Mittwoch, 20. Dezember 2006

Parken gegen Bayern

Darius 1.48 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Es soll in dieser Stadt Leute geben, die spielen Fußball mitunter gegen den HSV und Bayern München. Natürlich tun sie das nicht kostenlos, es ist ihr Job. Jetzt hat man sich offenbar eine neue Methode ausgedacht, wie sich auch die, die nicht mit fußballspielen, gegen den HSV und Bayern einbringen können – wenn auch unbezahlt:

Kostenloses Parken gegen HSV und Bayern

Allerdings verstehe ich nicht, was es gegen Hamburger und Münchener nützen soll, sein Auto ganz ordentlich auf einen Parkplatz zu stellen. Nachvollziehbar wäre doch eher eine Blockade nach der Devise »Falsch Parken gegen HSV und Bayern«. – Morgen (bzw. heute) Abend werden wir sehen, ob das Parken so etwas genützt hat.

Transsexuelle Imbissbude

»Du bist doch sonst nicht so konservativ!« – Neuerdings nennen mich ja Leute, die sich selbst für die linke Avantgarde halten, konservativ, weil ich doch als Linker tatsächlich von Aspekten des Denkmalschutzes sprach, als es um den Aachener Katschhof ging. Da behaupten grüne und linksparteiliche Ratsherren, mich zu kennen. (Bin ich sonst nicht so? Immerhin wohne ich nicht zufällig in einem denkmalgeschützten alten Bruchsteinhaus.) Tatsächlich finde ich diese Beschreibung aus der wahrlich nicht gerade linken FAZ ganz treffend:

Der Schweizer Städtebauer Carl Fingerhuth als Vorsitzender der Jury sprach gar von einer »Bühne, wie es sie so auf der Welt noch nicht gibt«, und prophezeite, der am Katschhof geplante Bau werde »in fünfzig Jahren selbst zum Weltkulturerbe [wie der Aachener Dom] gehören.« Wäre er doch, wie Baudezernentin Gisela Nacken inzwischen nachlegte die »Krönung für unsere Innenstadt«.
Geht’s nicht ein bißchen kleiner? Bereits der Name provoziert diese Frage: »Bauhaus Europa« – damit betreibt die Stadt, in der Ludwig Mies van der Rohe geboren (aber erst 2005 eine Gesellschaft nach ihm benannt) wurde, eine andere Form der Markenpiraterie. Der Zusatz »Europa« erfolgte, weil es für »Europa« Fördermittel gibt. (FAZ v. 8.12.2006)

In meiner Straße gibt es alle hundert Meter eine Imbissbude. Die nächste von ihnen ist nur ein paar Häuser entfernt und im Sommer viel zu deutlich von meinem Balkon aus zu riechen. Vor wenigen Tagen muss es gewesen sein – vielleicht an ihrem Namenstag? – da hat diese Imbissbude eine Geschlechtsumwandlung vollzogen. Jetzt, wo ich ja ohnehin konservativ bin, kann ich mich ja über sowas wundern.

Also tatsächlich – da bin ich sicher nicht konservativ – ist mir völlig egal, zu welchem Geschlecht sich gerade jemand hingezogen und in welchem er oder sie sich richtig aufgehoben fühlt. Transsexualität bei Imbissbuden ist mir allerdings ein völlig neues, doch unübersehbares Phänomen: »Mr. Nik« heißt jetzt »Misses Nick«. Nun denn: wenn sie sich wohler so fühlt, soll das mal so sein.

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Bauernweisheiten

Darius 19.17 Uhr Filed under: Medienschelte

Schön, dass es unsere Freunde und Helfer gibt. Dass sie sogar unaufgefordert Benzinspartipps geben, wie der Nachrichtenseite eines hiesigen Lokalsenders zu entnehmen ist, mag ja sogar halbwegs in ihr Ressort gehören:

Mit den Worten, »da hat der diesmal aber viel gebraucht« bezahlte der Autofahrer und fuhr rasant von davon – Nicht gerade günstig für den Spritverbrauch, so die Polizei.

