Montag, 19. Dezember 2005

Nicht so Super, der Sonntag (und Mittwoch)

Darius 11.49 Uhr Filed under: MedienschelteSegnungen des Kapitalismus

Eigentlich habe ich ja nichts gegen Werbezeitungen. Immerhin werden so wenigstens ein paar lokale Nachrichten an Haushalte gelangen, die sich eine zu bezahlende Zeitung nicht leisten wollen oder – heute mehr denn je – nicht leisten können.
Es sollte aber auch möglich sein, sie nicht zu bekommen, wenn man auf eine Zeitung aus 95% Reklame verzichten will. Was der Aachener Zeitungsverlag sich mit »Supersonntag« und »Supermittwoch« zweimal pro Woche erlaubt, finde ich ziemlich ärgerlich. Wie mir inzwischen mehrfach von der Hotline des »Zustelldienstes« erklärt wurde, werden die Austräger der dicken Reklamepakete ausdrücklich angewiesen, keine Rücksicht zu nehmen auf Schilder an Briefkästen, die den Reklameeinwurf verbieten, auch nicht, wenn ausdrücklich die beiden »Super«-Blätter genannt werden. Um sie loszuwerden gebe es nur den Weg, sich direkt an den Vertrieb zu wenden und sich dort auf die Liste der Reklameverweigerer setzen zu lassen. Unsympathischer Weise ist im Impressum dieser »Zeitungen« gerade für den Vertrieb auch keine Telefonnummer im Ortsnetz angegeben, sondern eine 0180er-Nummer. Ich finde es schon ziemlich lästig, mir diese Nummer im Altpapier heraussuchen zu müssen, obwohl doch an meinem Briefkasten steht, dass ich die Zeitungen nicht erhalten möchte. Wenn es denn mit einem Mal getan wäre. Leider musste ich diese Nummer in den letzten fünf Jahren bestimmt schon zehnmal anrufen, weil alles halbe Jahr – vielleicht nachdem der Zusteller gewechselt hatte – mein Briefkasten doch wieder regelmäßig zweimal pro Woche mit den Reklamen zugestopft wurde.
Wie auch heute, wurde mir ab ca. dem dritten Anruf jedesmal mitgeteilt, dass ich ja recht habe, dass in der Tat ein »Zustellverbot« für meine Adresse im Computer vermerkt sei, dass der Austräger das aber wissen müsse, dass dessen Vorgesetzter ihm das nochmal sagen werde, dass das nur ein Versehen sein könne und nicht weiter vorkomme…
Mein Einwand, dass es damit offenbar nicht getan ist, und dass es auch nicht allein am Zusteller liegen könne, denn der habe sicher in den letzten Jahren gelegentlich gewechselt, aber die Probleme habe es, seit ich hier wohne, immer wieder gegeben, interessiert die Dame an der Hotline natürlich nicht.
Sie meint nur, sie wisse nicht, warum ich »so böse« sei, sie werde ja alles veranlassen. Mag sein, dass sie selbst glaubt, damit sei es erledigt. Ich hingegen bin mir fast sicher, dass schon morgen der »Supermittwoch« in meinem Briefkasten liegen wird, weil sooo schnell ja dann doch nicht alles geht. Und dann habe ich vielleicht erstmal für ein halbes Jahr Ruhe.
Meiner Meinung nach findet diese permanente Belästigung auch schon in der rechtlichen Grauzone statt, denn im Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG) heißt es:

§ 7
Unzumutbare Belästigungen
(1) Unlauter im Sinne von § 3 handelt, wer einen Marktteilnehmer in unzumutbarer Weise belästigt.
(2) Eine unzumutbare Belästigung ist insbesondere anzunehmen
1. bei einer Werbung, obwohl erkennbar ist, dass der Empfänger diese Werbung nicht wünscht;

Ich finde, der Hinweis »Reklameeinwurf, insbesondere ›Supersonntag‹ und ›Supermittwoch‹, verboten« an meinem Briefkasten ist eindeutig. Von den regelmäßig nötigen Anrufen ganz zu schweigen.
Jedenfalls habe ich von meinen Überlegung, endlich wieder eine der Tageszeitungen (Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung) aus dem gleichen Verlag zu abonnieren, vorerst Abstand genommen.

