Mittwoch, 14. März 2007

Maja kommt nicht wieder

Darius 3.36 Uhr Filed under: Natur und soSegnungen des Kapitalismus

BieneNachdem einige Medien (von Welt bis taz) schon vor Wochen kurze Berichte darüber gebracht hatten, erschien nun in der Süddeutschen ein großer Artikel auf der Wissenschaftsseite über das rätselhafte Bienensterben, das in englischsprachigen Medien Colony Collapse Disorder (CCD) genannt wird.

In den USA ist die Mehrzahl aller Bienen verschwunden. Weil eine klare Ursache fehlt, spekulieren Forscher über das Ende der Insektenart – ein Ende mit möglichen Konsequenzen für die Menschheit. […]
An der amerikanischen Westküste sind fast 60 Prozent der Bienenvölker kollabiert, an der Ostküste und in Texas sind es mehr als 70 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten ist betroffen und Teile Kanadas. Dasselbe passiert auch in Spanien und in Polen. […]
Durch ihre Leistung bei der Bestäubung gelten Bienen in Europa nach Rindern und Schweinen als das drittwichtigste Haustier – noch vor dem Geflügel.

Der Artikel geht, wie nur an einem identischen aber unterschiedlich übersetzten Zitat zu erkennen ist, offenbar wie der Welt-Artikel auf mehrere Berichte der New York Times zurück, die leider nicht frei online verfügbar sind.
Bedauerlicherweise geht keiner der deutschen Artikel darauf ein, ob ein Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen besteht, die in den USA bekanntlich verstärkt angebaut werden.
Die Colony Collapse Disorder Working Group der Pennsylvania State University, offenbar das wichtigste Expertengremium in dieser Angelegenheit, geht derzeit nicht davon aus, dass CCD durch das Insektizid des Bacillus thuringiensis (Bt) verursacht wird, das von genetisch verändertem Mais u.ä. produziert wird. Dieses wirke, erklärt Wikipedia, nämlich vor allem auf die Larven von Insekten, bei CCD ist aber gerade das Verschwinden der adulten Bienen kennzeichnend. Auch würden die Bt-manipulierten Pflanzen, vor allem Mais und Tabak, eher nicht so stark von Bienen aufgesucht.
Andererseits wird oftmals auf Mais basierende Nahrung an Bienen verfüttert. Laut CCD Working Group ist jedoch auch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Fütterung und CCD zu erkennen.

Some GMO crops, specifically Bt Corn have been suggested as a potential cause of CCD. While this possibility has not been ruled out, CCD symptoms do not fit what would be expected in Bt affected organisms. For this reason GMO crops are not a “top” priority at the moment.

Ausdrücklich erklärt die CCD Working Group jedoch, dass dies nicht heißt, dass Bt-Mais sicher ausgeschlossen werden kann.
Nun meldet die Süddeutsche in einem anderen aktuellen Artikel, Greenpeace protestiere erneut gegen die erfolgte Zulassung des Bt-Mais »Mon 863« von Monsanto in Europa und weise auf mögliche Gesundheitsgefahren für den Menschen hin.

»Ratten, die den Mais MON863 in Fütterungsversuchen zu fressen bekamen, reagierten darauf mit Veränderungen an Niere und Leber«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der seine Ergebnisse am Dienstag in Berlin zusammen mit Greenpeace vorstellte. […] Lebens- und Futtermittel, die MON863 enthalten, dürfen sei dem 1. Januar 2006 in die Europäische Union importiert werden. In den USA und Kanada wird die Sorte nach Angaben des Herstellers Monsanto auf mehreren Millionen Hektar angebaut. Die Pflanzen produzieren aufgrund einer Veränderung im Erbgut ein Eiweiß, das gegen einen Schädling, den Wurzelbohrer, wirkt.

Laut Greenpeace wurde bei der Zulassung manipuliert:

»Es gibt erhebliche Mängel in der statistischen Auswertung der Studie, wie sie von Monsanto vorgelegt wurde«, sagt Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen, der das französische Wissenschaftlerteam CRIIGEN leitet. »Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere, ließ Monsanto unter den Tisch fallen.«

Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen besteht, ist, wie gesagt, noch nicht wirklich untersucht.

  • Update: Eine stark überarbeitete Textfassung steht unter www.z-ac.de

2 Comments »

  1. http://www.bundestag.de/ausschuesse/a10/anhoerungen/a10_28/16_10_242-D.pdf
    http://www.bundestag.de/ausschuesse/a10/anhoerungen/a10_28/index.html

    pdf-Format: Stellungnahme von Imkern zur Novellierung des Gentechnikgesetzes in Deutschland.

    Auszug: der Darm der Bienenlarven kommt mit dem BT nicht direkt in Berührung. Die adulten Bienen fungieren als Vorkoster und Filter. Daher ist klar, das Schäden nicht bei den Larven sondern bei den adulten Bienen zu erwarten sind«

    »Immunschäden« der Bienen werden durch diverse Faktoren verursacht. Die BT-Wirkung könnte diesen Effekt aber durchaus verstärken. Ist aber eigentlich logisch das Nützlinge in naturnaher polykultureller und ökologischer Landwirtschaft bessere Überlebenschancen haben als in genmanipulierten und pestizidgetränkten Monokulturen.

    Anm.: Habe die Links korrigiert. – Dar.

    — Comment by meiner einer am Freitag, 16. März 2007 um 19.45 Uhr

  2. Vielen Dank für den Hinweis. Das ist ja sehr aufschlussreich und wirkt geradezu wie eine Prophezeiung von CCD. Dem Artikel unter http://www.z-ac.de/content/view/40/30/ habe ich eine Ergänzung mit Auszügen aus der Stellungnahme hinzugesetzt.

    — Comment by Darius am Samstag, 17. März 2007 um 11.56 Uhr

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