Dort sind aber auch wichtige grüne Hinweise wie dieser zu lesen:

laut Polizei mache Kleinvieh auch Mist

Wie gut, dass man sich bei derlei Bauernweisheiten jetzt auf die Polizei berufen kann. Würde ein Journalist von sich aus solche abgedroschenen Floskeln verwenden, wirkte es doch etwas dürftig. Aber mit staatlicher Autorität macht’s doch noch was her…

Montag, 11. Dezember 2006

Bauhaus ist wieder eine Kunst- und Architekturschule, eine britische Band usw…

Darius 0.55 Uhr Filed under: Bauhaus Europa

Aachen. Es ist 19.12 Uhr im Krönungssaal des Rathauses, nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo eigentlich das »Bauhaus Europa« gebaut werden soll. Plötzlich brandet Jubel auf, die Gegner des 31-Millionen-Projekts liegen sich in den Armen, stimmen Lieder an, tragen ihren Sprecher Darius Dunker auf den Schultern. [...] »Das Ergebnis ist überwältigend«, sagt Darius Dunker in jedes der vielen Mikrofone, die ihm entgegengehalten werden. Küsschen gibt es für ihn von seinen Mitstreitern, Blumensträuße, Umarmungen. Und der junge Mann blickt schon einmal in die Zukunft: »Mit uns wird es nichts geben, was an den Bürgern vorbei geplant wird.« Mehr Bürgernähe sei seitens der Politik nötig – dieser Maßstab gelte auch für Projekte wie das »Haus für Musik«. […]

weiter bei der AZ… 

Samstag, 9. Dezember 2006

Neutralität

Darius 23.32 Uhr Filed under: Bauhaus Europa

Auch wenn den Rat und den ihn repräsentierenden Bürger- bzw. Oberbürgermeister kein Neutralitätsgebot trifft, diese sogar im Gegenteil nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet sind, die Bevölkerung im Zusammenhang mit Bürgerentscheiden auch über die Position der gewählten Volksvertretung aufzuklären, um eine sachgerechte Stimmabgabe zu ermöglichen, sind sie dennoch in ihren Äußerungen nicht vollständig frei. In amtlicher Eigenschaft abgegebene Äußerungen müssen vielmehr sachlich, also weder bewußt irreführend, falsch oder ausschließlich polemisch sein. […]

Unbeschadet der Tatsache, dass der Oberbürgermeister als Vertreter und Repräsentant des Rates somit nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet ist, die Bürger über die von diesem hinsichtlich des Bürgerentscheids eingenommene Haltung zu informieren, ist er zugleich auch gehalten, bei dieser Information das Sachlichkeitsgebot zu wahren und jeden Anschein einer unzulässigen, die Entscheidungsfreiheit der Bürger tangierenden Einflussnahme zu vermeiden. Diese Verpflichtung ergibt sich nicht nur aus der Tatsache, dass er […] die Stellung eines Wahl- bzw. Abstimmungsleiters einnimmt, die ihn zu Zurückhaltung im Hinblick auf den Wahl- bzw. Abstimmungsvorgang verpflichtet. Der von der Gesamtheit der Bürger gewählte Oberbürgermeister ist neben seiner Stellung als Repräsentant des Rates zugleich auch Repräsentant der gesamten Gemeinde und ihrer Bürger, zu denen auch die Initiatoren des Bürgerbegehrens gehören. […]

Denn [es] wäre die Versendung des ursprünglich geplanten Begleitschreibens des Oberbürgermeisters der Antragsgegnerin aus der Sicht der Kammer durchgreifenden rechtlichen Bedenken begegnet. Zwar ist es auch nach Auffassung der Kammer und unter Zugrundelegung der dargelegten Grundsätze nicht zu beanstanden, dass der Oberbürgermeister ein entsprechendes Begleitschreiben an die Bürger der Stadt richtet. Bei der Abfassung des Schreibens ist jedoch – wie ausgeführt – der besonderen Stellung des Oberbürgermeisters Rechnung zu tragen. […] Nach Auffassung der Kammer enthielt das Schreiben nämlich ungeachtet der Tatsache, dass am Ende auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Stimmabgabe hingewiesen wurde, nicht nur eine eindeutige Empfehlung des Oberbürgermeisters für die Stimmabgabe mit »nein«, sondern auch sprachliche Formulierungen, die nicht mit der dargelegten Pflicht des Oberbürgermeisters zur besonderen Sachlichkeit zu vereinbaren gewesen wären, die dieser in seiner Funktion als Repräsentant der gesamten Gemeinde und Abstimmungsleiter hier zu beachten hatte.