Hier der Service-Teil:

  • »Zustellverbot« für Supersonntag und -mittwoch mitteilen unter Telefon 0180-1001600 (4,6ct/Min)
  • oder Beschwerden direkt loswerden unter info@supersonntag.de
  • oder über das Reklamationsformular (Aber genau aufpassen! Nicht versehentlich das Feld »Ich habe keine Zeitung erhalten am/seit« ausfüllen, sondern unten das Feld für Anmerkungen. Ein Feld »Ich möchte keine Zeitung mehr erhalten ab« gibt es bezeichnender Weise nicht.)

8 Comments »

  1. Äh –
    was ist so böse an den Aldi- und Plus-Angeboten oder was sich sonst so alles an Werbung in Supersonntag und Co. findet?

    Sicher, ich werfe auch sofort 50 bis 90 Prozent weg. Aber der Rest hilft meiner Familie jede Woche wieder, die billigste Butter, Milch, den billigsten Kaffee und das billigste Waschmittel zu finden. Durch konsequent geplanten Einkauf sparen wir monatlich um die 50 Euro. Und wenn der Zeitungsbote uns mal versehentlich beim Verteilen vergessen hat, ruft meine Frau bei der von Dir oben erwähntenb 0180-er Nummer an und bittet um NACHLIEFERUNG.

    — Comment by Alfons am Sonntag, 25. Dezember 2005 um 23.57 Uhr

  2. Lieber »Alfons«,
    du hast offenbar nicht verstanden, worum es mir geht. Mit keinem Wort fordere ich, dass du die Werbezeitungen nicht mehr bekommen darfst. Du kannst sie gerne super finden. Aber: Es soll auch niemand gezwungen werden, sie zu nehmen, der sich damit den Briefkasten nicht vollstopfen lassen will. Supersonntag und -mittwoch nehmen aber offenbar vorsätzlich keine Rücksicht auf die Wünsche derer, die von ihnen in Ruhe gelassen werden wollen und setzen sich bewusst darüber hinweg, wenn jemand an seinen Briefkasten schreibt, er wolle diese Zeitungen nicht erhalten. Und selbst wenn man telefonisch die Zusage erhalten hat, künftig verschont zu bleiben, dauert es meist nur ein paar Monate, bis diese Zusage offenbar wieder vergessen ist bzw. einem neuen Zusteller das Zustellverbot einfach nicht nachdrücklich genug mitgeteilt wurde.

    Und was die billigste Butter, Milch und den billigsten Kaffee angeht: Ich kaufe, so lange ich es mir irgendwie leisten kann, konsequent fair gehandelten Kaffee, Biobutter und Biomilch. Ich will jedenfalls keine Produkte kaufen, deren ruinöse Preise durch ausbeuterische Arbeitsverhältnisse auf Kaffeeplantagen oder Dumpingpreise durch tierquälerische Viehhaltung in der Landwirtschaft ermöglicht werden. Deshalb interessieren mich auch die ganzen Lockangebote der Supermärkte kaum.
    Für mich sind Supersonntag und -mittwoch samt ihrer ganzen Beilagen vor allem eine riesige Papierverschwendung, gegen die es geradezu lächerlich ist, wenn kleinere private Umweltvergehen getadelt oder bestraft werden.

    — Comment by Darius am Dienstag, 27. Dezember 2005 um 13.04 Uhr

  3. Siehe bezüglich des Kommentars von »Alfons« auch den Beitrag Zufälle aber auch.

    — Comment by Darius am Dienstag, 27. Dezember 2005 um 17.49 Uhr

  4. Manchmal frage ich mich, wie blöd die Zustellabteilung dieser Zeitung eigentlich ist. Da gelingt es denen keine zwei Wochen, das zugesagte Zustellverbot durchzuhalten? Jedenfalls liegen schon wieder zwei Exemplare im Briefkasten.

    — Comment by Darius am Montag, 2. Januar 2006 um 12.54 Uhr

  5. Mittlerweile erscheint in den Angeboten für Werbewillige das ausdrückliche Angebot Zustellverbote zu missachten.

    — Comment by Michael am Donnerstag, 28. September 2006 um 19.31 Uhr

  6. Lieber Alfons,
    Ihr (oder richtiger: Deine verehrte Gattin) macht einen Denkfehler.
    Ich kenne auch Leute, die sich vom ›besten‹ Preis für z.B. Butter in den Markt locken lassen.

