Freitag, 16. Januar 2004

Mit 20 kein Herz, mit 40 auch keinen Verstand

Darius 19.21 Uhr Filed under: Alles und nichts

Manchen fällt nichts Originelleres ein, als wiederzukäuen:

»›Ohne Umwege über den Linkssozialismus wäre ich kaum der geworden, der ich bin‹, sagt Brandt in seinen ›Erinnerungen‹ 1989. Das erinnert an den Juso-Spruch: Wer mit 20 nicht revolutionär, ist mit 50 reaktionär.«

(Björn Engholm)

»Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.«

(Benedetto Croce)

»Wer mit zwanzig kein Revolutionär war, hat kein Herz. Wer es mit dreißig noch ist, hat keinen Verstand«

(G. B. Shaw)

»Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz.
Wer mit 40 immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand.«

(Theodor Fontane)

»Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, hat kein Herz, wer es im Alter noch immer ist, hat keinen Verstand.«

(B.Russell)

»Wer mit zwanzig kein Sozialist ist, hat kein Herz – wer es mit vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand.«

(Winston Churchill)

…um nur einige zu nennen. Wie auch immer, sie haben bewiesen, dass sie mit über 30 keine Phantasie mehr besitzen, dass sie alle den gleichen Spruch klopfen. Und jetzt, wo’s raus ist, haltet endlich das Maul! Ich kann den Spruch nicht mehr hören, egal mit welchen Zahlen, und ob ihr von Linken, Pazifisten, Sozialisten oder Revolutionären redet! Und jetzt komme mir keiner mit »Das ist gar nicht von Tane!« Interessiert mich nämlich nicht die Bohne.

19 Comments »

  1. Unvergleichlich gut. Was für geschwätzige Idioten… 😉

    — Comment by Helene am Dienstag, 6. Februar 2007 um 4.42 Uhr

  2. Ein gewisser »alex« hat für »Yahoo Clever« gnadenlos hier abgeschrieben, ohne die Quelle dieser Zusammenstellung zu nennen. Mieser Stil und alles andere als clever, sondern einfach nur faul. Ich habe die Zitate immerhin in einiger Recherchearbeit aus verschiedenen Quellen zusammengesucht.

    — Comment by Darius am Samstag, 17. März 2007 um 15.14 Uhr

  3. Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz – wer mit 40 keiner mehr ist, hat kein Rückgrat.

    — Comment by Andrej Hunko am Sonntag, 25. März 2007 um 4.00 Uhr

  4. [...] ist denn nun der Vater..... ....des Spruches? Mit 20 kein Herz, mit 40 auch keinen Verstand Ohne Umwege ber den Linkssozialismus wre ich kaum der geworden, der ich bin, sagt Brandt in [...]

    — Pingback by Wer ist denn nun der Vater..... - Deutsch-Trkisches Forum am Samstag, 9. Juni 2007 um 13.52 Uhr

  5. alles scheint darauf hinaus zu laufen, ob jemand, gleich welchen alters, herz und verstand besitzt. wer diesen spruch klopft, egal wie er ihn genau formuliert, hat wahrscheinlich beides nicht mehr.

    — Comment by Bernhard am Montag, 28. Juli 2008 um 10.43 Uhr

  6. [...] Allerdings scheint es sich hier um eine besonders blöde Varation eines Originalzitats zu handeln, das ich bisher nicht finden konnte. Immerhin aber das aufschlussreiche Ergebnis der Recherche von Darius Dunker. [...]

    — Pingback by westerholt & gysenberg» Blogarchiv » Kindheitsschlüsselerlebnisprägeblödspruchmist am Donnerstag, 30. Oktober 2008 um 10.00 Uhr

  7. [...] Mal wird er Churchill zugeschrieben, mal anderen. [...]

    — Pingback by B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Metamorphosen am Freitag, 2. Januar 2009 um 20.06 Uhr

  8. das sind ziemlich viele kluge leute, die du hier alle als idioten abstempelst… wie gut, dass diese zitate niemand mehr zu bestätigen braucht, da ja nun hinlänglich bewiesen ist, dass der sozialismus eine funktionsunfähige und unfreie gesellschaftsform ist, die in deutschland die eine diktatur durch eine andere ersetzt hat. 40 jahre erfahrung mit blinder verstaatlichungswut sprechen für sich 😉

    als junger mensch über alternativen zum kapitalismus nachdenken, ist nie verkehrt, aber irgendwann sollte man schon zum richtigen ergebnis kommen. ich liebe diese zitate – trotz aller inflationärer benutzung (da hast du recht)

    liebe grüße vom planeten erde
    sebbi

    — Comment by sebbi am Sonntag, 22. Februar 2009 um 18.50 Uhr

  9. [...] Und, weder hier noch hier bin ich fündig geworden, habe aber schliesslich dann über Umwege HIER einen erfrischend unterhaltsamen Text dazu gefunden (Darius [...]

