Freitag, 4. August 2006

In Brüssel entsteht das dreimal größere Europamuseum

Darius 11.39 Uhr Filed under: Bauhaus EuropaGeheimnisse dieser Welt

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Dezernentin,

in der kommenden Ratssitzung am 16. August 2006 soll der Stadtrat zu dem geplanten so genannten »Bauhaus Europa« einen Beschluss fassen. Dieses im Stadtrat zur Abstimmung stehende Projekt ist maßgeblich auf Ihr Betreiben hin bis zum derzeitigen Stand der Dinge geplant und seitens der Stadt beworben worden.
Neben den inzwischen hinlänglich bekannten Kritikpunkten (Finanzen, Konzept, Standort und Architektur), die in den vergangenen Monaten unsererseits und seitens eines Großteils der Bevölkerung vorgebracht wurden, ist ein maßgeblicher Punkt bisher weitestgehend untergegangen, der indes noch vor der Ratssitzung dringender Klärung bzw. Erklärung Ihrerseits bedarf – zwar sowohl gegenüber der Öffentlichkeit als auch gegenüber den Ratsfrauen und Ratsherren, die am 16.8. über das für den städtischen Haushalt folgenschwere Projekt abstimmen sollen.
Für das sog. »Bauhaus Europa« ist sowohl Ihrerseits als auch seitens verschiedener UnterstützerInnen des Projektes mit hochfliegenden Superlativen geworben worden: Das »Bauhaus Europa«

  • sei »einmalig«
  • »einzigartig«
  • ein »Alleinstellungsmerkmal«
  • werde »Zug- und Strahlkraft« weit über die Region hinaus, ja in ganz Europa haben
  • werde »wie ein Magnet wirken«
  • sei ein »kühnes Haus«, dergleichen »die Welt noch nicht gesehen« habe
  • sei »eine Bühne für Europa und damit für die Welt, eine Bühne für europäische und damit Weltgeschichte«