    Wenn sichergestellt wäre, dass 1. wirklich nur die Butter gekauft wird und nix anderes und 2. keine ›extra‹ Fahrt zu eben diesem Markt unternommen werden muss um das vermeintliche Schnäppchen zu erhaschen, ist alles im Grünen Bereich. Leider ist es aber bei den meisten Leuten so, dass sie wegen der Butter zum Markt fahren aber mit einem ganzen Einkaufswagen voll nach Hause kommen. Deshalb: Kauft nur was Ihr wirklich braucht und zwar dann, wenn Ihr es braucht. Der unerwünschte papiergebundene SPAM löst Kaufimpulse aus, d.h. Ihr gebt Geld aus, ohne wirklichen Bedarf zu haben. Nicht im Blättchen lesen was billig ist, sonder überlegen was man tatsächlich braucht. Und wenn nun mal die Butter aus ist – naja egal ob LIDL, Aldi oder plus – die Preisunterschiede sind so marginal, dass sich vergleichen kaum lohnt und jeder weiss, dass ein Pfund Deutsche Marken-Butter derzeit nun mal -,70 plus minus kostet.

    Euch dennoch ›happy consuming‹, und »Lasst Euch nicht vera……, vor allem nicht beim Preis!« 🙂

    — Comment by Super Jedentag am Donnerstag, 8. Oktober 2009 um 12.24 Uhr

  7. Bei mir sind schon wertvolle Fotos von dem Werbemüll zerquetscht worden. Es kommen Mittwochs und Samstags 5 Kostenlose Zeitungen. Zwei aus Holland. Ich wohne nah an der Grenze,
    habe einen Außenbriefkasten und bin oft tagelang weg auf Montage. Die Zusteller freut es. Wenn aus dem Zeitungsrohr beiderseits das Papier quillt, wird oben in die Klappe
    gestopft bis zum Gehtnichtmehr. Dann gibt es noch gratis ein paar Stapel auf die Treppe. Gelegentlich beseitigen die Nachbarn etwas, damit der Bereich nicht so zugemüllt ist.
    Als erste Abwehrmaßnahme hatte ich die Verlage mit Zustellverbot mit Lesebestätigung angemailt. Das half für paar Wochen. Prospektverteiler sind schwerer zu informieren.
    Die Versender versuchen fast immer, den Zusteller verantwortlich zu machen. Klar steht auf meinem Briefkasten deutlich und wetterfest, was ich nicht will.
    Mal habe ich einen Zusteller auf frischer Tat ertappt. Es war ein nettes Mädchen auf Inlinern. Klar will die das Zeug schnell loswerden und nicht lesen, ob und was da auf dem
    Kasten steht. Ich glaub die ist für 10 € einige Stunden unterwegs und muss sich dafür noch von Leuten wie mir anmotzen lassen. Sie wird aber kontrolliert. Doch nur darauf, ob sie auch
    alle 1000 Zettel schön verteilt und nicht etwa in die Tonne gekloppt hat.
    Jetzt habe ich aber schon seit 4 Monaten Ruhe: Wenn trotz Zustellverbot was kommt, Email an den Anwalt, der mahnt kostenpflichtig. Geht doch.

    — Comment by Ashan am Montag, 14. März 2011 um 16.35 Uhr

  8. Habe das Gleiche Problem. Aber gleich doppelt da sich ein Briefkasten und darüber 2 Klingeln befinden . Es gibt nur ein Namensschild und ein Zustellverbot ist auch für 3 Zeitungen uper Mittwoh/Sonntag und HS Woche ausgesprochen .
    Da ich Wochenendheimfahrer bin darf ich am Sa 3 Zeitungen , verknickte und zerrissene Post, das der Briefkasten etwas klein ist , jedoch was noch geht gestopft wird .
    Ein Schild am Briefkasten – keine Werbung – keine Zeitungen scheint auch nicht zu interessieren.
    Was wenn ich in Urlaub fahre ? Musste letztlich Briefe bei der Post abholen weil diese nicht mehr in den Briefkasten gingen. Der Briefträger hat die dann beim Postamt 9 Km entfernt hinterlegt.
    Ich könnte kotzen, es geht schon 1 Jahr so , aber jetzt geht ein Fax mit Sendebestätigung und Bitte um schriftliche Bestätigung des Zustellverbots raus .

    Danach muss ich wohl rechtliche Schritte einleiten
    Was soll ich mit der örtlichen Werbung , wenn ich nur am WE hier bin .

    Güsse

    — Comment by jojo1956 am Samstag, 19. März 2011 um 15.50 Uhr

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