverdient verramscht. Also nochmal zum Mitschreiben: Bei Morr unter »Releases« mm 052 aufschlagen und probehören (insbesondere z.B. »Everything Shows«), dann bei Hausmusik unter »Angebote« bestellen. (Wer dennoch unbedingt bei Amazon zu etwa dem doppelten Preis bestellen will, benutze bitte diesen Link und spendiere mir die kleine Provision.)
Update: Jetzt gibt’s auch direkt hier was auf die Ohren:

Montag, 5. März 2007

Neues Design

Darius 4.20 Uhr Filed under: My WebLab

So, ich habe mal auf die Schnelle ein WordPress-Theme zusammengeschustert. Das alte war mit seiner Courier zwar konsequent im Dossier-Lookalike, aber gerade typografisch nicht ansprechend. Als Herausgeber eines Typografie-Plugins erschien mir das unpassend.
Mit Firefox und Konqueror sieht das Design schon ganz okay aus. Ob der Internet Explorer 6 es mal wieder vermurxt, habe ich noch nicht getestet. Ein paar Details sind auf jeden Fall noch zu prüfen. Schade, dass ich das Vorhandensein der Futura nicht auf jedem Rechner voraussetzen kann.

Update: Es scheint sogar reibungslos mit dem alten MSIE zu funktionieren. Prima. Ich hätte wenig Lust gehabt, für den meinen Code anzupassen.

Donnerstag, 1. März 2007

Hochwasserschutz zu Lasten Behinderter?

Darius 19.53 Uhr Filed under: Natur und so

Während – endlich – global über die Folgen der Klimaveränderung diskutiert wird, will man in Kornelimünster lokal handeln: Zur Vorsorge bei eventuellem Hochwasser der Inde soll eine wichtige Fußgängerbrücke zum historischen Ortskern höher gelegt werden. Doch nach den vorgelegten Plänen würde dieser Fußweg eine Steigung von 18% erhalten und wäre damit nicht mehr behindertengerecht. Eckard Köppel, der für die Grünen in der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim sitzt, fordert statt dessen, die Möglichkeiten vorbeugenden Hochwasserschutzes zu prüfen.
(Weiter auf z-ac.de)