Freitag, 27. Januar 2006

WASG verurteilt Arbeitsplatzvernichtung bei LG-Philips

Darius 17.11 Uhr Filed under: Segnungen des KapitalismusWas geht ab

Die Partei Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) der Stadt Aachen verurteilt die Vernichtung weiterer hunderter Arbeitsplätze bei LG-Philips in Aachen.

Wie den Beschäftigten erst heute mitgeteilt wurde, will LG-Philips nach dem Bildröhrenwerk nun auch die Glasfabrik in Aachen schließen. Seit Jahren hat Philips darauf verzichtet, neue moderne Produktionszweige im größeren Stil in Zentraleuropa aufzubauen, und statt dessen immer mehr Fertigungen in Billiglohnländer verlagert. Dabei hätte gerade Philips mit seinen relativ hochwertigeren Produkten in anspruchsvollem Design auf die Strategie setzen können, mit höherer Qualität und innovativen Produkten auch höhere Endpreise zu ermöglichen.

Nach der Aufgabe der Bildröhrenproduktion in Aachen ließ man stattdessen auch die Glasfabrik ausbluten. Gewerkschaftsvertreter hatten bereits 2002 vor der Schließung auch der Glasfabrik gewarnt, damals war von Seiten der Geschäftsführung aber abgewiegelt worden. Die heutige Insolvenzankündigung kommt insofern nicht völlig unerwartet, aber sehr plötzlich. Der Mutterkonzern hat offenbar das Ende von LG-Philips Displays in den Niederlanden und Deutschland besiegelt.

»Die Beschäftigten fühlen sich zu Recht im Stich gelassen,« meint Darius Dunker, Sprecher der WASG Stadt Aachen. Es gehe nicht an, dass sich europäische Konzerne immer weiter aus Europa zurückziehen und am ungehemmten Lohndumping teilnehmen. Die Partei, die den Kampf für Arbeit und soziale Gerechtigkeit im Namen trägt, unterstütze deshalb den entschiedenen Protest der Beschäftigten: »Aachenerinnen und Aachener haben seit den 1930er Jahren Aufstieg und Wachstum des Philips-Konzerns mit
ermöglicht«, so Dunker, »darum gilt auch für Philips, was Oskar Lafontaine dieser Tage den Arbeiterinnen und Arbeitern bei AEG sagte: ›Die Eigentümer dieses Betriebes sind nicht irgendwelche Leute, die vor 100 Jahren mal Kapital bereit gestellt haben, sondern die Eigentümer dieses Betriebes sind die Leute, die ihre Lebensarbeit in diesem Betrieb stecken haben.‹«

Auch Ratsherr Marc Treude, ebenfalls Mitglied der WASG, ruft zu Widerstand auf: »Bei der anstehenden Tarifrunde in der Metallindustrie und dem fortgesetzten Arbeitsplatzabbau großer Unternehmen, wie zum Beispiel Continental/Uniroyal, sind die Gewerkschaften jetzt gefordert, mit den Belegschaften gemeinsame Proteste zu organisieren!«

Die Situation von AEG in Nürnberg oder von Philips in Aachen und an anderen Standorten seien, so WASG-Sprecher Dunker, aber nur ein übler Vorgeschmack darauf, was in den nächsten Jahren noch massiver überall in Europa zu erwarten sei, wenn mit der so genannten Bolkestein-Richtlinie, die Mitte Februar im Europaparlament verabschiedet werden soll, dem innereuropäischen Lohndumping Tür und Tor geöffnet werde. Deshalb hoffe die WASG, dass auch viele Aachenerinnen und Aachener am 11. und 14. Februar mit nach Straßburg kommen und »mit aller Entschlossenheit gegen die neoliberale Zerschlagung unserer gesellschaftlichen Grundlagen« protestieren.

Darius Dunker
Sprecher der WASG Stadt Aachen

So ein Morgen…

Darius 14.25 Uhr Filed under: Was geht ab

Um vier Uhr aufgestanden. Von fünf bis halbsieben vorm Fabriktor gestanden und gerade mal 20 Arbeitern ein Flugblatt gegen die »Bolkestein-Richtlinie« in die Hand drücken können. Dann vorm Klinikum. Eiskalter Wind in Melaten. Die Cafeteria hat noch zu. Aber beachtlich: die Leute reißen sich geradezu danach, die Zettel in die Finger zu bekommen.

Dienstag, 17. Januar 2006

Volle Kraft voraus und Augen zu

Darius 16.28 Uhr Filed under: MedienschelteOpium des Volkes

Zum wiederholten Male gibt es eine groß angelegte Umfrage der »Perspektive Deutschland« von McKinsey, stern, ZDF und Web.de unter Schirmherrschaft Richard v. Weizsäckers.

Wie bei jeder gut manipulierten Umfrage wird vor Beginn der Befragung schonmal klargestellt, was rauskommen soll. Zum Geleit schreibt der ehemalige Bundespräsident auf der Titelseite:

»Wir müssen konsequent die begonnenen Reformen fortsetzen.«

In der Umfrage selbst wird dann z.B. gefragt:

Was meinen Sie zu folgenden Aussagen?

