Donnerstag, 3. Februar 2005

Löcher

Darius 16.21 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Eine Reporterin schwatzt auf n-tv live von den studentischen Protesten in Hamburg:

Zudem befürchten die Studenten, dass die Einnahmen durch Studiengebühren gar nicht an die Hochschulen fließen, sondern zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werden.

Eine solche dumme Berichterstattung (wie ich sie in den letzten Tagen mehrfach gehört habe) liefert geradezu eine Vorlage dazu, dass die verantwortlichen PolitikerInnen nun hoch und heilig beteuern können, dass sehr wohl die Einnahmen aus Studiengebühren ausschließlich an die Hochschulen fließen werden. Wahrscheinlich wird man das als scheinbares Zugeständnis sogar ausdrücklich gesetzlich festschreiben.
ABS gegen StudiengebührenTatsächlich wird es mit Sicherheit so sein, dass man anschließend feststellen wird, dass der Finanzierungsbedarf der Hochschulen aus dem Landeshaushalt dank der neuen Einnahmen gesunken ist und wird – wenn nicht sofort, dann spätestens ein Haushaltsjahr später – die entsprechenden Landesmittel reduzieren. Dann fließt immer noch jede Einnahme aus Studiengebühren an die Hochschulen, aber das Land saniert seinen Haushalt trotzdem auf Kosten des Bildungssystems. Glückwunsch, n-tv, ich bin schon gespannt, wann ihr die Meldung bringt: »Große Entwarnung, alle Einnahmen aus Studiengebühren gehen ausschließlich an die Unis.«

Update: Inzwischen weiß auch Spiegel Online zu berichten:

Hohe Gebühren, aber für die Uni bleibt kein Cent? So könnte es kommen: Studiengebühren müssen nicht für die Hochschulen ausgegeben werden, sagt ein Tübinger Jurist. Wenn ein Finanzminister mit den Einnahmen lieber Haushaltslöcher stopft, kann ihn kein Bildungsminister aufhalten.

Rätsel über Rätsel

Darius 14.42 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

Die Jüdische Allgemeine bietet stets auf der letzten Seite ein kleines Quiz, das durch doppelte Rätselhaftigkeit fasziniert. Vordergründig wird eine Frage zum jüdischen Brauchtum gestellt, in der heutigen Ausgabe beispielsweise:

Wie werden die Gegenstände bezeichnet, die man an Schabbat nicht berühren darf, weil sie der Arbeit dienen?
A) muktsa
B) treife
C) derech eretz
D) demai

Das Rätsel hinter dem Rätsel ist aber wesentlich geheimnisvoller. Wer die Antwort weiß, wird nämlich aufgefordert, bis zu einem genannten Einsendeschluss eine Postkarte mit dieser an die Redaktion zu senden. In der folgenden Ausgabe wird stets die Auflösung der letzten Quizfrage genannt. Ich warte aber seit Monaten darauf, dass einmal das Geheimnis gelüftet wird, was mit den eingesandten Postkarten geschieht. Zu gewinnen gibt es nämlich anscheinend nichts, und es wird auch keiner der richtigen Einsender in der folgenden Ausgabe genannt. Mysteriös. Ich werde wohl selbst eine Postkarte einsenden müssen, um diesem babuschkaartigen Rätsel auf die Spur zu kommen. Wenn ich bloß die Quizfrage beantworten könnte…