Sonntag, 17. September 2006

Quittung für die Berliner Hardliner

Darius 19.21 Uhr Filed under: Was geht ab

Neun Prozentpunkte weniger, wahrscheinlich deutlich über ein Drittel der Stimmen verloren – niemand wird wohl behaupten können, der Kurs der Berliner Linkspartei (PDS) wäre bei dieser Wahl bestätigt worden. Von der Unzufriedenheit konnte aber auch die Berliner WASG nicht in dem Maße profitieren, wie sie es erhofft hatte. Ihr schreibt man in ersten Fernsehkommentaren schon jetzt von Seiten der Berliner Linkspartei die Schuld für das schlechte Ergebnis der Linkspartei zu:

Für den Berliner Linkspartei-Vorsitzenden Stefan Liebich ist das Ergebnis auf die Auseinandersetzungen zwischen Linkspartei und WASG in der Stadt zurückzuführen. […] Die WASG habe ihr Ziel, »uns zu schwächen«, erreicht. (RBB)

Ich halte davon nichts (bzw. solche Aussagen für eine unglaubliche Dreistigkeit). Für ihr schlechtes Ergebnis ist jede der Parteien selbst verantwortlich: die Linkspartei, weil sie bis zur Unkenntlichkeit linke Politik zugunsten einer so genannten »Regierungsfähigkeit« aufgegeben hat, die WASG, weil sie mit einer protoreligiösen Politsekte am Ruder einen Kurs ins politische Abseits angesteuert hat. Beide waren sich seit vielen Monaten einig, dass sie jeweils nicht über den eigenen Schatten springen würden, um die Vision einer starken gemeinsamen Linken zu verwirklichen, mit der man bei der Bundestagswahl noch WählerInnen hatte begeistern können. Die Vision einer Linken, die konsequent gegen Sozialabbau, Arbeitsplatzvernichtung, Privatisierung und Militarisierung ist, ohne in die ach so verständlichen Träume von der besseren Welt in nachrevolutionärer Zeit zu verfallen (oder diese gar mit real erreichbaren diesseitigen Zielen zu verwechseln), diese Vision wurde von Linkspartei und WASG in Berlin nicht verfolgt. Zu hoffen ist nun, dass die extremen, bewegungsunfähigen Flügel des Parteibildungsprozesses verstehen, welche Quittung sie da bekommen haben.

Battle of Extensions: Colorzilla vs. Adblock

Darius 17.30 Uhr Filed under: My WebLab

Gestern habe ich endlich die neue Firefox-Version aufgespielt und wie üblich gleich die Erweiterungen aktualisieren lassen. Leider scheint es jetzt eine Inkompatibilität zwischen den Erweiterungen ColorZilla und sowohl Adblock als auch Adblock Plus zu geben.
Bei Verwendung von ColorZilla verweigern sowohl Adblock (»Adblock is not yet enabled: Make sure the bowser is located on a write-accessible disk.«) als auch Adblock Plus den Dienst und Firefox startet oft nicht korrekt. Wird ColorZilla deaktiviert, dann funktioniert alles. Schade, denn vorher kamen die sich nicht in die Quere und auf beide möchte ich nicht verzichten.

Meine Umgebung:

  • Mozilla/5.0 (X11; U; Linux i686; de; rv:1.8.0.7) Gecko/20060911 SUSE/1.5.0.7-0.1 Firefox/1.5.0.7
  • ColorZilla 0.8.3.1
  • Adblock 0.5.3.043

Das Problem beschreibt auch jemand unter Gentoo Linux. Leider verstehe ich weit weniger als er davon.

Update: Leider gibt es immer noch keine neue Version von ColorZilla. Da ColorZilla nicht in Firefox 2.0 funktioniert, hat sich das o.g. Problem erübrigt. Schade aber, dass es keinen ColorZilla für FF2 gibt.

Lose-Lose-Situation

Darius 16.31 Uhr Filed under: Was geht ab

Um es noch schnell vor den ersten Hochrechnungen zu sagen: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie die Berlin-Wahl ausgehen wird, und ich traue den Prognosen auch keinen Millimeter über den Weg. Die Bundestagswahl hatte bereits überdeutlich gezeigt, dass die Institute spätestens bei den kleinen Parteien völlig versagen. (Zur Erinnerung: Einige hatten schließlich bis zu unglaublichen 14% für die Linkspartei mit WASG-Unterstützung prognostiziert. Und wer das nicht hatte glauben können, behielt recht. Das reale Ergebnis war trotzdem respektabel: immerhin hatte die Linkspartei einen großen Sprung getan und die Grünen überrundet.)
Was ich aber zu prognostizierern wage: So oder so, Berlin wird rot. Entweder lebendrot oder blutrot. Achnee, ähm: so oder so, ich werde mich über das Ergebnis der Berliner WASG wohl kaum freuen können: Ist es ein gutes Ergebnis, dann steht zu befürchten, dass die Kräfte in der WASG erstarken, die den Aufbau ihrer Separatstrukturen in der Stuktur betreiben, statt eine starke vereinigte linke Linke durchsetzen zu wollen. Schneidet die WASG hingegen schlecht ab, so werden diejenigen triumphieren, die schon immer jede kritische Position zum Kurs der Berliner Linkspartei ablehnten. Leider sind in Aachen beide Flügel stark vertreten: einer in der WASG, die das Projekt einer gemeinsamen Linken weitgehend aufgegeben hat, und einer in der Linkspartei unter Führung eines ewigen Verteidigers der Politik der Berliner L.PDS. Muss man also hoffen, dass L.PDS und WASG beide schlecht abschneiden, damit die Parteien nochmal zur Besinnung kommen, bevor der Vereinigungsprozess in die letzte Runde geht?