Sonntag, 28. Januar 2007

Ekeltsunami

Darius 2.14 Uhr Filed under: Alles und nichts

Vor Tsunamis habe ich mich bisher nicht besonders gefürchtet. Zwar soll das Meer auch schonmal bis hierher gereicht haben, aber wohl eher vor Menschengedenken. Nicht einmal einen Fluss hat diese Stadt. Jetzt wird aber auch in Aachen vor einer bedrohlichen Welle gewarnt, die man sich bloß nicht allzu bildlich vorstellen mag: Die AZ meldet eine

Starke Welle von Brechdurchfällen

Dienstag, 23. Januar 2007

Gnade, zweierlei bemessen

Darius 21.13 Uhr Filed under: Medienschelte

Beim Umgang mit politisch motivierten Morden wird in Deutschland offenbar immer noch lieber bei Nazis ein Auge zugedrückt. Vor wenigen Wochen hat ein italienisches Gericht zehn Deutsche wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Zehn wurden für schuldig befunden, an der Ermordung von über 800 Menschen mitgewirkt zu haben, einem der schlimmsten Massaker während der deutschen Besatzung Italiens. Ich fand es schon beachtlich, dass die deutschen Medien, soweit ich das sah, die Namen der verurteilten Deutschen, die sich der Justiz entziehen und in Abwesenheit verurteilt wurden, nirgends genannt hat. Sicher, es sind inzwischen alte Männer, aber nun doch Mörder. Normalerweise scheut sich die deutsche Presse nicht, die Namen von mutmaßlichen Mördern auch vor der Urteilsverkündung zu nennen, hier gilt aber offenbar ein anderes Maß, weil die zehn Herrenmenschen es ja doch geschafft haben, sich weitgehend unbehelligt ihrem Lebensabend stark zu nähern. Da drückt man hierzulande sicher gern ein Auge zu. Dass sie ihre in Italien verhängten Strafen nicht antreten müssen, weil sie sich in Deutschland aufhalten, ist wohl schon äußerst gnädig. Dass die deutsche Presse die verurteilten Kriegsverbrecher durch Anonymisierung schützt wie in anderen Fällen nicht einmal Opfer, ist schon beachtlich. Unterdessen diskutieren diese Medien nun, ob denn den verurteilten ehemaligen RAF-TerroristInnen das gängige Recht zu gewähren ist, nachdem sie einen großen Teil ihrer Haftstrafen – anders als die jüngst verurteilten zehn deutschen Kriegsverbrecher – abgesessen haben, begnadigt zu werden.

WordPress 2.1 released – InTypo working fine

Darius 12.56 Uhr Filed under: IntypoMy WebLab

Exactly at the right moment, WordPress 2.1 is here, including a new option to use a static page as start page for a WordPress driven site. This is just what I was thinking about as a solution for a small website I am currently creating, which has a static main page but needs to be extended by a news page.

Good news: all* plugins I am running in my WordPress blogs seem to work fine with WP 2.1. Especially, I am glad to say:

No problems encountered with the current version of my InTypo plugin in WordPress 2.

Update: Sadly, there is a problem with the well known Blix theme (featured as one of the few on the official WordPress website) in WordPress 2.1. I was using part of its code to get a list of my static pages on top of my site, but it is not working in WP 2.1

2nd Update: I found and fixed a solution for Blix theme in WordPress 2.1. Used the same method to fix my own theme.

* note: The WP-Stats plugin required an update, which is available from the author’s website.

Samstag, 20. Januar 2007

Bundesregierung betrog die Öffentlichkeit zu Guantánamo

Darius 15.10 Uhr Filed under: Alles und nichts

Anfangs gab es wohl einen noch halbwegs nachvollziehbaren Verdacht, als Murat Kurnaz drei Wochen nach Nine-Eleven nach Pakistan reist, um eine Koranschule zu besuchen. Außerdem soll ein Bekannter von ihm behauptet haben, Kurnaz führe dort hin, »um gegen die Amerikaner zu kämpfen«. Letzteres war wohl falsch, aber vielleicht noch ein nachvollziehbarer Grund für die Terrorbekämpfer, sich den Fall genauer anzusehen. In den deutschen Regierungskreisen sprach man dann vom »Bremer Taliban«.Tatsächlich wollte Kurnaz nach eigenen Aussagen für zwei Wochen eine religiöse Gruppe genauer kennen lernen, die »zutiefst unpolitisch und gewaltfrei« sei und sich um Obdachlose oder Drogenabhängige kümmere. Dies habe ihn beeindruckt. Entgegen Ratschlägen habe er die Reise nicht verschoben, »damit er rechtzeitig zur Ankunft seiner jungen Ehefrau aus der Türkei zu Jahresbeginn wieder zurück sei«.

