Montag, 21. November 2005

Bräunen nach Zahlen

Darius 1.33 Uhr Filed under: Geheimnisse dieser Welt

»Verschwörung der Frauen« ist ein Klassiker unter den Filmen Peter Greenaways. Der Originaltitel lautet »Drowning by Numbers«, aber »Ersäufen nach Zahlen« schien dem deutschen Verleih wohl zu kurios. Schade, denn bereits in Greenaways frühen Kurzfilmen spielen Zahlen eine wichtige Rolle, etwa in »Windows«, und »Ersäufen nach Zahlen« klingt etwa so, wie der Film dann auch ist, während »Verschwörung der Frauen« nach einem Reißer sondergleichen klingt. Diese Erkenntnis ist ein alter Hut, aber anlässlich meiner Lektüre von Stefan Beuses Roman »Kometen« wollte ich das mal loswerden. Eine Romanfigur besitzt nämlich wie ich den Soundtrack zum Film:

Wozu brauchst du denn einen Unternehmensberater, du Hochstapler, hätte Leitner am liebsten gesagt. Abgesehen davon haßte er Leute, die ihm die Hand auf die Schulter legten, aber letztlich hatte er sich jeden Kommentar verkniffen. Er war ohnehin zu müde dazu, außerdem hatte er sein Honorar anstandslos genehmigt bekommen. Auch sein Auftritt letzte Nacht schien unbemerkt geblieben. Dominguez, jedenfalls, verlor kein Wort darüber; Leitner hatte sogar den Eindruck, daß er dankbar war, nicht von der Party sprechen zu müssen, und als er endlich wieder im Auto saß, hatte er die Geschichte selbst fast vergessen. Er legte Browning by Numbers von Michael Nyman in den CD-Wechsler, umfaßte das Lenkrad mit beiden Händen und drückte kurz zu.

Wer immer diesen Fehler (mindestens in der BLT-Ausgabe, 1. Auflage) zu verantworten hat, war wohl in Gedanken wieder beim Malen nach Zahlen (auf das Greenaway sicher anspielte, aber eben nur das), doch mit nur einer Farbe.
Da ich das Buch nun schon gerade zur Hand genommen habe, möchte ich auch folgende nette Passage nicht vorenthalten:

Am anderen Ufer der Mündung steht ein Fischer und wirft seine Angel aus. Er trägt eine grüne Tarnjacke und hat einen Eimer neben sich stehen. Ich stelle mir vor, daß er ein Mörder ist. In der Zeitung stand letztens was von einem belgischen Serienkiller, der seine Opfer zerstückelt und die Leichenteile in blauen Plastiktüten an Straßen mit symbolischen Namen verteilt. Die Orte, an denen er die abgeschlagenen Körperteile deponierte, hießen zum Beispiel »Weg der Einsamkeit«, »Fluß des Hasses« oder »Straße des Abfalls«. Ich würde mich gern mit diesem Mörder über das belgische Verständnis von Poesie unterhalten.

Zweifellos hätte die Geschichte auch Greenaway fasziniert.

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