Montag, 2. Oktober 2006

Studie belegt Realitätsnähe von Kinderliteratur

Darius 0.19 Uhr Filed under: MedienschelteSegnungen des Kapitalismus

In einer umfangreichen Studie aus dem vergangenen Jahr wird die Realitätsnähe der Kinderbuchserien Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg ausführlich dokumentiert:

Der Staat bzw. die Politik (im engeren Sinne) wird in den Hörspielen vornehmlich durch den Bürgermeister repräsentiert […] Er tritt in der Regel nur als »der Bürgermeister« in Erscheinung und ist allzu oft der Gegenspieler von Benjamin bzw. Bibi. In Neustadt ist er (auch wenn er selbst vom Gegenteil überzeugt ist) nicht sonderlich beliebt. […] Stattdessen plant er Dinge, die – vielleicht außer wenigen profitgierigen Wirtschaftsvertretern – niemand braucht bzw. haben möchte und die zudem umweltschädlich sowie kostspielig sind. […] Er ist grundsätzlich nicht am Wohl der Bürger, sondern nur an dem von ihm definierten Wohl der Stadt, vor allem aber an seinem eigenen Wohl interessiert. […] er ist stets auf der Suche nach neuen Einnahmequellen […] um das Rathaus zu renovieren, sein Büro zu vergrößern, einen neuen Dienstwagen […] zu kaufen[…]

Aber auch

Die Wirtschaft wird durch Herrn Schmeichler sowie durch verschiedene andere Akteure, wie z.B. Ulrich Umsatz oder Bankdirektoren, repräsentiert […]. Ihnen gemeinsam ist, dass ihnen Geld sehr viel bedeutet und ihnen beinahe jeder Weg recht ist, um an Geld zu kommen. Herr Schmeichler, der als »Baulöwe« oder »Immobilienhai« bezeichnet wird und für den ein Sparbuch »der erste Schritt zur Menschwerdung [ist]«, schreckt zum Beispiel nicht davor zurück, andere auszunutzen oder zu betrügen […]. Sein Name ist Programm: Er heuchelt, lügt und betrügt, um seinen Nutzen zu maximieren.

So viel Realitätsnähe kann natürlich für Kinder nicht gut sein, und darum warnt auch die Bundeszentrale für propagandistische politische Bildung eindringlich davor:

Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat »wertvoll«:

Zumindest, wenn Politkwissenschaft heißt, aus der Sicht der Politik Wissen zu schaffen.

2 Comments »

  1. [...] na sowas. mal wieder ein schöner beitrag bei darius dunker, dem ich mich fast völlig anschließe, aber trotzdem noch um meine persönliche perspektive ergänzen möchte. wie wir bei ddd oder der bpb nachlesen können, ist die welt von benjamin blümchen (bb) und bibi blocksberg (bb) keine schöne. [...]

    — Pingback by böse welt - gute welt - wenn das schule macht… - …könnte es lehrer werden am Montag, 2. Oktober 2006 um 14.54 Uhr

  2. immerhin lässt sich hier nachvollziehen, dass affirmativ und neutral nicht unbedingt dasselbe ist. und natürlich, dass politische sozialisation möglicherweise gesellschaftliche veränderungen nach sich ziehen könnte und schon deshalb nicht im interesse der gesellschaft sein kann.

    — Comment by thaden am Montag, 2. Oktober 2006 um 17.20 Uhr

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