Die SZ berichtet von der Interpretation eines CIA-Vertreters, der die deutsche Haltung auch nicht versteht und vermutet, die Bundesregierung habe Härte im Kampf gegen den Terrorismus demonstrieren wollen. Also so nach dem Motto, wir machen bei euerm Krieg (zumindest vordergründig) nicht mit, aber das heißt nicht, dass wir weniger gnadenlos Terrorverdächtige verfolgen.
In der heutigen SZ wird die Frage nach den Motiven für den Widerstand der rot-grünen Bundesregierung gegen die Rückkehr Murat Kurnaz‹ nochmal genauer ausgeleuchtet. Demnach ist die Vermutung wohl, dass die Bundesregierung gegenüber der deutschen Öffentlichkeit unbedingt den Eindruck wahren wollte, dass

  1. die USA ihnen den Zugang zum Lager Delta bei Guantánamo verwehrten, und
  2. man deshalb keine Kenntnis habe, was genau dort vor sich geht, sowie
  3. keine Deutschen dort seien, sodass kein formeller Handlungsanlass für die BRD bestehe (sie sei »aus konsularrechtlicher Sicht nicht betroffen«).
Camp DeltaVordergründig hat ja die rot-grüne Bundesregierung in offizieller Propaganda (so kann man das nun wohl eindeutig nennen) immer wieder Guantánamo kritisiert.

Alle drei Behauptungen widerlegt aber der Fall Kurnaz: Schon 2002 waren deutsche Geheimdienstler dort, um mit Kurnaz zu sprechen. Wenn schon 2002 – und wie erst dieser Tage durch Aussagen von Kurnaz bekannt wurde, auch 2004 – deutsche Geheimdienstler da waren, dürften diese nicht nur über Kurnaz‹ Unschuld in Kenntnis geraten sein, sondern auch von den Zuständen im Lager etwas mitbekommen haben. Kurnaz selbst hat sie nach seinen Aussagen auf Folter und Misshandlungen hingewiesen. Die USA hatten im Oktober 2005 schließlich sogar offizielle EU-Vertreter zur Besichtigung des Lagers eingeladen. (Es ist natürlich klar, dass diese keine Einblicke in die wirklichen Zustände bekommen hätten. Außerdem hat sich angeblich ja iinzwischen die Taktik im Umgang mit den Gefangenen geändert und man versucht jetzt, sie mit softeren Methoden zu knacken. Was soll man auch nach 4 oder 5 Jahren Folter noch neues herausbekommen, was man in 4-5 Jahren nicht erfoltert hat?) Die Vertreter der BRD schrieben wörtlich:

»Auch haben wir dies [dass keine Deutschen betroffen wären] bislang immer mit dem Hinweis darauf, dass uns kein Zugang zu Guantanamo gewährt worden ist, nach außen vertreten. Diese Linie ließe sich mit einem Besuch im Gefangenenlager möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten.«

Kurnaz besaß zwar keinen deutschen Pass, ist aber in Deutschland geboren und besitzt eine Aufenthaltsgenehmigung. Vermutlich hätte er inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen können.

Ich vermute ja auch, dass neben allen komplizierten politischen Erklärungen ganz banale psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Die Beteiligten in den Ministerien usw. waren einfach stur und unfähig, Fehler einzusehen, vielleicht einfach nur bockig. Mein Eindruck ist, dass es oft unsere falsche Autoritätsgläubigkeit ist, wenn wir versuchen, Menschen wie Steinmeier und seinen höchsten Mitarbeitern differenziertere Motive zu unterstellen. Gerade in so einem Fall einer Einzelperson handeln die vielleicht in Wirklichkeit viel kindischer, als wir uns das ausmalen mögen.

Die CIA hat angeblich für Ronald Reagan kleine Comics gezeichnet, wenn sie ihm kompliziertere Zusammenhänge verdeutlichten wollten. Ich glaube nicht, dass Spitzenpolitiker und -beamte hierzulande prinzipiell völlig anders gestrickt sind. Man kommt in solche Positionen ja nur, wenn man gewisse soziale und/oder intellektuelle Defizite hat – erst Recht in den Mühlen der Sozialdemokratie (so meine Erfahrung als ehemaliges Mitglied des Juso-Landesvorstands).

Steinmeier muss weg!

Darius 2.55 Uhr Filed under: Alles und nichts

Wieder mal so ein Tag, an dem einem nur übel werden kann von der deutschen Politik! Wie die Süddeutsche Zeitung – die unverständlicher Weise dennoch den Hauptaufmacher dem lächerlichen Gezänk einiger unsympathischer Gestalten in Bayern widmet, die sich um die Nachfolge ihres Anführers streiten – in vier Artikeln der Freitagsausgabe detailliert berichtet, ist der amtierende Außenminister Deutschlands mitverantwortlich dafür, dass ein erwiesenermaßen unschuldiger Mann fünf Jahre im menschen- und völkerrechtswidrigen US-Folterknast in der Bucht von Guantánamo verbringen musste.
Nach dem Bericht der SZ waren deutsche »Sicherheitsexperten« bereits am 8. Oktober 2002 im Lager bei Guantánamo und seien zu dem Ergebnis gekommen, der in Pakistan – vermutlich gegen eine Kopfprämie von 5000 Dollar, wie gestern berichtet wurde – festgenommene Bremer Murat Kurnaz sei »wegen seiner Naivität in diese Lage gekommen«, auch gebe es »keine Hinweise auf eine verinnerlichte islamistische Ideologie«.
Glück für ihn? Nein. Als die USA die Abschiebung Kurnaz‹ nach Deutschland anbieten, plädiert am 29. Oktober 2002 der BND (der damals dem heutigen Innen-Staatssekretär August Hanning unterstand) dafür, dem eigentlich in Bremen lebenden Murat Kurnaz die Einreise nach Deutschland zu verweigern. Das Kanzleramt (damals unter Leitung des jetzigen Außenministers Frank-Walter Steinmeier) und Otto Schilys berüchtigtes Innenministerium stimmen zu.
Am folgenden Tag wird im Innenministerium ein perfider Plan bis ins Detail ausgearbeitet, wie Murat Kurnaz, der eigentlich eine gültige Aufenthaltserlaubnis für Deutschland besitzt, an der Rückkehr nach Bremen gehindert werden kann. Dazu soll die Stadt Bremen – notfalls in einer beispiellosen Weise per Anordnung aus dem Innenministerium – gedrängt werden, Kurnaz‹ Aufenthaltsgenehmigung für ungültig zu erklären. Um befürchteten unbequemen Nachfragen der Presse zu begegnen, soll zugleich ein Konstrukt parat gelegt werden, demnach Kurnaz‹ Anwalt dafür verantwortlich wäre, weil er keine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung beantragt hätte, nachdem Kurnaz länger als sechs Monate im Ausland gewesen ist – an Zynismus wohl kaum zu überbieten. Weil aber die USA noch in Besitz von Kurnaz‹ Papieren samt der Aufenthaltsgenehmigung sind, schlägt Schilys Ministerium vor, die deutsche Botschaft solle Kurnaz‹ Ausweis von den USA erbitten, damit dann die Genehmigung vernichtet werden kann. Steinmeiers Kanzleramt ist einverstanden.
Zehn Tage später machen die USA nochmals deutlich, dass sie Kurnaz freilassen wollen. Doch die Vertreter der BRD interessiert dessen Unschuld offensichtlich einen Dreck. Daran ändern die im Laufe des Jahres 2004 zunehmenden Berichte (z.B. ein Bericht der New York Times von Anfang Oktober 2004 auf Grundlage von Aussagen von Wach- und Geheimdienstleuten) von Misshandlungen und Folter im »Camp Delta« eben so wenig, wie die fortbestehende internationale Kritik an dem Lager, in dem den Gefangenen selbst der erbärmliche Schutz des Status von Kriegsgefangenen nach der Dritten Genfer Konvention verwehrt wird.
Unterdessen wird Kurnaz‹ Anwalt weiterhin vorgegaukelt, das Problem liege bei der amerikanischen Seite. »Da die Indizien aus Sicht der Anwälte dünn scheinen, könnte nach ihrer Hoffnung eine Entlassung schon bald nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen Anfang November erfolgen.«, berichtet z.B. die FAZ im Oktober 2004.
Noch am 26. Oktober 2005, berichtet weiter die gestrige SZ, heißt es in einem Vermerk des Auswärtigen Amtes:

Die Frage der Zulassung der Wiedereinreise von Kurnaz war laut Bundesinnenministerium und dem Chef des Bundeskanzleramtes bereits mehrfach Gegenstand der nachrichtendienstlichen Lage. Dort sei auch mit dem Auswärtigen Amt Übereinstimmung erzielt worden, eine Wiedereinreise des K. nicht zuzulassen.