    — Pingback by Sprücheklopfer « Achter am Mittwoch, 4. März 2009 um 13.41 Uhr

  10. [...] als älterer Anwalt immer noch nicht tut, keinen Verstand”, schreibt Kollege Schandmaul in Anlehnung an ein vielzitiertes Zitat in einer Ausgabe der neuen “Info A” (eine sehr interessante und praxisorientierte [...]

    — Pingback by Unternehmeranwalt: Mandat via Internet » blog.felser.de am Montag, 21. September 2009 um 13.00 Uhr

  11. Was sind denn Deine Quellen?

    — Comment by kay am Freitag, 16. Juli 2010 um 22.48 Uhr

  12. Ja, woher kommt das Russellzitat? Die Quelle interessiert mich wirklich. Ich habe in letzter Zeit recht viel Kram von Russell gelesen und kann mir nur schwerlich vorstellen, dass auch er diesen ausgelutschten Satz gebracht haben soll. Es stimmt, er hatte (zur Zeit als Stalin definierte, was Kommunismus ist, berechtigter weise) ziemliche Vorbehalte gegen den sogenannten Kommunismus. Ansonsten macht er aber andauernd klar, dass er sozialistisch (+liberal im antikapitalistischen Sinne) drauf ist. Zum Beispiel in »In Praise of Idleness« (1935) oder in einigen Absätzen gegen die Vereinbarkeit von Kapitalismus und Demokratie in »Power« (1938). 1938 war der Mann immerhin 66, wenn ich mich nicht verrechne! Selbst wenn Russell also so etwas ähnliches zu dem Zitat gesagt oder geschrieben haben sollte, dann wird er ziemlich sicher nicht das damit gemeint haben, was ein durchschnittlicher Neocon oder Neoliberaler da heute vielleicht reininterpretieren will ;).

    (Auch eine fixe Googlerecherche brachte keine Quelle zu dem Zitat, sondern nur ein paar unbelegte Zuschreibungen in verschiedenen Variationen.)

    — Comment by Keks am Dienstag, 14. Dezember 2010 um 19.05 Uhr

  13. Nur zur Klarstellung: Ich habe die Zuschreibungen nicht nachrecherchiert. Ich wollte ursprünglich nur selbst wissen, woher »das« Zitat denn kommt, und fand dann so viele Varianten davon, dass ich denke, es wird sich nicht so leicht feststellen lassen. Ich habe die ganzen Varianten aufgelistet, gerade weil ich damit zeigen wollte, dass der recht unspektakuläre Gedanke allen möglichen Leuten zugeschrieben wird.

    — Comment by Darius am Mittwoch, 15. Dezember 2010 um 0.15 Uhr

  14. Menschen sind grundsätzlich Wiederkäuer. Mit dem Denken ist es so wie mit vielen anderen Fertigkeiten. Über das Erlernen einer Fertigkeit kommt nur selten einer weiter. Wieviele Musikanten gibt es z. B., die fast alle nur wiedergeben, komponieren tun die wenigsten. Den Spruch finde ich sehr gut und zutreffend. Habe diesen Satz bestimmt 10 Jahre nicht mehr gelesen, bin zufällig über Aufzeichnungen hierauf gestoßen – und finde ihn eben immer noch gültig . Erinnert mich auch an meinen Deutschlehrer, ein 68-er, vielleicht mein Mathelehrer hat noch mehr Eindruck hinterlassen, sonst erzählte er uns mal über seinen Flug, als er seine/n ehemaligen Mitstreiter im Flieger traf, alle mit Krawatte und Anzug, … mehr hat er nicht gesagt. seine ehemaligen Mitstreiter von der Strasse…. Das Ende des Zitats, man habe kein Verstand, – ich finde man sollte nie vergessen, dass es der Verstand ist der einem vorgaukelt man sei kein wildes Tier!!! Und dass das wilde Tier in uns immer wieder ausbricht, in manchen mehr in anderen weniger, da genügt ein Blick in den Spiegel…. schließe mich an: ich liebe diese Zitate….. In diesem Sinne—Wechsel für Baden Württemberg— Grüße aus Berlin.

