Freitag, 9. Dezember 2005

Neue Linke in der Aachener Linkspartei

Darius 18.46 Uhr Filed under: Was geht ab

Nach der WASG hat gestern auch die Linkspartei der »StädteRegion Aachen« ihren Vorstand neu gewählt. Andreas Müller wurde mit 10 Stimmen im Amt bestätigt. Alban Werner, ehemaliger Sprecher der Jusos Stolberg, hatte sich spontan zu einer Gegenkandidatur entschlossen, nachdem die Mitgliederversammlung es im Einklang mit Andreas Müller abgelehnt hatte, den Aachener Appell auch nur zu diskutieren. Alban erhielt dabei immerhin halb so viele Stimmen wie Amtsinhaber und Ratsherr Müller. Später wurde er als einer der vielen Beisitzer gewählt. Mit ihm sind darunter mit Marco Hennigs, der bis vor kurzem noch (wie ich früher einmal) Landessprecher der Juso-Hochschulgruppen war, und Lasse Klopstein insgesamt drei Mitglieder des Projekts Neue Linke. Damit ist zu hoffen, dass der Einigungsprozess der beiden Parteien nun vor Ort eine realistische Chance erhält, auch wenn die Versammlung der Linkspartei von starkem Misstrauen gegenüber Doppelmitgliedern und einigen Spitzen des Vorsitzenden gegen die WASG geprägt war. Großen Wert legte der Vorsitzende beispielsweise auf die strenge Frauenquote, die nicht so lasch wie die der WASG sei. Da man allerdings selbst keine einzige Frau zur Versammlung hatte bewegen können, wurde diese strenge Quote später per Beschluss kurzerhand ausgesetzt.

Westerwelle im Raum-Zeit-Loch?

Darius 17.30 Uhr Filed under: Opium des Volkes

Mit einer klaren Absage an so genannte Jamaika-Koalitionen geht FDP-Chef Guido Westerwelle in die Klausurtagung des Parteivorstandes am Montag.

meldet die Rheinische Post. Meines Wissens ist die Koalitionsfrage längst geklärt. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich eine sogenannte Große Koalition gebildet. Wer unbedingt will, mag sie meinetwegen auch Angola-Koalition nennen, aber dass die FDP daran beteiligt würde, ist ja wohl erstmal vom Tisch. Aber gut, wenn man sonst nichts Wichtiges zu besprechen hat, mag man sich unterhalten über Koalitionen, die man womöglich auch nicht eingangen wäre, selbst wenn die anderen gewollt hätten, die nicht gewollt hatten.

Werbung und Wirklichkeit

Darius 16.26 Uhr Filed under: Natur und soSegnungen des Kapitalismus

Seit ein paar Wochen läuft im Werbefernsehen ein Spot, der offenbar für ein bestimmtes Klopapier werben soll. Gezeigt wird eine Katze, die angeblich eine Klopapierrolle abgewickelt und sich darauf schlafen gelegt hat. Das mag ja in der Werbung nett aussehen, wäre aber auch so schon lästig. Terry Pratchett wies vor Jahren bereits darauf hin, dass echte Katzen anders sind (»Echte Katzen tragen niemals Schleifen«, Droemer 1991, orig. »The unadulterated Cat«, Neuauflage offenbar unter dem Titel »Die gemeine Hauskatze«, Goldmann 2005).
Kurz nachdem besagter Werbespot zum zweiten Mal in unserem Fernsehgerät zu sehen war, folgte mein Kater – dafür gibt es eine Zeugin – dem Beispiel und rollte ebenfalls das Klopapier ab. Mein Kater ist aber definitiv ein echter Kater:

Pratchett: »Echte Katzen sind weder völlig selbstbeherrscht, noch sind sie völlig neurotisch. Sie sind beides, und zwar gleichzeitig – eben wie richtige Persönlichkeiten. Echte Katzen mögen Quiche. Und Geflügelklein. Und Butter. Und alles andere, was auf dem Tisch herumliegt, wenn sie den Eindruck haben, daß sie es ungestört genießen können. Echte Katzen hören es, wenn zwei Zimmer weiter die Kühlschranktür aufgeht.«

Mein Kater hört auch, wenn versehentlich die Küchentür nicht zugeht und ist bei dieser Gelegenheit eben erst über die Butter hergefallen. Weil er also ein echter Kater ist, hat er sich nicht niedlich hingelegt, sondern getan, wozu Klopapier da ist. Jedenfalls so ungefähr: Er hat das Papier zu einer Kloerweiterung umfunktioniert. Denn, das berichtet auch Pratchett:

»Die Katze hat der Hygiene gegenüber von jeher eine ganz ähnliche, gutgemeinte, aber ein bißchen zwiespältige Einstellung wie der Mensch. Soll heißen: Wenn man’s zudeckt, ist es nicht mehr da. Es ist nicht so wichtig, wirklich sauber zu sein. Viel wesentlicher ist es, daß jemand sieht, wie man sich zumindest bemüht. Zum Beispiel, indem man versucht, das Linoleum ins Katzenklo zu scharren.«

Haschisch des Volkes

Darius 14.26 Uhr Filed under: Opium des Volkes

Jüdische AllgemeineIn der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen, die ulkigerweise von einem Karl Marx gegründet wurde, steht nicht, was ein anderer Karl Marx einst formulierte,

Religion ist […] das Opium des Volkes

Jonathan Scheiners Artikel über den Reggae-Chassid Matisyahu trägt vielmehr die Überschrift

»Mein Haschisch ist der Talmud«