Verwaltungsgericht Köln, 2003

Donnerstag, 7. Dezember 2006

Riesen

Darius 21.52 Uhr Filed under: Bauhaus Europa

Ich bin in den vergangenen Tagen x-mal gefragt worden, was ich glaube, wie der Bürgerentscheid ausgeht, zuletzt heute Abend von einem Redakteur der Aachener Nachrichten. Auf der Homepage der Aachener Grünen gab es mal eine Umfrage, demnach waren trotz begleitender Werbung für die andere Meinung rund 97% gegen das Bauhaus:

Grüne Umfrage

Leider wurde die Umfrage kommentarlos gelöscht. Auch die SMS-Umfrage der Aachener Nachrichten, bei der 66% gegen das Bauhaus waren, ist nicht mehr online.
Da es seit Monaten allerlei solchen Schmarrn aber keine halbwegs repräsentative Umfrage dazu gegeben hat, ist das Ergebnis der entscheidenden Abstimmung natürlich schwer zu prognostizieren. Also Kaffeesatz lesen oder Leute fragen, die ohne der einen oder anderen Position verdächtig zu sein, viele Gespräche mitbekommen. Der Wirt meines Vertrauens sagt, fast alle seine Gäste seien dagegen. Umso spannender, dass jetzt zwei Tage vor der Abstimmung die Aachener Nachrichten Ergebnisse einer

Riesenumfrage zum Bürgerentscheid

präsentieren. Von den Befragten sind 48% für den Verzicht auf das Bauhaus, 33% wollen den Schuppen und 19% sind noch unentschieden. Leider entpuppt die Umfrage bei genauerem Hinsehen als nicht ganz so riesig: 25 Leute wurden befragt, und auch wenn diese zusammen laut Bericht auf immerhin 27 Meinungen kommen, ist das wohl doch noch weit entfernt von etwas Aussagekräftigem. Es hilft nichts, die Leute müssen an die Urnen…

Montag, 4. Dezember 2006

The L-Word

Darius 0.35 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Blindes Vertrauen in die Technik ist zwei Aachener Krankenwagenfahrern zum Verhängnis geworden. Weil sie sich auf ihr Navigationssystem verließen, brauchten die Sanitäter Stunden, bis sie ihren Patienten in der richtigen Klinik ablieferten. Eigentlich sollte die Fahrt 20 Minuten dauern.
Die Ambulanz wurde von dem Gerät versehentlich bis ins 60 Kilometer entfernte Lüttich geschickt, obwohl der Patient eigentlich nur von der Itertal-Klinik im Aachener Süden ins innerstädtische Luisenhospital gebracht werden sollte. Statt 20 Minuten dauerte die Fahrt knapp zwei Stunden.
Die Gesundheitsbehörden erklärten den Fehler damit, dass das Satellitensystem die Klinik mit dem Namen Luisenhospital nicht erkannt habe und den Wagen nach Lüttich geleitet habe, alphabetisch das nächstgelegene Ziel. Die Krankenwagen-Besatzung habe sich zunächst blind auf die Angaben verlassen und erst mit viel Verspätung den Fehler bemerkt – als sie die Stadtgrenze von Lüttich passierten. Warum ihnen die Marathonfahrt nicht schon vorher seltsam vorkam, wollte der Sprecher nicht sagen.
Der Patient kam trotzdem wohlbehalten an: Er hatte die meiste Zeit geschlafen.

Nicht zu glauben? Soll aber annähernd so passiert sein.

Samstag, 2. Dezember 2006

Aachener Grüne Schlusslicht der Ökopartei?

Darius 18.28 Uhr Filed under: Bauhaus Europa

»Energiesparen muss für uns nicht immer im Vordergrund stehen. Ihr Bild von den Grünen ist wohl etwas eindimensional.«

(Roland Jahn, Sprecher der Fraktion Die Grünen im Aachener Stadtrat, sinngemäß auf meine Frage, warum Umweltaspekte beim Wettbewerb für das »Bauhaus Europa« keine Rolle spielten.)

»Wir sind doch keine Fröschepartei!«

(Günter Schabram, Ratsherr der Grünen im Aachener Stadtrat, auf meine bekundete Verwunderung, dass für die Aachener Grünen Umweltschutz offenbar nicht immer von zentraler Bedeutung ist.)

»Bündnis 90/Die Grünen werden als Partei der Ökologie den Klimaschutz konsequent in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen und alle Politikfelder systematisch an diesem Ziel ausrichten« (…) »Vorfahrt für Energieeinsparung«

(mit großer Mehrheit am 2.12. verabschiedeter Leitantrag zur Umweltpolitik auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Köln)