  • Nach der vorgezogenen Bundestagswahl wird sich der Reformprozess in Deutschland beschleunigen.
  • In den nächsten Jahren wird die Bereitschaft der Bevölkerung in Deutschland zunehmen, Reformen mitzutragen, auch wenn diese für den Einzelnen Nachteile mit sich bringen.
  • In den nächsten Jahren wird die Reformfähigkeit der Politik in Deutschland zunehmen.

Allerdings ist dann natürlich keine differenzierte Meinung vorgesehen, sondern man darf nur wählen zwischen Abstufungen von »Stimmt genau« bis »Stimmt gar nicht«. Auffällig, dass erstmal nur über die Zustimmung zu irgendwelchen Reformen gefragt wird, ohne dass gesagt wird, worin diese Reformen bestehen sollen.

Später kann man dann über so tolle Dinge abstimmen, wie »Sollten die sozialen Unterschiede in der Zukunft in Deutschland geringer oder größer als heute sein?«

Überhaupt nicht manipulativ ist auch die Frage »In welche Richtung sollte sich Deutschland Ihrer Meinung nach in Zukunft verändern, wenn es um den Lohn für Leistung geht?« mit Antworten von »Wer viel leistet, sollte viel weniger
belohnt werden als heute.« bis »Wer viel leistet, sollte viel stärker belohnt werden als heute.«

Schließlich gipfelt es in einer Gegenüberstellung von »Modell A« und »Modell B«, wobei A wohl das sozialstaatliche und B das kapitalistisch entfesselte sein soll, und A verbunden wird mit »Steuern und Abgaben sind viel höher als heute«, »Wer viel leistet, wird dafür viel weniger belohnt als heute.« und »Die Gesellschaft verändert sich viel langsamer als heute.«, und nachgeschoben wird dann eine weitere Frage, in der behauptet wird, bei A gehe es auch der Wirtschaft schlechter, ob man dann immer noch dafür sei?

Später wird man gefragt, welche Form von Verschlechterung man gerne für einen
auf drei Jahre (!) sicheren Arbeitsplatz in Kauf nähme:

  • … mich auf eine andere Tätigkeit bei demselben Arbeitgeber umschulen zu lassen.
  • … in eine andere Region umzuziehen, die mehr als 100 km von meinem derzeitigen Wohnort entfernt ist.
  • … je nach Auftragslage mal mehr, mal weniger Stunden pro Woche zu arbeiten.
  • … nur am Wochenende zu Hause zu sein.
  • … auf 10% meines Gehalts zu verzichten.
  • … vier Stunden in der Woche ohne Mehrbezahlung länger zu arbeiten.
  • … zwei Stunden täglich zu pendeln.
  • … auf fünf Urlaubstage zu verzichten.

usw. usf.

Jedenfalls scheint mir der wissenschaftliche Ertrag durch eine so suggestive Umfrage sehr gering zu sein, denn ein Großteil der Fragen lässt sich z.B. nicht klar so beantworten, dass man für Veränderungen, aber im Sinne von mehr sozialer Gerechtigkeit sei usw. Oder die Frage, ob man für schnellere oder langsamere gesellschaftliche Veränderung sei, ist ja wohl erheblich vom nicht zur Debatte gestellten Aspekt abhängig, wohin die Veränderung denn gehen soll.

Der Sinn der Umfrage scheint mir vielmehr zu sein, dass man über den geschickt aufgebauten Fragenkatalog immer mehr in das Denken der Sachzwänge und nicht definierten Reformnotwendigkeiten hineingeführt wird. Etwa, dass es eben notwendig sei, für drei Jahre Arbeitsplatzsicherung erhebliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Die zugelassene Frage ist ja nur, welche denn.

Etwa 500.000 Menschen sollen sich im vergangenen Jahr mehr oder weniger freiwillig dieser Gehirnwäsche unterzogen haben. Für die Teilnahme wird mit Prämien (5 ? Buchgutschein über Ciao.de) und Verlosungen geworben, nach dem Schneeballprinzip soll man schließlich noch weitere Menschen zur Teilnahme beschwatzen, um seine Chancen bei der Verlosung zu verbessern.

Mehr dazu:

Montag, 16. Januar 2006

Zeigt her eure Füße

Fernsehserien wie CSI sind wahrscheinlich auch deshalb relativ beliebt, weil sie das Handwerkliche der Ermittlungsarbeit betonen und dabei einen Eindruck von Realitätsnähe vermitteln wollen. Und bei so mancher Recherche gelingt es dann sogar, allgemeine Erkenntnisse zu vermitteln, die über den Zusammenhang des gespielten Kriminalfalls weit hinausweisen. Vor zwei Wochen etwa (genauer: am 4.1.) wusste eine Ermittlerin angesichts eines Knochenfundes zu berichten:

»Füße von Schweinen oder Schafen sind nicht viel anders als unsere.«

Es soll Menschen geben, die ihre eigenen Füße nur selten sehen. Mag sein, dass diese sich auch für Paarhufer halten…

Freitag, 6. Januar 2006

Intypo WordPress plugin, minor update 0.6.2

Darius 14.52 Uhr Filed under: Intypo

I have just released version 0.6.2 of the Intypo plugin for international typography in WordPress. This small update does not feature most of the new ideas mentioned yesterday, but only two additions.

