Mittwoch, 30. Mai 2007

Last.fm in Händen der Plattenindustrie

Darius 21.13 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Laut diversen Meldungen kauft der Medienkonzern CBS die Musikplattform Last.fm für bis zu 320 Millionen Dollar. Wenn die These stimmt, dass interessante Datenbestände zu den wertvollsten Waren der Zukunft gehören, hat CBS sicher gut eingekauft. Bis zu 15 Millionen Menschen haben die Datenbanken von Last.fm gefüttert und damit eine Informationssammlung geschaffen, die es so sicher zuvor im Bereich der Musik nicht gegeben hat. (Und diese 15 Millionen Menschen sehen von den 320 Millionen Dollar nichts.) Anders als bei früheren auf Händlerbefragungen oder Verkaufszahlen beruhenden Charts hat Last.fm beispielsweise die Daten, welche einzelnen Stücke einer CD tatsächlich am häufigsten gehört werden (von der natürlich nicht repräsentativen Auswahl der Last.fm-TeilnehmerInnen). Das könnte bei der gezielten Vermarktung einzelner Stücke (oldschool »Singleauskopplung«) viel treffsicherer sein als die Entscheidungen einzelner Personen.
Dabei nutzt Last.fm sicher noch nicht alle Möglichkeiten, wie die enormen Datenbestände quer ausgewertet werden könnten. Schon jetzt bieten sie jedenfalls die Möglichkeit für gezielte Werbung, von der Amazon mit seiner Funktion »Kunden, die X gekauft haben, interessieren sich auch für Y« wahrscheinlich nur träumen kann. Denn Amazon kann ja nur die Kaufgewohnheiten berücksichtigen, aber nicht erkennen, was z.B. als Geschenk für andere erworben wurde und gar nicht dem Geschmack des Käufers selbst entspricht. Dass diese Daten nun einem bestimmten Musikkonzern gehören, ist sicher nicht die beste Entwicklung.

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