Mittwoch, 28. Dezember 2005

Sparen im ÖPNV auf Kosten der Sicherheit

Darius 15.35 Uhr Filed under: Segnungen des KapitalismusWas geht ab

Wer dieser Tage mit seinem Fahrzeug im Schnee noch mit Sommerreifen unterwegs ist, stößt bei den meisten Menschen auf wenig Verständnis. Vor wenigen Tagen erst hat der Bundesrat beschlossen, dass die Straßenverkehrsordnung künftig den Witterungsverhältnissen angepasste Bereifung vorschreiben soll. »Wer auf Winterreifen verzichten will, muss sein Auto bei widrigen Straßenverhältnissen stehenlassen und auf Bus und Bahn umsteigen«, hatte Bundesverkehrsminister Tiefensee kurz vor Weihnachten erklärt. Was wohl weder er noch die wenigsten Fahrgäste wissen: Die Busse im öffentlichen Nahverkehr sind oft selbst ohne Winterreifen unterwegs.
Darius Dunker, Sprecher der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) in der Stadt Aachen kritisiert dieses Sparen an der Sicherheit: »Auch die Aachener ASEAG schickt aus Kostengründen ihre Fahrzeuge mit Sommerreifen auf die verschneiten und glatten Straßen.« Den Fahrgästen bleibe kaum verborgen, dass die Busse beispielsweise in den meist verschneiten Haltebuchten den Wartenden entgegen schlittern und nur mit Mühe zum Stehen kommen. Auf ungeräumten Straßen, insbesondere in den Außenbezirken, sieht es nicht anders aus. Dass ein Bus bei dem Versuch, an einer Kreuzung zu halten, einen ganzen Meter zur Seite rutscht, kommt durchaus vor.
»Wir stehen doch mit einem Bein im Gefängnis«, zitiert Dunker einen Busfahrer der ASEAG. Er könne seine Fahrt von Breinig bis Vaals auf Sommerreifen eigentlich nicht mehr verantworten, sehe sich aber gezwungen, trotzdem zu
fahren. Einzelne Fahrer sollen sich bereits geweigert haben, die zugeteilten Gelenkbusse zu fahren, die auf glatter Fahrbahn nicht mehr zu kontrollieren seien.
Hier sei auch OB Jürgen Linden in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der ASEAG gefragt. »Öffentlicher Nahverkehr ist eine kommunale Aufgabe, die nicht einfach dem freien Spiel des Marktes überlassen werden darf, nach dem Motto: wer am besten an Sicherheit und Löhnen spart, macht die Fahrt«, meint Dunker. »Es kann nicht sein, dass aus Kostengründen die Sicherheit auf Aachens Straßen aufs Spiel gesetzt wird und die Beschäftigten der Verkehrsunternehmen dafür den Kopf herhalten müssen.« Er hätte großes Verständnis, wenn diese das Risiko nicht weiter auf sich nähmen und womöglich erneut streikten, so der WASG-Sprecher.

2 Comments »

  1. Die Aachener Nachrichten haben aufgrund meiner Pressemitteilung bei der ASEAG nachgefragt:

    Der Werkstatt-Leiter der Aseag, Uwe Ratz, wies die Vorwürfe zurück. Die Antriebsachsen der Busse seien mit Ganzjahres- bzw. Allwetterreifen ausgerüstet, die anderen Achsen mit Rillenprofil-Reifen.
    Dies sei unproblematisch und werde seit mehr als 20 Jahren so gehandhabt: «Die Bereifung ist absolut sicher», zumal die Aseag darauf achte, dass die Profiltiefe deutlich über den gesetzlich zulässigen Werten liege.

    Unterdessen ist es heute Nachmittag zu einem Unfall auf dem Hansemannplatz gekommen, als ein Bus auf glatter Fahrbahn nicht halten konnte und gegen einen PKW rutschte.

    Den vierspaltigen Artikel, den die Aachener Nachrichten aufgrund meiner Pressemitteilung heute gebracht haben, gibt es im Pressespiegel der WASG.

    — Comment by mymykry am Donnerstag, 29. Dezember 2005 um 17.15 Uhr

  2. Radio »Aachen 100,eins« berichtet:

    29.12.2005 – 14:44 Uhr
    WASG fordert Winterreifen für Busse

    Die Winterreifendiskussion für Busse hat neuen Schwung bekommen. Darius Dunker von der WASG in Aachen fordert Winterreifen für die Busse der ASEAG. Nach Ansicht von Dunker müsse die ASEAG handeln, schließlich würden die Busse auf den glatten Straßen ins Rutschen kommen. Die ASEAG sieht das anders. Die Bereifung der Busse sei sicher. Busse seien was die Bereifung angehe außerdem nicht mit Autos vergleichbar.

    — Comment by mymykry am Donnerstag, 29. Dezember 2005 um 17.27 Uhr

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