Samstag, 20. Mai 2006

Bauhaus-Bau vor dem Aus?

Darius 16.54 Uhr Filed under: Bauhaus EuropaSegnungen des Kapitalismus

Dass die Finanzierung des »Bauhauses Europa« auf tönernen Füßen steht, ist unsereinem ja schon lange klar. Nun hat auch der Regierungspräsident Klarheit verlangt. Die Lokalpresse berichtet heute:

Regierungspräsident Lindlar habe den »Förderantrag in Sachen Bauhaus als in dieser Form ›nicht zu bearbeiten‹ retour« geschickt. »Pure Einschätzungen und vermeintliche Zustimmungen« seien »nicht Erfolg versprechend«. »Bis 2009 werde das Aachener Haushaltsloch auf 400 Millionen Euro steigen, also müsse erkennbar werden, dass die Stadt sich dieses Projekt leisten kann. Notfalls sind geplante Ausgaben für andere Projekte zugunsten des Bauhauses zurückzustellen.« (AN-Bericht)

Der RP verlange »weiter gehende Aufträge zur Entwurfsplanung und Kostenberechnung von einem Architekten«, beklagt sich Oberbürgermeister Linden. Lindlar erklärt, »der Rat müsse […] die Gesamtfinanzierung, einschließlich des Eigenkostenanteils und der laufenden Kosten, auch für die kommenden Jahre beschließen und den Aachenern erläutern.« (AZ-Bericht)

Der Antrag der Stadt sei »nicht nur mit der Note ›ungenügend‹ versehen, sondern auch noch garniert mit einem persönlichen Begleitschreiben des Inhalts, dass sich der OB von Aachen ab sofort seinen immer wieder verbreiteten (Zweck-)Optimismus sparen könne.« (AN-Kommentar)

Zugleich haben Studierende der RWTH um den Politologen Ingo Scholz die Ergebnisse einer Umfrage vorgestellt, die allerdings schon im Januar stattgefunden hatte. Von 700 befragten Passanten befürworteten damals 23,5% das Bauhaus, 25,8% lehnten es ab. Rund ein Drittel wusste nichts von den Plänen, der Rest war unschlüssig. Und 56% der Befragten kannten den konkreten Architektenentwurf nicht. (weiterer AN-Bericht)

Dass die Stadt sich das Projekt leisten könne, so kommentiert auch Albrecht Pelzer, »diese Erkenntnis gibt es bisher nur in einer Form: Wunschdenken!« … »Wie gesagt, der OB ist optimistisch. […] Dennoch lautet unsere Prognose: Langsam Abschied nehmen!« (AZ-Kommentar)

Ob nun wir an der Reihe sein dürfen mit dem Optimismus, da sollten wir lieber vorsichtig sein. Klar ist wohl, dass jetzt der Druck auf Linden & Co. enorm gewachsen ist, die Pläne zu konkretisieren. Ausdrücklich wird verlangt, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, wo das Geld herkommen soll. Damit aber müsste der Oberbürgermeister endlich sein Spiel aufgeben, allen, von denen er das Geld möglicherweise nehmen könnte, gleichermaßen zu versprechen, dass gerade sie nicht betroffen sein würden, wenn es daran geht, den jährlichen Bedarf von 1,9 Millionen Euro für das Bauhaus bei anderen Ausgaben zusammenzustreichen. Wenn dann die Karten auf dem Tisch liegen, dürfe der Streit entbrennen, den Linden wohlweißlich hinauszögern will. Hoffen wir, dass einige Aachenerinnen und Aachener, die immer noch nicht die Gefahr im Bauhaus erkennen, dann verstehen, was der Preis dieses fragwürdigen Prestigeobjekts ist.
Dass das Bauhaus schon gescheitert wäre, davon kann zum jetzigen Zeitpunkt aber wohl noch keine Rede sein. Das deutlichste Zeichen, um es zu verhindern, ist immer noch, wenn klar wird, dass die Aachenerinnen und Aachener den Glasklotz am Katschhof nicht haben wollen. Wir vom Bürgerbegehren »Bauhaus Europa? Nein danke!« wollen deshalb in den nächsten Tagen eine Anzeige in den beiden Aachener Tageszeitungen schalten, die die Unterschriftenliste des Bürgerbegehrens enthält. Leider ist so eine Anzeige im redaktionellen Teil der Zeitung äußerst teuer und der Zeitungsverlag war nicht bereit, uns in irgendeiner Weise preislich entgegen zu kommen. Wir weisen deshalb nochmal darauf hin: jede Spende, egal welcher Betrag, hilft! Alle Angaben dazu unter www.bauhaus-nein.de.

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment