Donnerstag, 27. Oktober 2005

Intypo, WordPress-Plugin für internationale Typografie, Version 0.5

Darius 12.47 Uhr Filed under: IntypoMy WebLab
Buchtipp:

Intypo, das Plugin zur Internationalisierung der Typografie von WordPress, funktioniert in Version 0.5 erstmal ausschließlich mit deutscher Typografie, richtig international wird es erst später.
Überhaupt ist das ganze bisher nur ein dürftiger Notbehelf und bestimmt lausig programmiert und verdient den Namen Plugin kaum, aber später soll alles besser werden und mit einem Administrationsmenü die Wahl zwischen verschiedenen internationalen Möglichkeiten bestehen.

Was Intypo 0.5 leistet:
Das, was ich bisher als Eingriff in die Datei functions-formatting.php beschrieben hatte, ist hier als Plugin angeboten, d.h. es ist kein Eingriff in Dateien nötig, es muss nur die Datei intypo.php in das Plugins-Verzeichnis kopiert und dann in der Plugin-Verwaltung aktiviert werden.
Nach der Aktivierung von Intypo stellt WordPress Text, der so eingegeben wurde
Handke schreibt: "Beim neuerlichen Aufblicken - 'die Arbeit hat Zeit, ich habe Zeit, ich und sie, wir haben Zeit' - schwirrte es geradezu von dem Tag jetzt, und er bemerkte, wie er, ohne die Worte gesucht zu haben, im Stillen dachte: 'Heilige Welt!'"
folgendermaßen dar:

Handke schreibt: »Beim neuerlichen Aufblicken – ›die Arbeit hat Zeit, ich habe Zeit, ich und sie, wir haben Zeit‹ – schwirrte es geradezu von dem Tag jetzt, und er bemerkte, wie er, ohne die Worte gesucht zu haben, im Stillen dachte: ›Heilige Welt!‹«

Achtung
Intypo 0.5 funktioniert nicht richtig, wenn zugleich eins der Plugins Markdown oder Textile aktiviert sind.
Und: Intypo 0.5 bearbeitet vorerst nur den langen Text, nicht die Darstellung in den Auszügen.

Download

Freitag, 7. Oktober 2005

Donquichotterie gegen Sicks Laienlinguistik

Darius 10.48 Uhr Filed under: Medienschelte

Zur zweiten Ausgabe von Aptum – Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur hat Jan Georg Schneider einen Aufsatz beigetragen, dem ich die gleiche Aufmerksamkeit wie dem darin behandelten Gegenstand wünschen würde: »Was ist ein sprachlicher Fehler? Anmerkungen zu populärer Sprachkritik am Beispiel der Kolumnensammlung von Bastian Sick«. Unterdessen ist von ebendieser ein zweiter Band erschienen, der in dem Aufsatz für Aptum allerdings noch nicht berücksichtigt ist. Man darf aber annehmen, dass die von Jan Schneider an Beispielen aus dem ersten Band ausgeführte Kritik der »Fehleranalyse« auch auf die neueren Kolumnen anwendbar ist.

Woher kommt die ausgeprägte Sprachunsicherheit, die auch bei vielen hochgebildeten Menschen den Wunsch entstehen lässt, von Sprachpflegern über ihr Ureigenstes, nämlich ihre Muttersprache, belehrt zu werden?

Jan Scheider vermutet, dass eine Ursache dessen die Verunsicherung in Folge der Rechtschreibreform ist. Laienpsychologisch nehme ich an, auch die Schadenfreude, mit Sick gemeinsam »Sprachverbrecher« zu ertappen (oft mit vorgeführten »Beweisstücken« bei Spiegel Online), der kleine Nervenkitzel, sich selbst zu »ertappen«, und das implizite Versprechen, die Lektüre sei nicht »nur« Vergnügen, sondern man könne dabei auch »etwas lernen«, kommen als Anreize hinzu.
Analog zur Reihenfolge im Buch nimmt Jan Schneider zuerst Sicks Ausführungen zur Präposition wegen mit Dativ unter die Lupe. Während Schlagersänderin Nicole in den 1980er Jahren ein Lied mit dem Titel »Wegen dir« veröffentlichte, habe Udo Jürgens im selben Jahr für sein Lied »die richtige Form« (Sick) »Deinetwegen« gewählt. Verzeihlich sei der »Fehler« allerdings in Nicoles Fall, weil das Lied in bayerischem Dialekt getextet sei. Schneider führt aus:

Diese Darstellung enthält zwei allgemeine Annahmen, die für populäre Sprachkritik typisch sind: Erstens wird eine starre begriffliche Trennung zwischen Hochsprache und Dialekt vorgenommen, die die Realität des alltäglichen Sprachgebrauchts kaum widerspiegelt. […] Anders als Sick darstellt, sind die Texte der Sängerin Nicole zudem keineswegs im bayersichen Dialekt verfasst, sondern in einem leicht regional gefärbten Hochdeutsch, einem so genannten Regiolekt.
Sicks zweite sprachliche Annahme besagt, dass der zunehmende Gebrauch von wegen mit Dativ-Rektion falsch sei und die Hochsprache ›verflachen‹ lasse.

Klare Kriterien für Falschheit und Verflachung benenne Sick jedoch nicht. Er gebe lediglich im Fall des Gebrauchs der Präposition trotz mit dem Genitiv einen »versteckten Hinweis«, dass es ein Stadium gebe, in dem auch Sick eine sich langsam durchsetzende Gebrauchsweise akzeptiert.

Die Frage ist nun: Wann ist ein solches Stadium erreicht?
Dass Sick diese Frage an keiner Stelle diskutiert, hängt m. E. nicht zuletzt damit zusammen, dass er es durchgängig versäumt, systematisch zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu differenzieren. In Bezug auf die Präposition wegen wage ich die These, dass in mündlichen Kontexten mittlerweile in weit über neunzig Prozent der Fälle der Dativ gebraucht wird […]. In schriftlichen, vor allem formellen schriftlichen Kontexten dagegen ist weiterhin die Verwendung des Genitivs die Regel. Hat man einmal begriffen, dass geschriebene und gesprochene Sprache aufgrund der unterschiedlichen medialen Bedingungen verschiedene syntaktische Regularitäten aufweisen, so empfindet man dies nicht mehr als Widerspruch.

Diverse weitere Beispiele zu den unterschiedlichsten Themen aus den Sickschen Kolumnen folgen in Schneiders Aufsatz. Ich las ihn mit einigem Vergnügen: Die Kritik der Kritik ist mindestens ebenso kurzweilig, die Lust an Schadenfreude kann man dort noch besser befriedigen, denn den »beliebtesten Deutschlehrer der Nation« (FAZ) zu ertappen, ist amüsanter, als mit ihm Schildermaler, Schlagersternchen usw. bloßzustellen. Und »lernen kann man dabei auch noch etwas«…