    — Comment by Bertrand am Sonntag, 27. März 2011 um 9.28 Uhr

  15. Jeder kennt den Begriff des Egoismus. Kaum einer weiß, was Altruismus bedeutet. Solange sich das Verhältnis nicht umkehrt und mit ihm die Menge der Altruisten zu der Menge der Egoisten, ist dem Sozialismus nicht auf die Beine zu helfen. Daher war der historische Versuch in Russland eine Totgeburt. In Deutschland hätte es klappen können. Mit Dichtern und Denkern als Aufklärer und mit fleißigen Preußen an der Spitze. Mit Dachdeckern und Maurern, die nichts als eine riesenhafte Mauer bauen konnten, war kein Blumentopf zu gewinnen.

    — Comment by Gerhard Stolte am Sonntag, 6. November 2011 um 11.10 Uhr

  16. »Der Kommunismus ist deswegen un[se]rm Heiligen rein unbegreiflich, weil die [Ko]mmunisten weder den Egoismus gegen die Aufopferung noch die Aufopferung gegen den Egoismus geltend machen und theoretisch diesen Gegensatz weder in jener gemütlichen noch in jener überschwänglichen ideologischen Formfassen, vielmehr seine materielle Geburtsstätte nachweisen, mit welcher er von selber verschwindet.
    Die Kommunisten predigen überhaupt keine Moral, was Stirner im ausgedehntesten Maße tut. Sie stellen nicht die moralische Forderung an die Menschen: Liebet Euch untereinander, seid keine Egoisten pp.; sie wissen im Gegenteil sehr gut, dass der Egoismus ebenso wie der Altruismus eine unter bestimmten Verhältnissen notwendige Form der Durchsetzung der Individuen ist.
    Die Kommunisten wollen also keineswegs, wie Sankt Max glaubt und wie ihm sein getreuer Dottore Graziano (Arnold Ruge) nachbetet […], den ‚Privatmenschen’ dem ‚allgemeinen’, dem aufopfernden Menschen zuliebe aufheben […].
    Die theoretischen Kommunisten, die einzigen, welche Zeit haben, sich mit der Geschichte zu beschäftigen, unterscheiden sich gerade dadurch, dass sie allein die Schöpfung des ›allgemeinen Interesses‹ durch die als ›Privatmenschen‹ bestimmten Individuen in der ganzen Geschichte entdeckt haben. Sie wissen, dass dieser Gegensatz nur scheinbar ist, weil die eine Seite, das sogenannte ‚Allgemeine’, von der anderen, dem Privatinteresse, fortwährend erzeugt wird und keineswegs ihm gegenüber eine selbstständige Macht mit einer selbstständigen Gesichichte ist, daß also dieser Gegensatz fortwährend praktisch vernichtet und erzeugt wird. Es handelt sich also nicht um eine Hegelsche ›negativen Einheit‹ von zwei Seiten eines Gegensatzes, sondern um die materiell bedingte Vernichtung einer bisherigen materiell bedingten Daseinsweise der Individuen, mit welcher zugleich jener Gegensatz samt seiner EInheit verschwindet. “ K. Marx, F. Engels, Deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Bd. 3, S. 229.

    — Comment by p am Donnerstag, 26. Januar 2012 um 9.17 Uhr

  17. Danke, Gerhard Stolte. So viel Scharfsinn treibt mir glatt die Tränen in die Augen. Viele Grüße

    — Comment by Julia Morgenroth am Freitag, 4. Mai 2012 um 8.47 Uhr

  18. [...] hat kein Herz, aber wer im Alter nicht präskriptiv wird, hat keinen Verstand.” (Frei nach ziemlich vielen Leuten.) Ja, das wird in der Tat ein Spaß … ich glaube, ich werde schon bald damit anfangen. [...]

    — Pingback by mit dem adelung über den fuß gespannt « lexikographieblog am Mittwoch, 9. Mai 2012 um 23.32 Uhr

  19. [...] Varianten dazu finden sich auf (http://dossier.dunker.de/2004/nr14/kein-herz.html) […]

    — Pingback by Peter “Red” Rabl « Sprechstunde am Samstag, 14. Juli 2012 um 17.29 Uhr

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