Sonntag, 27. September 2009

Das Ende der großen Koalition

Das eigentlich Interessante am Erfolg der Linken bei der TV-Total-Wahl finde ich, dass das Ergebnis sich von dem der U18-Wahl doch sehr stark unterscheidet. Die aus der U18-Wahl abgeleitere Behauptung, Die Linke komme bei jüngeren WählerInnen nicht so an, stimmt offenbar gar nicht (wenn denn die TV-Total-WählerInnen wirklich auch jung sind). Jetzt wäre natürlich mal zu klären, welches Voting denn wohl die repräsentativere Zusammensetzung hatte. Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Art der Durchführung bei der U18-Wahl auch eine relativ spezielle Auswahl an Kindern und Jugendlichen beteiligt wurde.

Inzwischen kursiert im Netz allerdings eine falsche Agenturmeldung, in der behauptet wird, auch in dem umgerechneten Ergebnis, das die Abweichung der letzten TV-Total-Abstimmung vom tatsächlichen Ergebnis berücksichtigt, gäbe es nicht einmal eine Mehrheit für eine »große Koalition«, besser: für eine Koalition von Union und SPD. Zwar kommen Union und Sozis zusammen nur auf 48,3 %, aber damit liegen sie immer noch vor den anderen dreien, die es zusammen auf 45,7 % bringen. Anders als beim unverrechneten Zuschauerergebnis (bei dem nur die im aktuellen Bundestag vertetenen Parteien zur Wahl standen) kommt das verrechnete Ergebnis logischerweise in der Summe nicht auf 100%. Die verbleibenden 6 % würden wohl für keine Partei über die 5-Prozent-Hürde reichen, sodass 48,3 % knapp für eine Bundestagsmehrheit von SPD und Union reichen würden.

Trotzdem wäre klar, dass es keine Fortsetzung der großen Koalition gäbe. Union und SPD wären nämlich gar keine große Koalition (Koalition zweier deutlich größerer Parteien als die anderen), denn die SPD wäre ja gar nicht größer als DIE LINKE und auch nicht weit entfernt von FDP und Grünen. Eine ganz normale Koalition also: Union mit einem kleineren Partner, und eine Opposition mit nur wenigen Sitzen weniger. Vielleicht gar kein unrealistisches Szenario. Ich bin gespannt, welche Bezeichnung eine solche Koalition dann im medialen Sprachgebrauch bekommt. »Angola-Koalition«? »Namür-Koalition«?

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