Mittwoch, 11. Mai 2005

Jetzt aussteigen

Darius 0.33 Uhr Filed under: Segnungen des Kapitalismus

Vor ein paar Tagen habe ich versucht, ein Frühlings-Spezial-Ticket der Bahn zu 29 Euro zu bekommen. Angeblich gibt es die bis drei Tage vor Reisebeginn, und es war noch mehr als eine Woche, bis ich fahren wollte.

Das Angebot Frühlings-Spezial können Sie direkt über unsere Reiseauskunft buchen. […] Durch Klick auf »Zur Buchung« gelangen Sie in den Buchungsdialog. Gezahlt wird per Kreditkarte oder (nach vorheriger Freischaltung) per Lastschrift.

Nach der freudigen Feststellung auf den Webseiten der Bahn, dass es solche Tickets tatsächlich auf der gewünschten Strecke gibt, kam bald die erste Ernüchterung: Um so ein Ticket gleich online zu kaufen, müsste ich entweder eine Bahncard oder eine eigene Kreditkarte haben – nicht etwa zum Bezahlen (das ginge ja auch per Lastschrift), sondern um mich im Zug damit auszuweisen.

Das OnlineTicket gilt – anders als Fahrkarten, die Sie am Schalter erwerben – nur für Sie persönlich mit der bei Anmeldung hinterlegten Ausweis-ID (gültige BahnCard bzw. Kreditkarte), die Sie auch im Zug mitführen.

Also kein Online-Kauf. Bei genauerem Studium der Webseiten stellte ich fest, dass da ja gar nicht »nur über unsere Reiseauskunft« stand – an Automaten und am guten alten Schalter sollte es die Tickets auch geben.
Bei nächster Gelegenheit, zwei Tage später (genau eine Woche vor dem Reisetermin), bin ich zum nächsten Bahnhof gefahren. Dort gibt es schon lange keinen Schalter mehr, aber am Schalter hätte das Ticket ohnehin gleich 5 Euro mehr gekostet. Leider hatte der Automat, als ich endlich den richtigen Weg durch die Benutzerführung genommen hatte, nur noch eine einzige Verbindung am gewünschten Tag zum Sonderangebot zu bieten, und zwar zu 39 Euro. Bei einem Teil der Verbindungen, bei der ich mit Thalys fahren müsste, verweigerte der Automat Verkauf und Preisauskunft prinzipiell (obwohl das – mit Bahn- oder Kreditkarte natürlich – online zu 32 Euro möglich gewesen wäre): dazu solle ich ins DB-Reisezentrum, stand immerhin da. Nur gab es das ja dort nicht.
Ich bin also zum Hauptbahnhof gefahren. Das dortige Reisezentrum hatte leider um 21 Uhr alle Schalter dichtgemacht, und es war schon zwanzig nach. Schließlich habe ich dann dort am Automaten die Karte zu 39 Euro gezogen. Das ging immerhin mit EC-Karte, Bargeld hätte der Automat nicht angenommen. Ob ich am nächsten Tag noch ein Thalys-Ticket bekommen hätte, weiß ich natürlich nicht. Aber ich hätte es ja am Schalter, also zu 37 Euro kaufen müssen. So fahre ich jetzt fast eine Stunde länger und werde meiner Gastgeberin meinen Besuch schon einige Stunden früher aufdrängen als geplant.
Und als ich noch mal auf die Webseiten der Bahn schaue, stolpere ich zur Abwechslung über diesen Hinweis:

Wenn Sie zum ersten Mal buchen und weder über eine BahnCard, noch über eine Kreditkarte zur OnlineTicket-Anmeldung verfügen, sendet Ihnen unser ServiceCenter die Fahrkarten auch gerne versandkostenfrei nach Hause. Wählen Sie dazu die Option: »Fahrkartenversand per Post«. Sie erhalten Ihr Ticket dann innerhalb von 3 Werktagen (Mo-Fr) per Post zugestellt.

Hab ich’s übersehen? Hat die Bahn es inzwischen ergänzt? Ich traue denen inzwischen alles zu, allerdings kaum, dass die Freischaltung für Lastschrift und der Fahrkartenversand noch noch rechtzeitig geklappt hätten. Jedenfalls war die ganze Aktion so nervig, dass man alle Freude über den günstigen Preis wieder vergisst. Und soooo billig sind die 80 Mark für eine einzelne Fahrt quer durch Deutschland dann doch nicht, dass ich jetzt der Bahn ewig dankbar bin.

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