Der genannte Chef des Bundeskanzleramts ist, wie gesagt, der heutige Außenminister Steinmeier.
Auch als am 30. November 2005 ein Gericht die Aufhebung der Aufenthaltserlaubnis für Murat Kurnaz für ungültig erklärt, bekämpfen die Schergen in den Ministerien Kurnaz‹ Rückkehr weiter. Per E-Mail teilt das Auswärtige Amt der deutschen Botschaft in Washington mit:

Das Bundesinnenministerium lege intern und vertraulich Wert auf die Feststellung, dass dies nicht bedeute, dass man Kurnaz hier deshalb nun unbedingt gern haben würde.

Kurz vor Weihnachten 2005 behauptet das Kanzleramt in einem Brief an Kurnaz‹ Anwalt schließlich:

Die Bundesregierung hat sich aus humanitären Gründen mehrfach gegenüber den US-Behörden für Herrn Kurnaz eingesetzt.

Tatsächlich kommt es wohl erst bei Merkels Treffen mit Bush im Sommer 2006 zu Fortschritten. Was genau geschah, wissen wir nicht. Ob Frau Merkel den Herrn Bush gefragt hat, warum er denn den armen Herrn Kurnaz nicht freilässt? Und niemand hatte ihr gesagt, dass ausnahmsweise mal nicht die Halunken aus Ãœbersee dahinter stecken, sondern ihr eigener Außenminister? Wie auch immer, Kurnaz‹ Anwalt rechnet es der Kanzlerin an, dass sein Mandant im letzten August dann endlich frei kam.
Seinen Kommentar (»Unschuldig – na und?«) zu den nun aufgedeckten Dimensionen des Skandals schließt Hans Leyendecker in der SZ mit der klaren Ansage:

Und nun sollten Konsequenzen folgen. Minister und auch Kanzleramtschefs haften für ihren Apparat – nicht juristisch, aber politisch.

Auch die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke fordert jetzt in der Jungen Welt völlig zu Recht den Rücktritt Steinmeiers:

Eine Beteiligung am völkerrechtswidrigen und verbrecherischen Irak-Krieg von Bush und Blair lehnten Gerhard Schröder (SPD) und Joseph Fischer (Grüne) scheinbar ab – zugleich schickten sie heimlich Agenten des Bundesnachrichtendienstes nach Bagdad, die den USA kriegswichtige Hinweise lieferten. Verantwortlich dafür war auch Steinmeier als damaliger Chef des Kanzleramtes. Alleine die Täuschung der Öffentlichkeit über die Kriegsbeteiligung disqualifiziert ihn für die Leitung des Auswärtigen Amtes.
Vollends unhaltbar ist Steinmeiers Position aber für jeden, der die Schilderung von Murat Kurnaz über Gefangenschaft und Folter durch US-Soldaten gehört hat. […] Jeder, der eine Chance hatte, Kurnaz von dort frei zu bekommen, hätte sie nutzen müssen. […] Er mußte noch bis Sommer 2006 unter Folter und Lebensgefahr in Guantánamo einsitzen, er verlor seine Jugend, seine Ehe zerbrach, er ist schwer traumatisiert.
Steinmeier kann sich der Verantwortung hierfür nicht entziehen. Er muß zurücktreten, wenn er noch einen Funken Anstand besitzt.

Mittwoch, 17. Januar 2007

Noch Fragen?

Darius 0.03 Uhr Filed under: Alles gesagt

Denn darüber, dass Wolf Biermann jede patriotische Auszeichnung verdient, kann überhaupt kein Zweifel bestehen.

(Süddeutsche Zeitung, 16.1.2007, S. 11)

Sonntag, 14. Januar 2007

Keine Ehrung für Kriegsherren!

Darius 16.40 Uhr Filed under: Opium des Volkes

Kein Karlspreis an Solana!Auch wenn mir natürlich klar ist, dass die Verleihung des Karlspreises an Javier Solana in der Tradition und Zielsetzung des Karlspreises eigentlich nur konsequent ist, möchten wir doch ein bis ins bürgerliche Milieu hinein wirkendes Zeichen gegen diese öffentliche Ehrung eines Militärpolitikers setzen. Dazu ist für Ende März eine Anzeige im Mantelteil der beiden Lokalzeitungen geplant. Mit dem Text bin ich (wegen der Bezugnahme auf den Volksbegriff) nicht 100% glücklich, aber er ist nunmal das Ergebnis von Kompromissen, und ich bin der Meinung, dass diese Aktion breite Unterstützung erhalten sollte. Alles weitere unter kein-karlspreis-an-solana.de.

