Sonntag, 23. April 2006

Berliner Kandidaturenfrage gescheitert?

Darius 20.59 Uhr Filed under: Was geht ab

Deutsche Presse Agentur, 22.4.2006, 18.22 Uhr:

Berliner WASG zieht mit Trotzkistin Redler in Wahlkampf
Die Berliner WASG wird mit der bekennenden Trotzkistin Lucy Redler als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf ziehen. Beim Landesparteitag erhielt die 26-jährige Sozialökonomin am Samstag 72 von 91 abgegebenen Stimmen (79,1 Prozent). 11 Delegierte stimmten gegen sie, 8 enthielten sich. Das Vorstandsmitglied hatte in den vergangenen Monaten für den konkurrierenden Wahlkampf der WASG zur Linkspartei gekämpft.

Schade, dass all das solidarische Engagement, das wir mit Aachener Appell und der „Erklärung zum eigenständigen Antritt«, der sich über 400 Personen angeschlossen hatten, nun so endet. In meinen Augen ist genau (und erst) mit dieser Personalentscheidung das Ringen um eine sinnvolle Lösung der Berliner Kandidaturfrage gescheitert. Ich bin der Meinung, dass die stark jugendsektenhafte SAV trotz ihrer vordergründig oft richtigen Haltung in verschiedenen Sachfragen (so auch in der Kritik an der Berliner Senatspolitik) nicht die richtige Organisation für eine auf Emanzipation des Menschen bedachte Linke ist.
Und auch was die Parteientwicklung angeht, bin ich skeptisch. Gerade in Aachen konnte man ja schon am Juso-Unterbezirk erleben, wie es einer SAVoran dominierten Parteigliederung ergehen kann: Der ursprünglich mal relativ linke Juso-UB mit zahlreichen AGen in verschiedenen Stadtteilen war für die nächsten Jahre quasi tot, nachdem Voran erst AG für AG den UB übernommen, dann die AGen nicht mehr tagen gelassen hatte, schließlich das Interesse an der SPD verlor und die Gründung einer eigenen Partei namens SAV ausrief. Dieser Parteigründungsprozess scheiterte offensichtlich, und nach ein paar Umwegen ist die SAV heute wieder bei der alten Strategie, nur nicht in der SPD. Wie damals bestreitet sie natürlich vehement, Partei in der Partei zu sein.
Ich jedenfalls werde unter diesen Umständen nicht mehr für Verständnis für die eigenständige Kandidatur der Berliner WASG werben. Hans Werner hatte im Nachhinein wohl doch recht mit dem Geschrei auf der Mitgliederversammlung, »das ist die SAV, da in Berlin!« Ich hatte bis zuletzt gedacht, dass die SAV, die auch in Berlin in der Minderheit ist, nicht in diese Position gelassen würde. Aber wir kennen das ja, wie das unter Umständen geht, wenn ich allein an unsere Bundesdelegiertenwahl denke.
Allerdings halte ich auch nicht viel davon, wie in Köln eine eigene straffe Koordination zu schaffen, um die SAV innerhalb der WASG mit genau den Mitteln zu schlagen, die man an ihr ablehnt.

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