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Kühne Worte, die in Ihrer Werbepräsentation zum »Bauhaus Europa« überdies mit, wie wir meinen, kühnen Zahlen untermauert werden.
Nachzulesen in Ihrer Darstellung zur Bürgeranhörung am 2. Mai 2005 ist, dass Sie das »Bauhaus Europa« als Magneten für zusätzliche 500.000 Besucher pro Jahr dargestellt haben; inzwischen ist diese Zahl (mehr als) halbiert worden: in Ihrer Werbung für das Bauhaus ist nunmehr von zusätzlichen 200.000-300.000 Besuchern pro Jahr die Rede, und in der Ratsvorlage wird dann auch nur noch mit zusätzlich 200.000 Besuchern gerechnet. Eine Zahl, die indes in unseren Augen immer noch utopisch und illusorisch ist.
Aber wie auch immer: Dies sind kühne Worte und kühne Zahlen, mit denen Sie für das »Bauhaus Europa« die Werbetrommel rühren. Was Sie indes in dem Zusammenhang zwar nicht ganz unterschlagen, aber eher beiläufig nur einmal in einem Nebensatz erwähnt haben und was somit in der Öffentlichkeit und gewiss auch im Bewusstsein der nun zur Abstimmung aufgerufenen Ratsfrauen und -herren völlig untergegangen ist, ist, dass es mit der Einmaligkeit oder Einzigartigkeit, geschweige denn dem Alleinstellungsmerkmal und damit dann auch mit der vermeintlichen Magnetkraft des »Bauhauses Europa« nicht weit her ist.
Die Rede ist vom Musée de l’Europe in Brüssel, rund 100 km und 1 knappe Autostunde von Aachen entfernt, per Bahn demnächst in nur einer halben Stunde zu erreichen. Das von der EU gebaute Musée de l’Europe ist derzeit im Bau befindlich und soll 2007, pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der Römischen Verträge, fertig gestellt sein. Baukosten rd. 40 Millionen Euro, jährliche Betriebskosten ca. 17 Millionen Euro. Auf einer Ausstellungsfläche von rd. 6.000 qm soll, medial aufbereitet, die europäische Geschichte bis zur Gegenwart dargestellt, für den Besucher erfahrbar werden, und das Museum soll zu einem sichtbaren Ort europäischer Selbstverständigung werden. Das Konzept wurde von Experten wie Prof. Dr. Hermann Schäfer vom Haus der Geschichte in Bonn geliefert, der auch dem Beirat des Musée angehört. Das Musée de l’Europe ist also das Original.
Was in Aachen als »Bauhaus Europa« geplant ist, ist eine verkleinerte Kopie. Hier soll auf einer Ausstellungsfläche von etwas über 2.000 qm ebenjenes Konzept, geliefert von ebenjenem Prof. Dr. Hermann Schäfer, indes Aachen-spezifisch umgesetzt und kopiert werden. Aachen-spezifisch heißt, dass im »Bauhaus Europa« die europäische Geschichte mit der Krönung Karls des Großen, also ab dem Jahr 800 beginnt.
Was also, bitte, Herr Oberbürgermeister, Frau Dezernentin, soll an dem »Bauhaus Europa« so besonders, so einmalig oder einzigartig sein, dass die Besucher nach Aachen strömen sollten, wenn sie doch das Ganze sehr viel größer und umfassender (nicht erst ab dem Jahr 800) nur einen Katzensprung von Aachen entfernt, nämlich in der Europa-Stadt Brüssel erleben können?
Da die Aachener Bürger und Bürgerinnen mit ihren Steuergeldern ja nun auch den Museumsbau in Brüssel von rd. 40 Millionen Euro und rd. 17 Millionen laufenden Betriebskosten pro Jahr mitfinanzieren, wären wir da als »gute EuropäerInnen« und als SachwalterInnen, die umsichtig mit Steuergeldern umgehen, nicht geradezu dazu aufgerufen, auch in und um Aachen dafür zu werben, das Musée de l’Europe ab 2007 zu besuchen? Statt in Aachen eine verkleinerte Kopie hinstellen zu wollen, deren Folgekosten unabsehbar sind und den städtischen Haushalt in einem nicht zu verantwortenden Ausmaße belasten werden?
Und, da wir von den Kosten sprechen, sei auch noch eine letzte Frage erlaubt: Nach den uns bisher bekannten Zahlen für die laufenden jährlichen Betriebskosten für das »Bauhaus Europa« rechnen Sie mit einer Unterdeckung von 1,9 – 2,15 Millionen Euro. Nun ist uns zu Ohren gekommen, dass diese Betriebskosten verwaltungsintern inzwischen bereits auf 3 Millionen Euro geschätzt werden. Wir möchten Sie bitten, auch dazu Stellung zu nehmen, damit die Aachener Bürger und Bürgerinnen vor dem Ratsbeschluss am 16.8. wissen, was auf Sie zukommt.

Nähere Informationen zum Musée de l’Europe finden Sie z.B. unter folgenden Links:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Frau Dezernentin, wir möchten Sie sehr bitten, zu den vorgenannten Punkten Stellung zu nehmen, auch öffentlich, da die Öffentlichkeit ein Anrecht auf diese Informationen hat.
Ist es wirklich Ihr erklärtes politisches Ziel, mit einer Dichte von 100 km Europamuseen zu bauen? Wer sollte sie besuchen? Das »Bauhaus Europa« macht in der bisher vorgestellten Konzeption angesichts des Musée de l‘Europe überhaupt keinen Sinn. Deswegen fordern wir Sie auf, das Projekt jetzt, sofort zu stoppen, noch bevor weitere Gelder dafür unnütz verschwendet werden.

Mit freundlichen Grüßen
Darius Dunker
für die Bürgerinitiative »Bauhaus Europa? Nein Danke!«

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