Donnerstag, 12. Oktober 2006

Danke, »Bild«!

Darius 0.28 Uhr Filed under: MedienschelteSegnungen des Kapitalismus

Danke, Bildzeitung, dass du die Werbekampagne, bei der du einige intelligente Köpfe für dein jede Intelligenz beleidigendes Blatt instrumentalisiertest, vorerst eingestellt hast und dich auf deine eigentliche Kernkompetenz zurückbesinnst::

Ja, meine Brüste sind gemacht

Logisch zwingend ist es zwar nicht, dass – der Untertitel der Werbung wurde beibehalten – dies eine Wahrheit wäre, die jemanden bräuchte, der sie ausspräche, aber Logik ist nicht nur in deiner Werbung ja kein Argument.

Ich hatte erwartet, dass Du, Bildzeitung, in der nächsten Runde der Kampagne »Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht«, noch eine Runde nachlegst. Oh wie hätten wir Linken geschimpft, wenn du z.B. das Plakat »Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden« / Rosa Luxemburg gebracht hättest. Aber dazu warst du dann doch zu feige. Stattdessen jetzt also

Papa, ich bin schwul. – Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. – BILD

Also wenn eins klar ist, dann dass Bild sicher der falscheste Ort ist, um Papa erfahren zu lassen, dass mann schwul ist. Wenn schon, aber ihr seid eben nicht originell, dann hätte der Spruch ohnehin heißen müssen »Ich bin schwul und das ist gut so.«

Montag, 2. Oktober 2006

Studie belegt Realitätsnähe von Kinderliteratur

Darius 0.19 Uhr Filed under: MedienschelteSegnungen des Kapitalismus

In einer umfangreichen Studie aus dem vergangenen Jahr wird die Realitätsnähe der Kinderbuchserien Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg ausführlich dokumentiert:

Der Staat bzw. die Politik (im engeren Sinne) wird in den Hörspielen vornehmlich durch den Bürgermeister repräsentiert […] Er tritt in der Regel nur als »der Bürgermeister« in Erscheinung und ist allzu oft der Gegenspieler von Benjamin bzw. Bibi. In Neustadt ist er (auch wenn er selbst vom Gegenteil überzeugt ist) nicht sonderlich beliebt. […] Stattdessen plant er Dinge, die – vielleicht außer wenigen profitgierigen Wirtschaftsvertretern – niemand braucht bzw. haben möchte und die zudem umweltschädlich sowie kostspielig sind. […] Er ist grundsätzlich nicht am Wohl der Bürger, sondern nur an dem von ihm definierten Wohl der Stadt, vor allem aber an seinem eigenen Wohl interessiert. […] er ist stets auf der Suche nach neuen Einnahmequellen […] um das Rathaus zu renovieren, sein Büro zu vergrößern, einen neuen Dienstwagen […] zu kaufen[…]

Aber auch

Die Wirtschaft wird durch Herrn Schmeichler sowie durch verschiedene andere Akteure, wie z.B. Ulrich Umsatz oder Bankdirektoren, repräsentiert […]. Ihnen gemeinsam ist, dass ihnen Geld sehr viel bedeutet und ihnen beinahe jeder Weg recht ist, um an Geld zu kommen. Herr Schmeichler, der als »Baulöwe« oder »Immobilienhai« bezeichnet wird und für den ein Sparbuch »der erste Schritt zur Menschwerdung [ist]«, schreckt zum Beispiel nicht davor zurück, andere auszunutzen oder zu betrügen […]. Sein Name ist Programm: Er heuchelt, lügt und betrügt, um seinen Nutzen zu maximieren.

So viel Realitätsnähe kann natürlich für Kinder nicht gut sein, und darum warnt auch die Bundeszentrale für propagandistische politische Bildung eindringlich davor:

Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat »wertvoll«:

Zumindest, wenn Politkwissenschaft heißt, aus der Sicht der Politik Wissen zu schaffen.