Gershwin-Fanatismus

Darius 16.20 Uhr Filed under: Musikonsumusik

Für Gershwin-Fans hat Arte laut Prisma-Online ein besonderes Schmankerl parat: Das Musical »Ein süßer Fratz« (»Funny Face«). Bei genauerer Betrachtung ist das Aufgebot an Mitwirkenden jedoch nicht ganz so groß. Dass der Filmproduzent auch einen Teil der Musik verantwortet, mag bei einem Musical nicht verwundern, meinetwegen kann auch der Drehbuchautor Musik beisteuern (beim Million Dollar Hotel lieferte Bono ja auch beides, und das war nicht einmal ein Musical), aber einige haben sich wohl etwas zu oft in die Credits geschmuggelt…

Musical, USA 1957, Regie: Stanley Donen, Buch: Leonard Gershe, Kamera: Ray June, Musik: Ira Gershwin et George Gershwin, George Gershwin und Ira Gershwin, George Gershwin, Ira Gershwin, Roger Edens und Leonard Gershe, Produzent: Roger Edens. Mit: Audrey Hepburn, Fred Astaire, Kay Thompson, Michel Auclair, Robert Flemyng, Robert Fleming, Dovima, Virginia Gibson, Sue England, Ruta Lee, Alex Gerry, Iphigenie Castiglioni, Geneviève Aumont.

Dienstag, 2. Januar 2007

Spezialdetektiv im Gingerbierrausch

Darius 4.03 Uhr Filed under: Medienschelte

Ich habe zu Weihnachten eine Hörspielfassung von Hunter S. Thompsons »Fear And Loathing in Las Vegas« verschenkt. Die Sprecher – Martin Semmelrogge, Smudo und Günter Amendt – geben sich Mühe, und insbesondere Semmelrogge bringt die Story gut rüber. Unverständlich ist mir aber, warum niemandem bei dieser Produktion aufgefallen ist, wie schlecht die Ãœbersetzung ist.

Dass Günter Amendt Grapefruit nicht aussprechen kann, ist nicht schlimm, auch wenn man ihm mit dem Wort Pampelmuse hätte helfen können. Dass von einer Polarbärenshow die Rede ist statt einer mit Eisbären, ist auch unwichtig.

Ohne den englischen Text zu kennen, war mir aber klar, dass gewiss nicht – wie es in dieser deutschen Fassung heißt – von einem »Gingerbier« erzählt wird (auch keinem Ingwerbier, was immerhin etwas besser hinkäme), sondern von der auch hierzulande unter dem Namen Ginger Ale vertriebenen Ingwerlimonade. Nur so ergibt die Passage Sinn, denn das Ginger Ale wird erwähnt, gerade weil es kein wirkliches Bier ist und keinen Alkohol enthält.

Unlogisch ist auch die Passage, in der es um eine Polizeikonferenz geht, auf der sich der Protagonist als »Privatdetektiv« ausgibt, um unter lauter Polizisten nicht aufzufallen. Was aber hätte ein Privatdetektiv auf einer Tagung der Polizeifunktionäre zu suchen? Etwas später ist statt dessen von einem »Spezialdetektiv« die Rede. Vermutlich steht im Originaltext »Special Agent«. Kann man da Sonderermittler sagen? Das wäre wohl allemal passender als Privat- oder Spezialdetektiv…

FingertierKomisch jedenfalls, dass ein so bekanntes und ja groß verfilmtes Buch in so schlampiger Ãœbersetzung als Hörbuch rausgebracht wird. Vielleicht ist es aber auch kein Zufall, dass der Verlag, in dem die deutsche Ausgabe des Buches erschien, auch die deutsche Ausgabe von Douglas Adams‹ Last Chance to See (Die letzten ihrer Art) im Programm hat. Dort heißt es vom Fingertier, es habe »a tail like a large ostrich feather«, übersetzt als »eine straußenfederähnliche Taille«, was ein noch viel bizarreres Tier ergäbe, wäre denn nicht in Wirklichkeit der Schwanz gemeint, der wie eine große Straußenfeder aussieht. Leider weiß das Buch zwar von aussterbenden Lemuren zu berichten, vom Aussterben der Lektoren muss man jedoch zwischen den Zeilen lesen…