What’s new in Intypo 0.6.2?

  • Filtering of comments, as suggested by Andreas
  • Hungarian quotation marks, as proposed by Endre
  • Albanian comma style quotation marks
  • Italian comma style quotation marks with spacing
  • Turkish comma style quotation marks

Summary of the included styles

  • Comma style quotation marks for Albanian, Czech, Danish, Dutch, English, Estonian, Finnish, German, Hungarian, Irish, Italian, Latvian, Lithuanian, Polish, Portuguese, Romanian, Slovakian, Spanish, Swedish, Turkish
  • Guillemet quotation marks for Albanian, Croatian, Czech, Danish, Estonian, Finnish, French, German, Italian, Latvian, Lithuanian, Norwegian, Polish, Portuguese, Romanian, Slovakian, Spanish, Swedish, Turkish

Download
from the downloads page.

Installation
No editing of files is necessary.

  1. Download either intypo.zip (recommended for Windows) or intypo.tar.gz.
  2. Unpack it and copy the included file intypo.php to your /wp-content/plugins/ directory.
  3. Direct your browser to your plugins page (on admin interface) and activate the Intypo plugin.
  4. Go to Options and find the Intypo options page.
  5. Select the desired style and click to »update options«.

Updating
Just download the new version of intypo.zip or intypo.tar.gz, unpack it, copy intypo.php to your plugins directory and you‹re done.

Note to Hungarian users:
If you followed Endre’s proposal and added Hungarian quotation marks as $ity_quot[8], everything is fine, because I kept the 8 for Hungarian. You can safely update to get the comment filtering.

Donnerstag, 5. Januar 2006

Ideas for future Intypo versions

Darius 18.24 Uhr Filed under: Intypo

There have been some suggestions for improvements of the Intypo plugin in the last days. So I think I would be helpful if I tell you, what my plans are.

Improve the quotation mark detection
There are several cases, when Intypo does not correctly recognise whether it is the beginning or the end of a quote, e.g. if marks are accompanied by brackets, commas, etc. or by HTML-tags: eg. "<em>quote</em>" won’t work.

Include more languages/countries
For efficiency, I started with quotation styles used in more than one country. I will add some other languages, as far as they are mentioned in Forssman/de Jong’s Detailtypografie.

Multi-language support
Some blogs use more than one language for the postings. Or maybe you quote some text in a different language. Elegant typography requires to set foreign language quotations in the way used for that language. I think it would be best to use the HTML/XHTML standard for language markup, i.e. the lang and xml:lang attribute. (Usage of both tags is recommended in XHTML 1 specification.)
So future Intypo should allow you to set one language as standard. (And it should suggest the language of your WordPress installation.)
As many languages allow either the use of commas or of guillemets, there should be a second option, »prefer commas (if appropriate for specified languages)« or »prefer guillemets (if appropriate…)«.
Then, if you have a portion of text in a different language than the standard you set, you have to add the lang attribute to the HTML element containing your text. This means, if for example you have German text in a blockquote (and a different language is your standard), you type<blockquote lang="de">Er sagte: "Guten Tag!"</blockquote>If your portion of text is not surrounded by a HTML element, you could use div or span as usual.
An additional advantage of this soulution would be, that it if future webbrowsers will be able to use the correct quotation marks depending on language attributes (as suggested by W3C), your WordPress postings are ready for it.

Language information specified via the lang attribute may be used by a user agent to control rendering in a variety of ways. Some situations where author-supplied language information may be helpful include:

  • Assisting search engines
  • Assisting speech synthesizers
  • Helping a user agent select glyph variants for high quality typography
  • Helping a user agent choose a set of quotation marks
  • Helping a user agent make decisions about hyphenation, ligatures, and spacing
  • Assisting spell checkers and grammar checkers

(W3C HTML 4 specification)

As far as I know, current browsers don’t include these features, but if they will, you simply could tun off Intypo. (To be honest, I don’t know if there will be need for some of the Intypo features left.)

Select, what should be affected
It was just a mistake that I forgot to include the comments in what is filtered by Intypo. (Thanks, Andreas, for telling me.) But in fact, it would be better if the Intypo options page offers checkboxes that let you decide, what Intypo should filter: the text, the excerpt, the title, the comments, maybe the RSS-feeds…
And vice versa, I want an option to turn off quotation mark replacement for <code> sections. I should check if this could be combinded with existing syntax highlighting plugins.

So now, dear Intypo users, what do you think about this?